Chinesischer Pilot weiter vermisst
China verspricht Kontakt zu US-Besatzung

US-Diplomaten soll möglicherweise doch eine unverzügliche Kontaktaufnahme zu der Besatzung des in China notgelandeten US-Aufklärungsflugzeugs ermöglicht werden. Diese Zusage habe der Vizepräsident der Zentralen Militärkommission Chinas, Zhang Wannian, in Canberra gegeben, sagte der australische Außenminister Alexander Downer am Dienstag.

rtr CANBERRA. Der bislang verweigerte Kontakt zu den 24 Besatzungsmitgliedern hatte für Verstimmung in den USA gesorgt. Ein Regierungssprecher sagte in Washington, eine erst für Dienstagabend chinesischer Zeit (Mittwochmorgen MESZ) zugesagte Kontaktaufnahme sei nicht akzeptabel. Das US-Flugzeug war am Sonntag über dem südchinesischen Meer mit einem Kampfjet Chinas kollidiert und auf der chinesischen Insel Hainan notgelandet.

Zhang habe zugesagt, dass "die chinesische Seite eine konsularische Betreuung der Amerikaner gemäß der diplomatischen Vereinbarungen sofort zulassen werde", sagte Downer. Die Angelegenheit werde Zhangs Worten zufolge mit diplomatischen Mitteln gelöst.

Der chinesische Präsident Jiang Zemin hat unterdessen den USA die volle Verantwortung für die Kollision der Flugzeuge über dem südchinesischen Meer zugewiesen. Dafür gebe es "genügend Beweise", sagte er am Dienstag. Er forderte Washington zugleich auf, die Aufklärungsflüge über China zu unterlassen.

Ein US-Regierungssprecher hatte zuvor gesagt, dass sich China mit seinen Reaktionen so viel Zeit lasse, sei beunruhigend. US-Präsident George W. Bush hatte die Verweigerung des Kontakts als Verletzung der üblichen diplomatischen Praxis kritisiert. Seine Erklärung einen Tag nach der Notlandung wurde als Signal dafür gewertet, dass die USA den Druck auf China erhöhen wollten. Auf Hainan warten nach US-Angaben zwei Militärattaches der US-Botschaft in Peking sowie ein Diplomat des US-Konsulats in Guangzhou darauf, die 21 Männer und drei Frauen der Besatzung zu treffen. Seit dem letzten Funkkontakt unmittelbar nach der Notlandung hat China keinen Kontakt der Besatzung zur Außenwelt zugelassen. US-Experten befürchten, dass die hoch entwickelte Abhörtechnik des Flugzeuges in chinesische Hände fallen könnte.

Pilot wird noch vermisst

Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete unterdessen, der Pilot des in die Kollision verwickelten japanischen Kampfjets habe sich durch einen Absprung mit dem Fallschirm retten können. Er werde allerdings noch vermisst. Im Südchinesischen Meer seien elf Schiffe und mehr als 20 Flugzeuge im Einsatz, um den Piloten zu finden.

Der Chef der US-Pazifikflotte, Admiral Dennis Blair, sagte, es gebe von offizieller chinesischer Seite "ermutigende Hinweise" auf einen baldigen Kontakt mit der Mannschaft. Er machte jedoch keine Angaben zum Zeitpunkt. "Je früher, desto besser", sagte Blair dem Nachrichtensender CNN. Wenn keine rasche Lösung zu Stande kommt, ist nach Einschätzung von politischen Beobachtern mit einer starken Belastung der amerikanische-chinesischen Beziehungen zu rechnen. Die Affäre gilt als erste Bewährungsprobe für die seit Januar amtierende US-Regierung, die auch gegenüber China eine entschlossenere Gangart angekündigt hat.

Chinas Presse kritisiert USA

In chinesischen Presseberichten wurde die USA indes scharf für die Kollision kritisiert. Staatliche Zeitungen zogen Parallelen zur Bombardierung von Chinas Botschaft im jugoslawischen Belgrad während der NATO-Luftangriffe zur Beendigung des Kosovo-Krieges 1999. Der Zusammenstoß der beiden Flugzeuge über dem südchinesischen Meer sei vermutlich eine Folge falscher Landkarten, spottete eine Karikatur in der führenden englisch-sprachigen Zeitung des kommunistischen Staates. Mit veralteten Karten hatten die USA damals begründet, dass die Botschaft aus Versehen getroffen worden sei.

China wirft den USA vor, das US-Aufklärungsflugzeug habe seinen Luftraum verletzt. Die USA weisen dies zurück.

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