Chinas Wirtschaftszahlen bilden häufig nicht die Realität ab
Riesiger Drache, spuckt aber nur kleines Feuer

Chinas Propaganda bemüht sich, Nachbarländer und westliche Handelspartner zu beruhigen. Nein, "die Flut chinesischer Produkte ist keine globale Bedrohung", schreibt die "China Daily". China sei zu Unrecht der Sündenbock für die globale Deflation, klagt ein anderes Blatt. China sei auch nicht die Fabrik der Welt, und sein kräftiges Wachstum - zuletzt 8,1 % im vierten Quartal 2002 - stütze schließlich das Exportgeschäft asiatischer Nachbarn.

mg PEKING. Doch die Handelspartner sehen das zunehmend anders. Chinas Exportflut setzt weltweit die Preise unter Druck und zieht Investitionen ab, fürchten Industrielobbys, Parlamentarier und auch Ökonomen. Beispiel USA. Sie sind weltweit Chinas größter Kunde und haben 2002 mit dem Reich der Mitte ein Handelsdefizit von 103 Mrd. $ erzielt. Knapp jeder dritte Fernseher kommt aus chinesischen Fabriken, ein Viertel aller Waschmaschinen, drei Viertel aller Uhren, die Hälfte aller Kameras.

China wird auch der größte Mobilfunkmarkt der Welt. Es schlägt die USA als Top-Exporteur in Japan. Gestern erst meldete der Ostasiatische Verein, dass China an erster Stelle der deutschen Lieferländern der Region steht. Mit einem Plus von 6,7 % und einem Volumen von 21 Mrd. Euro überholte es 2002 Japan, das einen Einbruch seiner Lieferungen nach Deutschland um fast 16 % verkraften muss.

"China hat 2001 40 % zum weltweiten Industriewachstum beigetragen", schreibt UBS Warburg. "China wird für ein ganzes Jahrzehnt die Weltwirtschaft dominieren", ahnt der Chinaexperte Andy Xie bei Morgan Stanley. Angesichts all dieser Superlative wird Asiens jüngster Tiger zum riesigen Drachen. Doch die wirtschaftlichen Kennziffern vermitteln ein Trugbild. Ein Beispiel sind die Höhe der ausländischen Direktinvestitionen. Knapp 53 Mrd. $ sollen 2002 nach China geströmt sein, mehr als in jedes andere Land. Das suggeriert Vertrauen. Doch bis zur Hälfte des Geldes, sagt die Weltbank, ist Karussell-Kapital, das das Land auf verschlungenen Pfaden verlassen hatte und als Auslandskapital getarnt zurück strömt, vermehrt um steuerliche Privilegien.

Auch Chinas Kapitalmärkte werden aufgeblasen. Denn zieht man die nicht in Umlauf befindlichen Aktien ab, die in Kellern von Staatsfirmen und Behörden schlummern, sinkt die Marktkapitalisierung laut Cambridge University auf 1,2 % der Wall Street. Auch Chinas Exporte sehen bei genauerer Prüfung nicht so beeindruckend aus, wie sie immer dargestellt werden. Mit Wachstumsraten von jährlich über 20 % stieg China zur sechstgrößten Handelsnation auf. Doch mehr als 52 % der Ausfuhren bestreiten Firmen mit ausländischer Beteiligung. Deren Exporte aus China heraus verzehnfachten sich 2002 auf fast 170 Mrd. Dollar.

"Es gibt jede Menge Übertreibungen und viele Fehlinformationen über China", sagt Jonathan Anderson, China-Kenner bei Goldman Sachs in Hongkong. "Trotz seiner Größe erreicht Chinas Außenhandel nur 4% des weltweiten Handels", sagt er. Diesen Wert erreichte Japan in den 60er Jahren und Südostasien Mitte der 80er Jahre. Auch Chinas rasanter Aufstieg auf der Technologieleiter relativiert sich schnell. Die Ausgaben des Landes für Forschung und Entwicklung waren im Jahr 2000 mit 10 Mrd. $ nur so hoch wie die des Siemens-Konzerns.

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