Chinas Handelspartner sehen sich benachteiligt – Export chinesischer Billigprodukte nimmt zu
Streit um Aufwertung des Renminbi eskaliert

China gerät zunehmend unter politischen Druck, seine Währung aufzuwerten. Vor allem Japan protestiert gegen einen niedrigen Renminbi-Wechselkurs. Auch aus den USA werden zunehmend kritische Stimmen laut.

PEKING. Die Differenzen zwischen Japan, den USA und China über eine Aufwertung des Renminbi drohen zu einem außenpolitischen Streit zu eskalieren. Chinas Organ der Kommunistischen Partei, People?s Daily, beschuldigt Regierung und Medien in Japan, eine "Dämonisierung" des Renminbi zu betreiben. Das Blatt zitiert einen Experten der Bank of China mit dem Vorwurf, Japans Forderungen nach einer Aufwertung hätten weniger mit Chinas Wirtschaftserfolgen zu tun als mit "dem langsamen Fortschritt bei der Restrukturierung Japans".

Seit Ende 2002 nehmen die Konflikte um eine angemessene Bewertung des Renminbi zu. Japan argumentiert, angesichts höherer Handelsüberschüsse und Währungsreserven müsse die chinesische Währung aufgewertet werden. Die Kopplung des Renminbi an den US-Dollar beschere chinesischen Waren einen unfairen Preisvorteil gegenüber Produkten aus anderen Ländern Asiens. 2002 stieg der Yen um 11 % zur chinesischen Währung, deren Einheit Yuan heißt. Japans Finanzminister Masajuro Shiokawa deutete im Dezember an, Japan könne das Thema bei der G7 vortragen und eine Aufwertung erzwingen.

Der Streit um den wahren Wert von Chinas Währung dürfte heftiger werden und andere Länder erfassen. "Die USA werden den Druck auf China erhöhen", meint der China-Experte bei Goldman Sachs in Hongkong, Jonathan Anderson. Im vergangenen Jahr hat China im Warenaustausch mit den USA einen Überschuss von 103 Mrd. Dollar erzielt und ist so zur Zielscheibe protektionistisch gesinnter Kreise in der US-Industrie geworden. "China-Bashing wird populärer werden", sagt der führende Währungsexperte bei Morgan Stanley, Stephen Jen. Ein Wort, das gezielt an das Plaza-Abkommen von 1985 erinnert, als Japan der Sündenbock der USA war und seine Währung aufwerten musste. "Da der Welt die politische Munition für eine Ankurbelung der Volkswirtschaften ausgeht, ist es nicht überraschend, dass einige China für die Probleme in der globalen Wirtschaft verantwortlich machen", sagt Jen.

Während der Welthandel weiter abflaut, ergießt sich eine Flut unschlagbar billiger Produkte aus China auf den Weltmarkt. Die Ausfuhren nahmen im Januar und Februar um satte 32,8 % zu. Dennoch war Chinas Handelsüberschuss 2002 mit 2,5 % vom Bruttoinlandsprodukt nur halb so groß wie der Japans vor dem Plaza-Abkommen. China, darauf verweisen viele Analysten, blähe auch nicht das Handelsdefizit der USA auf, es verdränge bei der US-Importrechnung lediglich andere asiatische Konkurrenten. Und die erzielen außer Hongkong einen Überschuss im Warenverkehr mit China, profitieren also von dessen Dynamik. Dennoch hält Anderson den Renminbi für unterbewertet. Würde er den Kräften des Marktes übergeben, würde er sich bei etwa 7,0 zum Dollar einpendeln, etwa 15 % höher als die aktuellen 8,27. Andere Schätzungen liegen noch darüber.

Mit einer Lockerung von Chinas Wechselkurs-Regime rechnet kurzfristig kaum jemand. Anderson ist sicher, "die Chinesen sind da todernst, sie werden keine große Anpassung haben". Über die Bindung an den Dollar soll das Finanzsystem trotz angeschlagener Banken stabil gehalten werden. Das höchste, so Anderson, sei "eine schrittweise Erweiterung des Bandes, in dem der Renminbi schwanken darf, dieses oder nächstes Jahr". Derzeit ist die Bandbreite mit 8,27 bis 8,28 Renminbi zum Dollar minimal. Auch Jen hat sich festgelegt: "China sollte nicht und wird nicht den Wechselkurs des Renminbi im laufenden Jahr verändern". Das entspricht der offiziellen Linie in China. Ende Januar kündigte der politische Ausschuss von Chinas Notenbank an, Zinsen und Wechselkurs stabil zu halten. Ex-Notenbank-Gouverneur Dai Xianglong bekräftigte im Januar: "Im Vergleich zur boomenden chinesischen Konjunktur ist der Finanzsektor des Landes noch immer schwach. Der aktuelle Wechselkurs spiegelt dies realistisch wieder und sollte beibehalten werden."

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