Chip bringt Licht ins Dunkel
Fujifilm bringt neue lichtempfindliche Kamera auf den Markt

Die Hersteller von Digitalkameras versuchen ihre Kunden mit immer mehr Pixeln zu ködern. Jetzt hat Fujifilm mit der Entwicklung eines neuen Bildsensors eine neue Dimension ins Spiel gebracht: die Lichtempfindlichkeit.

DÜSSELDORF. Die digitale Fotografie steckt im Grunde noch in den Kinderschuhen. Es werden zwar inzwischen Kameras mit Bildsensoren angeboten, die sechs und mehr Millionen Pixel speichern können, doch im Detail reicht die Qualität der Fotos noch nicht an die der analogen Technik heran, bei der die Motive auf Film gebannt werden. Mit einer neuen Generation so genannter CCD-Sensoren, die der japanische Hersteller Fuji Photo Film entwickelt hat und ab Mai in eigenen Kameras auf den Markt bringen wird, könnte die Lichtechtheit der digitalen Fotos künftig deutlich verbessert werden.

"Mit den neuen Bildsensoren wird der Abstand zwischen analoger und digitaler Fotografie deutlich geringer", so die Einschätzung des Münchener Fotografieexperten Anders Uschold. "Die neuen Kameras, die Fujifilm jetzt vorgestellt hat, besitzen einen wesentlich größeren Belichtungsspielraum und speichern die Motive mit einem höheren Kontrast", erläutert Uschold. Herkömmliche Digitalkameras haben bislang Schwierigkeiten bei der Wiedergabe von kontrastreichen Bildern, die sowohl dunkle als auch helle Bereiche haben. Dabei verschwimmen häufig in den dunklen Bereichen die Details, während in den hellen Bereichen die Weißtöne keine Abstufungen mehr aufweisen.

Der japanische Hersteller hat bei dem neuen "Super CCD SR"-Bildsensor Pixel mit geringer und hoher Empfindlichkeit gemischt. "Der Chip nimmt quasi zwei Bilder gleichzeitig auf", erläutert Uschold. Anschließend würden die Bildinformationen gemischt, so dass ein Foto mit einer Dynamik gespeichert wird, die sowohl Licht als auch Schatten besser wiedergibt.

"Hier wird die analoge Filmtechnik digital nachempfunden", bringt Uschold das Prinzip der Innovation auf den Punkt. Auch ein Film ist mit Kristallen verschiedener Lichtempfindlichkeit beschichtet - mit Silberhalogenidkörnern, die auf Grund ihrer großen Oberfläche sehr lichtempfindlich sind, und mit superfeinen Körnern, die eine geringe Empfindlichkeit aufweisen und dennoch auf große Lichtmengen reagieren.

"Mit unserem neuen Bildsensor wollen wir die Diskussion von der hohen Auflösung hin zu einer höheren Qualität lenken", sagt Helmut Rupsch, Leiter des Deutschlandgeschäfts bei Fuji Photo Film Europe. Der Wettlauf bei den Megapixeln führe die Kunden auf eine falsche Fährte, so Rupsch. "Man benötigt keine sechs oder acht Megapixel, um Standardfotos zu schießen. Dafür reichen Kameras mit zwei oder drei Millionen Megapixeln völlig aus", unterstreicht der Fuji-Geschäftsleiter.

Der japanische Hersteller wolle daher künftig andere Akzente setzen, um mehr Marktanteile zu ergattern und von dem Wachstum im Markt der digitalen Fotografie zu profitieren. Zurzeit liege die Marktdurchdringung bei Digitalkameras in Deutschland bei acht Prozent. "Hier ist noch eine Menge drin", zeigt sich Rupsch zuversichtlich. Der Geschäftsleiter geht davon aus, dass die 25-Prozent-Marke, die heute schon in Japan erreicht ist, in zwei bis drei Jahren auch hier zu Lande überschritten wird.

Im Mai dieses Jahres soll die erste Digitalkamera mit dem neuen Bildsensor auf den Markt kommen. Die "FinePix F700" ist von der Auflösung zwar eine 3,1-Megapixel-Kamera, da aber für die Aufnahmen je zwei Sensoren vorhanden sind, kommt sie insgesamt auf 6,2 Millionen Bildpunkte. Der Preis für die neue Kamera wurde bei der gestrigen Präsentation noch nicht genannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Hersteller versuchen wird, zunächst Kunden im Hochpreissegment - zwischen 700 und 1 000 Euro - zu gewinnen.

Ob es gelingen wird, die Kunden von den Megapixeln auf die höhere Bildqualität zu lenken, wird sich zeigen. "Im Grunde müssten wir beim Marketing - ähnlich wie Intel mit seinem ,Intel inside? - eine ähnliche Kampagne fahren", sagt Rupsch. Doch das wäre sehr teuer.

Wettbewerber wie Canon oder Kodak setzen weiter auf eine höhere Auflösung. Sie haben im vergangenen Jahr Kameras mit Bildsensoren vorgestellt, die zehn und mehr Megapixel speichern können. "Das Problem hier ist, dass die Objektive, die für digitale Kameras angeboten werden, gar nicht in der Lage sind, diese hohe Auflösung zu unterstützen", gibt Anders Uschold zu bedenken. Dennoch - auch Fujifilm will die Kunden, die nach wie vor mit den Megapixeln prahlen wollen, nicht verprellen: Alternativ zur FinePix F700 bringt der Hersteller eine Kamera mit einem neuen 3,1-Megapixel-Chip, der eine Bilddatei mit 6 Millionen Bildpunkten erzeugen kann.

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