Chinas Technologie-Hunger beschert der Region Wachstum
Asien hilft High-Tech-Branche aus der Patsche

Aussteller aus Asien zeigen auf der Cebit geballte Präsenz - nicht ohne Grund. Denn der Markt für Informations- und Kommunikationstechnologie im Fernen Osten boomt, als gebe es keine Konjunkturdelle. Marktforscher sehen eine rosige Zukunft für die Region mit China als Lokomotive.

HONGKONG. Wie selten zuvor prägen in diesem Jahr Asiaten das Bild der Cebit. Unter den rund 8 000 Austellern der Messe kommen mehr als 1 000 Unternehmen aus dem Raum Asien-Pazifik. Sowohl auf der Aussteller als auch auf der Besucherseite ist die Cebit wohl diejenige Messe in Europa mit der größten asiatischen Beteiligung. So haben allein aus Honkong fast 100 Aussteller für Hannover gebucht.

Die geballte asiatische Präsenz hat einen Grund: Die Märkte im Westen gelten als gesättigt, das zwingt die Technologie-Konzerne dazu, in Asien nach Wachstum zu suchen. Tatsächlich entwickelt sich der Ferne Osten, angeführt von China, zum wichtigen Kunden für Unternehmen wie Intel, IBM oder SAP. Marktforscher sagen der Region eine rosige Zukunft voraus: Nirgends sonst sehen sie den IT-Markt in den nächsten Jahren so schnell und dauerhaft wachsen.

Intel zum Beispiel verkauft in Asien bereits heute mehr Computerchips als in den USA. Der Konzern erwirtschaftete im vergangenen Quartal erstmals mehr als ein Drittel seines Umsatzes in Fernost und sieht die Region - vor allem China - als größte Wachstumsquelle. Intel-Chef Craig Barrett verkündete kürzlich in Tokio, die Volksrepublik werde in ein, zwei Jahren Japan als größten Kunden in der Region überrunden.

Dass Asien in den Bilanzen vieler IT-Konzerne mehr Raum bekommt, führen Analysten auch auf die wuchtige Funktion des Kontinents als Outsourcing-Zentrum zurück. Der Kostendruck - verschärft durch die Absatzkrise im Westen - schürt die Abwanderung in Länder wie Taiwan, Singapur oder Malaysia. China profitiert besonders: Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass ein Konzern nicht Kapazitäten dorthin verlagerte. Soeben hat NEC, Japans größter PC-Hersteller, verkündet, innerhalb eines Jahres fast drei Viertel seiner Produktion nach China auszulagern. IBM lässt dort neuerdings hochmoderne Festplatten fertigen.

Doch der Ferne Osten ist nicht länger nur als verlängerte Werkbank interessant. Eine aufstrebende Mittelschicht und der große technologische Rückstand lokaler Unternehmen macht die Region auch als Markt für Endkunden immer interessanter. Fast jeder dritte Handybesitzer der Welt lebt inzwischen in Asien. Allein 2001 haben nach Erhebungen der Marktanalysten von Pyramid Research 85 Mill. Asiaten einen neuen Handy-Vertrag abgeschlossen - mehr als in Europa und den USA zusammen. Vor allem China treibt das Wachstum mit monatlich 5 Mill. neuen Abonnenten an.

Schon im kommenden Jahr soll die Region mehr Internet-Nutzer haben als die USA. Das zumindest prophezeien die Marktforscher von Gartner. Zudem leidet die Region weniger unter den Über-Investitionen, die die Branche in den USA und Europa lähmen. Unternehmen spüren das: Obwohl der Markt weltweit einbrach, verhalf das boomende China-Geschäft dem Speicherhersteller EMC im abgelaufenen Quartal zu 25 % Umsatzplus. Auch beim Verkauf von Servern, Handys und PC legt die Region zu, während der Westen seinen Technologie-Kater ausschläft. So brach der Computerabsatz im Vorjahr weltweit um 5 % ein, doch in Fernost wurden den Marktforschern von IDC zufolge 2 % mehr PC verkauft. Im letzten Quartal des Jahres zog der Absatz gar um 5,6 % an.

Der PC-Markt macht jedoch auch deutlich, dass für Asiens Widerstandskraft vor allem ein Kunde verantwortlich zeichnet: China. In den meisten Ländern der Region ging der PC-Absatz wie anderswo auch zurück. In China wuchs er um 12 %, und dort landet inzwischen fast jeder zweite PC, der in Fernost verkauft wird. Dieses Jahr soll Chinas PC-Markt um ein Fünftel wachsen. Um die Käufer liefern sich IBM, Compaq, Acer, Dell und Samsung einen erbitterten Kampf. Andererseits hat die Größe des Heimatmarkts eine Reihe chinesischer Technologie-Konzerne hervorgebracht, denen Kenner gute Chancen auf dem Weltmarkt einräumen: Zum Beispiel den Riesen Legend, der in China jeden dritten PC verkauft.

Analysten sind zuversichtlich, dass der Technologie-Hunger der Chinesen Asien auch in diesem Jahr zum Markt mit dem weltweit größten Wachstum macht. IDC-Chef Kirk Campbell verkündete bei einem Auftritt in Singapur, Chinas IT-Ausgaben würden bis 2012 jedes Jahr um ein Viertel zulegen. In sieben Jahren sei die Volksrepublik der drittgrößte Markt der Welt. Doch auch Südkorea oder Thailand dürfen gesundes Wachstum erwarten. Der Region als Ganzem - ohne Japan - sagt IDC für 2001 ein Plus von 10 % bei den IT-Ausgaben voraus; 2003 sollen es 22 % mehr sein.

Einer, der davon profitieren will, ist Klaus Zimmer. Der China-Chef von SAP ist zuversichtlich, dass er dieses Jahr 100 % Umsatzplus melden kann. "Der Markt wird heiß," sagt Zimmer. Und bald werde er explodieren.

Quelle: Handelsblatt

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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