Chinesischer Öl- und Chemieriese liegt beim Stellenabbau über dem Zeitplan
Sinopec zieht Schlankheitskur schneller durch

Sinopec-Chef Li Yizhong muss eines der größten Kunststücke in Chinas jüngerer Wirtschaftsgeschichte vollbringen: Er soll den führenden Öl- und Chemiekonzern in Rekordzeit modernisieren. Dabei kommt er offenbar gut voran. Li setzt auf den Ausbau der Ölförderung und auf Projekte mit Konzernen wie BASF oder BP.

HB PEKING. Der zweitgrößte chinesische Ölkonzern Sinopec kommt bei seiner geplanten Schlankheitskur schneller voran als erwartet. "Wir können den Fünfjahresplan innerhalb von drei Jahren verwirklichen", kündigte Konzernchef Li Yizhong im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Sinopec hatte beim Börsengang im August beschlossen, 280 000 von 1,2 Mill. Arbeitsplätzen abzubauen, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Dieses Jahr seien bereits 100 000 Stellen gestrichen worden, sagte Li.

Jetzt will Li den Ausbau der Ölförderung vorantreiben. Damit soll das margenschwache Raffineriegschäft besser ausgeglichen werden, in dem Sinopec in China die Nummer eins ist. Rund 13 Mrd. Yuan (etwa 1,7 Mrd. Euro) sollen bis zum Jahr 2005 in die Exploration von Öl und Gas gesteckt werden. Sinopec ist auch einer der größten Petrochemiekonzerne Chinas. Mit der Schließung von unrentablen Ethylenanlagen mit einer Gesamtkapazität von 600 000 Tonnen pro Jahr will Li weiter sparen. In diesem Jahr hat er die Kosten bereits um umgerechnet 250 Mill. Euro gedrückt, im kommenden Jahr sollen es noch mehr sein.

Ein derartiger Kraftakt ist in China nur möglich, wenn ein Manager so viel politische Rückendeckung hat wie Li. Er gilt als einflussreichster Ölmanager des Landes und gehört dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei an. Li muss eines der größten Kunststücke in Chinas jüngerer Wirtschaftsgeschichte vollbringen: Er soll Sinopec mitten in einer schwachen Weltwirtschaft in Rekordzeit modernisieren, dabei Geld sparen und nicht zu viele Mitarbeiter entlassen. Denn Sinopec ist das Vorzeigeunternehmen, dem der reformfreudige Ministerpräsident Zhu Rongji als einem der ersten die Ausgabe von Aktien an Börsen im Ausland erlaubte. Sinopec soll mit dem frischen Kapital beweisen, dass man auch große Abstände zur Weltkonkurrenz in dem engen zeitlichen Rahmen, den der Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO lässt, aufholen kann.

Am Aktienkurs von Sinopec, das im vorigen Jahr 39 Mrd. $ Umsatz machte, spiegeln sich die bisherigen Erfolge noch nicht wider - die Titel notieren unter Ausgabepreis. "Der Kurs ist zu niedrig, das gebe ich zu", sagte Li. Die Voraussetzungen für schnelle Kursgewinne sind allerdings schlecht. Sinopec, das im ersten Halbjahr fast drei Viertel des Nettogewinns in der Ölförderung verdiente, leidet unter dem sinkenden Ölpreis. "Wir hoffen, dass sich der Rohölpreis zwischen 22 und 28 $ pro Barrel einpendelt", sagte Li und erklärt, dass ein Sinken des Ölpreises um einen Dollar Sinopec bis zu 250 Mill. Euro Umsatz kostet.

Das ist nicht das einzige Problem, mit dem Li kämpft: China wird durch den WTO-Beitritt den Importzoll je Tonne Rohöl von 16 $ streichen. Als größter Raffineriekonzern Chinas wird Sinopec deswegen für verarbeitete Öl- und Chemieprodukte Preiseinbußen erleben. "Wir müssen nächstes Jahr mit einer Mrd. Yuan (125 Mill. Euro) Umsatzverlust rechnen", prognostiziert Li.

Li erwartet nach einem sehr schwachen dritten Quartal von Oktober bis Dezember wieder "viel bessere Umsätze", denn Premier Zhu hat auf Drängen von Li ein neues Preissystem eingeführt, das die Notierung für Raffinerieöl um 9,9 % steigen ließ. Mit Bezug auf das Jahr 2002 sagte er, "unsere Chemieproduktion kann keine große Verbesserung erwarten, aber es wird auch nicht schlimmer als dieses Jahr".

Zur Stärkung des Fördergeschäfts hat Sinopec im Herbst dem Staat das Unternehmen National Star abgekauft. Damit baut Sinopec laut Li die Reserven um 20 % aus, die Rohölförderung steigt um 8 %, die Gaserschließung um 70 %. Mit Hochdruck treibt Li auch zahlreiche Milliardenprojekte mit führenden internationalen Öl- und Chemiekonzernen voran, darunter den Bau einer 2,9 Mrd. $ teure Verbundanlage mit BASF in Nanjing. Mit BP wird Sinopec in Schanghai die größte Ethylenanlage in Asien bauen. In den nächsten Wochen sollen zudem Verträge mit BP, Shell und Exxon Mobil für 1 500 gemeinsam betriebene Tankstellen unterschrieben werden.

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