Chinas Westen
Dem Lauf der Sonne folgen

Tianjin? Schanghai? Hangzhou? Alles Schnee von gestern - jedenfalls in den Augen von Yang Qingyu. Der Chef der Kommission für Entwicklung und Reform der Stadt Chongqing denkt, dass es nun genug ist mit dem Boom in den Regionen des chinesischen Ostens. Wie Chinas Westen mit deutscher Hilfe zum boomenden Osten aufschließen will.

CHONGQING. Die Botschaft Yangs: Nun ist der Westen an der Reihe, also etwa Chongqing. Und seine Stadt, die sich gerne als "Tor zum Westen" betrachtet, beweist seit einiger Zeit, dass sie das Zeug hat, zum erfolgreichen Osten aufzuschließen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), begleitet von deutschen Managern, verschaffte sich am Dienstag einen Eindruck von den Möglichkeiten, die die Stadt bietet.

Die jährlichen Wachstumsraten Chongqings erreichen mittlerweile Schwindel erregende 15 Prozent. Dieser Wert liegt deutlich über dem durchschnittlichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in China, der in den vergangenen Jahren stets um die Zehn-Prozent-Marke pendelte.

Da werden deutsche Unternehmerohren hellhörig. Der Repräsentant eines sehr großen deutschen Versicherungskonzerns wittert große Chancen: "Wir würden gerne nach Chongqing kommen. Wie kann die Stadt uns helfen, die erforderlichen Genehmigungen zu bekommen?" fragt er Herrn Yang ohne Umschweife. Der zeigt sich interessiert: Man werde gerne helfen, den Antrag für eine Lizenz bei der Versicherungsaufsicht in Peking zu stellen. Derzeit betreiben sieben lokale Versicherer das Geschäft in Chongqing. Für einen deutschen Mitbewerber dürfte noch reichlich Platz sein. Die Sparquote ist hoch und die demographische Entwicklung zwingt die Chinesen, private Altersvorsorge zu betreiben. Ideale Bedingungen für die Branche.

Einige deutsche Unternehmen haben schon vor ein paar Jahren erkannt, dass sie in China dem Lauf der Sonne folgen sollten: Sie sind bereits im Westen des Landes angekommen. Zum Beispiel BASF. Der Chemiekonzern investiert in Chongqing gemeinsam mit einem chinesischen Partner 400 Mill. Euro in eine Raffinerie.

Sechs wirtschaftliche Schwerpunkte setzt die Stadt - von der Automobilindustrie bis hin zu High Tech. Und es ist noch Platz für viele Unternehmen. Und außerdem gibt es reichlich Potenzial in Gestalt hoch qualifizierter Menschen. Herr Yang beeindruckt die deutsche Delegation mit Zahlen wie diesen: In Chongqing gibt es 830 Hochschulen und 500 000 Studenten. Dazu muss man wissen: Im Verwaltungsgebiet der Stadt, die keiner Provinz angehört, sondern der Zentralregierung in Peking direkt unterstellt ist, leben gut 30 Millionen Menschen. Damit gehört Chongqing zu den größten Metropolregionen der Welt.

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