Chip-Branche will profitieren
Aufschwung am Handy-Markt

Der Mobilfunkmarkt hat nach neuesten Erhebungen der weltweiten Wirtschaftsflaute getrotzt und die Erwartungen von Experten übertroffen. Am lang ersehnten Aufschwung will nun auch die krisengeschüttelte Chip-Branche teilhaben.

HB/dpa HAMBURG/MÜNCHEN. Branchenprimus Intel kündigte am Dienstag bereits Preiserhöhungen für ihre Handy- Chips an. "Wegen der derzeit hohen Nachfrage werden wir die Preise von Flash Memory Chips um 20 bis 40 Prozent anheben", bestätigte Intel-Sprecher Christian Anderka.

Vor allem neue Multimedia-Dienste, Kamerafunktion und große Farbdisplays sollen die Nachfrage nach neuen Geräten sprunghaft ansteigen lassen. Nach anfänglich sehr vorsichtigen Prognosen hatten zuletzt Marktführer Nokia und Marktdritter Samsung positive Aussichten für das kommende Jahr vorausgesagt. Allein Nokia setzte im dritten Quartal 2002 über 37,4 Millionen Mobiltelefone ab. Mit einem Marktanteil von 35,9 Prozent bleibt das finnische Unternehmen, gefolgt von Motorola (14,4 Prozent), Samsung (10,6 Prozent)und Siemens (7,8 Prozent) unangefochten an der Weltspitze.

Bereits in den vergangenen Monaten ging es in der Mobilfunkbranche stetig aufwärts. Der weltweite Markt für Mobiltelefone hat sich im dritten Quartal 2002 nach jüngsten Zahlen des Marktforschungsunternehmens Gartner Dataquest besser entwickelt, als von Branchenkennern erwartet. Danach bauten die Handy-Hersteller mit über 104 Millionen verkauften Mobiltelefonen den Absatz um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal aus. "Das ist das zweite Mal in der Geschichte des Mobilfunks, dass über hundert Millionen Handys in einem Quartal verkauft wurden", sagte Bryan Prohm, Senior Analyst von Gartner Dataquest.

Auch beim Interesse der Endkunden haben sich die Branchenexperten offenbar geirrt. Anders als vor einem Jahr vorausgesagt, hatten allein Farb-Displays und mehrstimmige Klingeltöne die Endkunden zum Kauf neuer Handys angeregt. Jetzt kommt es laut Gartner darauf an, dass interessante Angebote folgen. Eine Schlüsselstellung werden danach mobile Internet-Dienste wie iMode oder die Multimedia- Kurznachrichten MMS im kommenden Jahr einnehmen.

Noch im Oktober hatte der Chef des Chipherstellers Intel, Craig Barrett, über die anhaltende Rezession in der IT-Branche geklagt. "In Europa, den USA und Japan steckt die Branche in der schlimmsten Rezession seit 30 Jahren. Keiner weiß, wann es wieder aufwärts gehen wird", sagte Barrett. Nun könnte das Unternehmen von der Beliebtheit der Klingeltöne und bunten mobilen Bilder als erstes profitieren. Bereits zum 1. Januar 2003 sollen bei Intel die Preise für jene Speicherchips um 20 bis 40 Prozent steigen, die vor allem in Mobiltelefonen, Taschencomputern und Laptops eingesetzt werden. Die so genannten Flash Memory Chips sichern Daten auch dann noch, wenn kein Strom vorhanden ist.

Die ehemalige Siemens-Tochter und Europas zweitgrößter Chip-Bauer Infineon hatte nach dem starken Einbruch im Jahr 2001 bereits die vergangenen fünf Quartale ein kontinuierliches Wachstum in diesem Segment verbucht. Mittlerweile habe sich der Markt für mobile Speicher stabilisiert, sagte Ralf Heinrich von Infineon. Auch AMD, die weltweite Nummer zwei der Chiphersteller, konstatiert eine starke Nachfrage an leistungsfähigen Flash-Speichern. "Ob die Preis steigen werden, bleibt abzuwarten", sagte Jan Gütter von AMD. Bislang habe das Unternehmen, das 30 Prozent seines Umsatzes mit Flash-Speichern macht, noch keine Preiserhöhung beschlossen. Der Handymarkt sei für den Bedarf an Speicherchips aber der entscheidende Faktor.

Intels Preisoffensive wird von manchen Branchenbeobachtern jedoch bereits skeptisch beurteilt. Der Erfolg des Chip-Riesen werde unmittelbar von einer anhaltenden Nachfrage nach den neuen mobilen Geräten abhängen, schätzen Investoren. "Ich bezweifle, dass die Nachfrage nach Mobiltelefonen deutlich ansteigen wird", sagte Shigemi Nonaka, Chef des Investment-Unternehmens Polestar Investment Management. "Die Angebote für schnelle Mobilfunkübertragungen haben die Nutzer noch nicht wirklich überzeugt."

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