Chinas Sportinternate
Schulen der Schmerzen

China träumt davon, erstmals mehr Gold bei Olympia zu holen als die große Sportnation USA. Dafür schwitzt seit Jahren im ganzen Land eine Sportelite bis zum Umfallen. Zwar sind die schlimmsten Exzesse an den chinesischen Sportinternaten vorüber, doch noch immer herrschen Drill und Zwang.

PEKING. Tacke-ti-tak, tacke-ti-tak. Unentwegt schmettert Zhang Kai die pfeilschnellen Tischtennisbälle ab, die ihm eine Trainerin im Rekordtempo auf die grüne Platte knallt. Wie aus einer Kanone schießen die weißen Bälle dem zehnjährigen Chinesen um die Ohren. "Hey, nicht einschlafen", ruft die Frau im Trainingsdress trocken. Tacke-ti-tak, Tacke-ti-tak.

Seit Stunden trainiert der chinesische Junge in einer der Hallen der Pekinger Sportschule Shichahai. Hier verbringe er seine meiste Zeit, sagt Zhang Kai später in einer kurzen Trainingspause. Tischtennis ist sein Leben. Und sein Ziel? "Ich will Weltmeister werden", kommt es dem Nachwuchs-Sportler selbstbewusst über die Lippen. Oder eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen gewinnen.

Die Shichahai-Sportschule im Zentrum der Hauptstadt gehört zu den Orten in China, an dem schon seit Jahren Turnstars und Ping-Pong-Könige geformt werden. "Wir sind eine der drei Top-Schulen des Landes", sagt Vize-Leiterin Shi Fengshua und verteilt eine Liste mit 32 Weltmeistern und Medaillengewinnern. Alle haben einst wie der kleine Zhang Kai an der Kaderschmiede hart trainiert.

Dazu gehört auch die Tischtennis-Olympiasiegerin von 2004, Zhang Yining. Ihr Bild hängt überall in Shichahai. Die 25-jährige Spielerin, die seit Jahren die Weltrangliste anführt, sei das "Gesicht der Schule", so die Direktorin nicht ohne Stolz. Die viermalige Goldmedaillengewinnerin will auch bei den Sommerspielen in Peking wieder ganz oben stehen. Und niemand zweifelt daran.

China träumt davon, erstmals mehr Gold bei Olympia zu holen als die große Sportnation USA. Dafür schwitzt seit Jahren im ganzen Land eine Sportelite bis zum Umfallen. "Trainiere hart für die Olympischen Spiele" - solche und andere Sprüche hängen auch überall auf roten Bannern in der Sportschule Shichahai, wo insgesamt 600 Kinder und Jugendliche trainieren.

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