Chinesischer Schriftsteller, Übersetzer und Regisseur
Kurzportrait: Nobelpreisträger Gao Xingijan

dpa HAMBURG. Der seit 1987 im französischen Exil lebende chinesische Schriftsteller, Übersetzer, Regisseur und Künstler Gao Xingjian gilt als Wegbereiter einer neuen chinesischen Literatur. In den 80er Jahren wandte er experimentelle Strategien des westlichen Theaters (Artaud, Brecht, Beckett) kritisch auf die chinesische Gesellschaft an. Damit löste er in seiner Heimat eine erbitterte politische Kampagne gegen ästhetischen Modernismus aus. Mit Übersetzungen trug er außerdem dazu bei, die französische Literatur in China bekannt zu machen. Am 4. Januar 1940 als Sohn eines Bankangestellten und einer Schauspielerin in Ganzhou (Provinz Jiangxi) geboren, weckte seine Mutter schon früh Gaos Interesse für das Theater und die Literatur.

Nach seinem Französisch-Studium am Pekinger Fremdspracheninstitut wurde Gao, wie die meisten chinesischen Intellektuellen, zu Beginn der Kulturrevolution 1966 zur Umerziehung in ein Lager geschickt; eine Reihe seiner Manuskripte musste er verbrennen. Er arbeitete zunächst als Landarbeiter und Dorfschullehrer, später als Journalist und Übersetzer. Erste Auslandsreisen führten ihn nach dem Ende der Kulturrevolution 1978/79 nach Frankreich und Italien. Erste Novellen, Essays und Dramen konnte er mit Beginn der achtziger Jahre in China veröffentlichen.

Den Durchbruch brachte ihm das absurde Stück "Die Busstation" 1983, das im Pekinger Volkskunsttheater aufgeführt wurde. Während einer Kampagne gegen "geistige Verunreinigung" bezeichnete es ein hoher Parteifunktionär als das Schädlichste, das seit der Errichtung der Volksrepublik geschrieben worden sei. Seit dem Verbot von Gaos Drama "Das andere Ufer" 1986 wurde keines seiner Stücke mehr in China aufgeführt.

1987 verließ Gao seine Heimat und ließ sich als politischer Flüchtling in Paris nieder. Nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens trat er 1989 aus der Kommunistischen Partei aus. In dem düsteren Symboldrama "Die Flucht" verarbeitete er das blutige Ende der chinesischen Demokratiebewegung und wurde vom kommunistischen Regime zur "unerwünschten Person" erklärt. Seine Schriften wurden endgültig verboten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%