Chinas Metropole ist der Favorit
Paris gegen Peking: Das Duell um die Spiele 2008 als Staatsaffäre

"Peking kann sich nur selbst um die Spiele bringen", so ein führender Olympier mit einem Verweis auf Menschenrechtsverletzungen, die Peking bereits um die Bewerbung 2000 gegen Sydney zurückgeworfen haben.

dpa LAUSANNE. Paris gegen Peking, Peking gegen Paris - das große Duell um die Spiele 2008 geht bei den olympischen Sitzungen in Lausanne in die entscheidenden Runden. Seit dem Dezember-Beschluss vergangenen Jahres ist den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) der Besuch von Bewerberstädten untersagt. So bieten das Treffen der IOC-Exekutive am Dienstag und Mittwoch und die diversen Sitzungen von Kommissionen mit mehr als 30 Olympiern die letzte große Möglichkeit für Direkt-Lobbyismus. Um die Kontakte der Kandidaten zu den IOC-Mitgliedern so gering wie möglich zu halten, hat die olympische Führung die Vergabe der Spiele 2008 bei der Moskauer IOC-Session im kommenden Juli auf den Beginn der fünf Sitzungstage gelegt.



Peking ist der große Favorit - Paris ist Außenseiter

Mitkonkurrenten von Peking und Paris sind Osaka, Toronto und Istanbul. Doch obwohl eine IOC-Untersuchungskommission erst demnächst die Voraussetzungen der Bewerber prüfen wird, steht so gut wie fest: Chinas Metropole ist der große Favorit, Paris hat eine Außenseiterchance. Da nationales Prestige wie selten zuvor auf dem Spiel steht, ist die Kandidatur längst zu einer Staatsaffäre geworden. Den Kampf um die 127 Stimmen in der IOC-Vollversammlung fechten Peking und Paris vor allem auf diplomatischer Ebene aus.

Paris stand 1985 gegen Juan Antonio Samaranchs Heimatstadt Barcelona auf verlorenem Posten, als es um die Spiele 1992 ging. Immerhin wurde die Grande Nation, vor dem IOC vertreten durch den damaligen Paris-Bürgermeister Jacques Chirac, mit Albertville als Ausrichter der Winterspiele 1992 entschädigt. Acht Jahre später holte sich Peking beim Wettrennen mit Sydney um die Spiele 2000 eine blutige Nase. In Chinas politischer Führung war die Enttäuschung so groß, dass eine baldige zweite Bewerbung Pekings ausgeschlossen schien.

Inzwischen hat sich die Stimmung in Peking grundlegend geändert. Geholfen hat dabei eine Ermunterung durch IOC-Chef Samaranch, aber auch die Wahl von Athen zum Schauplatz der Spiele 2004. Das stärkte die Argumentation Chinas enorm: Olympia endlich zum ersten Mal im bevölkerungsreichsten Land und zum dritten Mal in Asien - und nicht zum dritten Mal in Paris und zum 17. Mal und dazu noch zwei Mal hintereinander in Europa. Bei dieser Betrachtungsweise haben selbst Osaka und Toronto ein größeres Anrecht als Paris.



China plant Verbesserung der Infrastruktur

Peking protzt bei seiner Staatsbewerbung wieder mit großen Zahlen und verspricht der enormen Umweltverschmutzung und den Verkehrsproblemen bis 2008 mit Investitionen von 148 Mrd. Yuan (40 Mrd. DM) zu Leibe rücken zu wollen. Fabriken sollen geschlossen oder umgesiedelt, Haushalte von Kohle auf Erdgas umgestellt werden. Das Herzstück ist mit einem 1 215 Hektar großen Olympia-Park nördlich der Stadt geplant. Paris will 20 Mrd. Francs (sechs Mrd. DM) für die Spiele einsetzen und verweist auf die großen Erfahrungen bei der Ausrichtung von Veranstaltungen wie die Fußball-WM 1998.

Die Franzosen wollen dem Gigantismus Chinas mit Pfiff und Originalität begegnen. So haben sie sich als Clou Beach-Volleyball unter dem Eiffelturm ausgedacht. Dort, wo die Franzosen im Winter auf künstlicher Piste auch mal Ski fahren oder sich im Sommer an "Ministränden" sonnen. Das hat die Chinesen zu einem Konter veranlasst, der einem Selbsttor gleichkommt: Beach-Volleyball in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen). Der Platz gilt als Synonym für das Massaker bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989.

"Peking kann sich nur selbst um die Spiele bringen", sagt ein führender Olympier und verweist auf Menschenrechtsverletzungen und andere politische Torheiten, die Peking damals gegen Sydney entscheidend zurückgeworfen haben. Einen Tag vor der Abstimmung 1993 hatte ein hoher Funktionär aus Peking den Besitzanspruch auf Taiwan unterstrichen - und dabei wohl die entscheidenden Stimmen verspielt. Das IOC weist immer wieder voller Stolz darauf hin, dass es die einzige Weltorganisation ist, in der mit der Volksrepublik und dem Inselstaat zwei Chinas gleichberechtigt vertreten sind.

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