Chinas Zeitvorgaben sind äußerst straff
Erster Transrapid für China fertiggestellt

Während in Deutschland noch immer über den Transrapid diskutiert wird, soll die erste Magnetschwebebahn in China schon dieses Jahr auf Jungfernfahrt gehen.

dpa KASSEL. Am 20. Juni soll der Zug nach Bremerhaven gebracht und von dort nach China verschifft werden. Von einem Erfolg der Schanghai-Strecke versprechen die Transrapid-Bauer sich den Durchbruch der Magnetschwebe-Technologie weltweit mit Folgeaufträgen nicht nur aus China.

Die Fertigung in Kassel steht unter enormem Zeitdruck, denn die Chinesen haben einen für ein solches Großprojekt in Europa schwer vorstellbaren Terminplan vorgeben. Im Januar 2001 wurde der Bau der 33 Kilometer langen Strecke vom Flughafen ins Zentrum der Hafenstadt vereinbart und schon Ende dieses Jahres will Chinas Regierungschef Zhu Rongji zu einer Probefahrt starten. Damit Züge und Antriebstechnik fristgerecht fertig werden, ließen die Arbeiter in Kassel selbst während des feierlichen Produktionsstarts im Sommer 2001 das Werkzeug nicht ruhen.

Ganz reibungsfrei kam die Fertigung der Schwebebahn offenbar dennoch nicht in Fahrt. "Auf chinesischer Seite gibt es Sorge, ob das Projekt fertig wird", berichtete Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nach einer China-Reise im Februar. Noch vor wenigen Wochen hieß es, Ministerpräsident Zhu Rongji habe sich über falsch oder verspätet eintreffende Zulieferungen aus Deutschland geärgert. Bei Thyssen-Krupp indes sah man den Zeitplan nie in Gefahr - der inzwischen fertig gestellte erste Zug wird als Beweis für den Fortschritt des Projektes gesehen.

Dass der Schanghai-Strecke so hohe Bedeutung beigemessen wird, hat zweierlei Gründe. Wenn der Transrapid die Chinesen als Flughafen- Zubringer überzeugt, besteht Aussicht, dass die deutsche Spitzentechnologie auch auf der 1300 Kilometer langen Strecke Peking- Schanghai zum Einsatz kommt. Entschieden werden soll dies 2003. Weit vor Fertigstellung einer deutschen Referenzstrecke kann der Transrapid auf der Schanghai-Verbindung außerdem anderen ausländischen Interessenten seine Alltagstauglichkeit beweisen.

Trotz möglicher Folgeaufträge aus China oder auch den USA pochen die Transrapid-Bauer in Kassel weiterhin auf den Bau der deutschen Referenzstrecken in München und im Ruhrgebiet. Nur dann sei der Thyssen-Krupp-Standort Kassel mit 1000 Beschäftigten gesichert und nur dann könnten bis zu 1000 zusätzliche Jobs entstehen, sagt der Betriebsratsvorsitzende Hendrik Jordan. Begeistere der supermoderne Magnetflitzer indes nur die Chinesen, werde die Fertigung künftig wohl von Kassel nach China verlagert, fürchtet er.

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