Chip-Aktien gefragt
Bush-Rede sorgt für Wall Street-Wende

Die US-Börsen haben sich am Montag im späten Geschäft von ihren Kursverlusten erholt und freundlich geschlossen. Die Anleger seien auf einem kursgünstigen Niveau wieder eingestiegen, sagten Händler. Besonders Chipaktien seien gefragt gewesen.

rtr NEW YORK. Sorgen um die Entwicklung der US-Konjunktur und der Firmengewinne hatten die New Yorker Aktienmärkte im frühen Geschäft noch ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index schloss 0,30 Prozent höher auf 9281,82 Punkten, nachdem er zuvor um rund 1,4 Prozent auf den tiefsten Stand seit November 2001 gefallen war. Der technologielastige Nasdaq-Index, der zuvor mit Verlusten von rund 1,2 Prozent seine Tiefstände vom September 2001 getestet hatte, kletterte 1,34 Prozent auf 1460,33 Zähler. Der breiter gefasste S&P500 legte 0,36 Prozent auf 992,71 Punkte zu, nachdem er zuvor um rund 1,4 Prozent abgerutscht war.

"Die Rally kommt von den Halbleiter-Aktien, die den ganzen Tag schon sehr stark waren", sagte Kathleen Carey, eine Händlerin bei der Investmentbank Wedbush Morgan in Los Angeles. Der Philadelphia Semiconductor Index stieg um rund vier Prozent. Die Titel des Chip-Konzerns Intel kletterten rund 3,2 Prozent auf 19,33 Dollar. Dies habe sowohl bei den Technologie- als auch bei den Standardwerten für Kursgewinne gesorgt, sagten Händler.

Auch die Ankündigung der lange erwarteten Rede von US-Präsident George W. Bush zum Nahost-Konflikt habe die Kurse gestützt, sagte Matthew Johnson, Geschäftsführer des Handelsbereiches bei Lehman Brothers. Andere Analysten sagten, nach den jüngsten Verlusten sei der Markt überverkauft und eine technische Erholung überfällig gewesen. Experten bezweifelten jedoch, dass sich der Aufwärtstrend halten werde.
Bush sprach sich in seiner Rede kurz vor Handelsschluss für einen provisorischen Palästinenser-Staat aus, allerdings unter der Bedingung einer "neuen und anderen palästinensischen Führung". Aus US-Regierungskreisen verlautete weiter, wenn alle Bedingungen erfüllt seien, könne ein provisorischer Staat binnen 18 Monaten gegründet werden, in rund drei Jahren könne daraus dann ein endgültiger Staat entstehen.

Börsianer sagten, die Anleger hätten angesichts anhaltender Bedenken hinsichtlich der Bilanzierungspraxis der Unternehmen und der jüngsten Dollar-Schwäche derzeit wenig Vertrauen in den Aktienmarkt. "Die Unternehmensgewinne haben sich nicht wieder belebt. Auch die Bilanzierungsfragen belasten immer noch den Markt", sagte Johnson.

Im frühen Geschäft habe unter anderem auf die Stimmung gedrückt, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs ihre Ergebnisprognosen für den Computerkonzern IBM und den Software-Anbieter Siebel Systems gesenkt habe, sagten Händler. Die IBM-Aktie erholte sich jedoch von früheren Verlusten und notierte zum Schluss um 1,4 Prozent höher auf 69,73 Dollar. Goldman hatte die Gewinnprognose je Aktie für den Konzern für die Geschäftsjahre 2002 und 2003 gesenkt und dies mit den niedrigen Investitionen der Firmen in Informationstechnologie begründet. Siebel-Aktien notierten nach Verlusten im frühen Geschäft 3,8 Prozent im Plus auf 13,99 Dollar.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,57 Milliarden Aktien den Besitzer. 1339 Werte legten zu, 1891 gaben nach, und 187 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von rund zwei Milliarden Aktien 1626 im Plus, 1950 im Minus und 244 unverändert.
An den US-Kreditmärkten fielen die zehnjährigen Staatsanleihen um 19/32 auf 100-07/32. Sie rentierten mit 4,844 Prozent. Die 30-jährigen Bonds verloren 29/32 auf 98-23/32 bei einer Rendite von 5,462 Prozent.

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