Chipbranche in der Krise
Infineon sieht keinen Aufschwung

Der Halbleiter-Hersteller Infineon Technologies rechnet in den nächsten zwei Quartalen nicht mit einer Erholung des Marktes, plant aber momentan keinen weiteren Stellenabbau.

Reuters MÜNCHEN. "In den nächsten ein bis zwei Quartalen ist für mich derzeit kein Aufschwung zu sehen", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Freitag in München, wo er die Strategie des Konzerns für die nächsten fünf Jahre vorstellte. Die Preise für Speicherchips, das wichtigste Produkt des Konzerns, seien in den vergangenen Wochen wieder unter Druck geraten. Künftig werde Infineon aber immer weniger nur Chips produzieren, sondern den Kunden ganze Systemlösungen liefern. Bis 2007 will Infineon seinen Anteil am globalen Halbleitermarkt auf rund sechs Prozent verdoppeln und damit vom sechst- zum viertgrößten Wettbewerber aufsteigen.

Zurückhaltende Prognosen

Mit Prognosen für das laufende Quartal hielt sich Schumacher erneut bedeckt. "Was wir gesagt haben, ist, dass drei von fünf Geschäftsbereichen schwarze Zahlen schreiben werden", fügte er hinzu. Im vergangenen Vierteljahr hatte Infineon die Analysten mit einer Verringerung des Verlustes vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf 107 Mill. Euro überrascht. Damals hatte Schumacher Analysten-Schätzungen, die von einem Verlust von rund 1 Mrd. Euro für das Geschäftsjahr 01/02 (zum 30. September) ausgingen, als valide bezeichnet. Das laufende Jahr sei immer noch von den Ausläufern der schlimmsten Krise in der Geschichte der Halbleiterbranche geprägt, sagte er am Freitag. Im kommenden Geschäftsjahr werde sich das Ebit aber sicher verbessern.

"Der Ausblick ist schlimmer als noch vor drei Monaten", sagte WestLB-Analyst Karsten Iltgen. Er bewertet die Infineon-Aktien weiter als Outperformer.

Dram-Preise liegen bei der Hälfte der Produktionskosten

Die Preise für Speicherchips (DRAMs), mit denen Infineon rund 40 % seines Umsatzes erwirtschaftet, sind nach einer kurzen Erholungsphase im Sommer in den vergangenen Wochen wieder gefallen. Im Durchschnitt liege der Preis für Standard-DRAMs derzeit bei rund der Hälfte der Produktionskosten, erläuterte Schumacher. Dabei werde Infineon im laufenden Geschäftsjahr vom Volumen her 60 % mehr Chips produzieren. "Wir produzieren immer mehr, aber der Umsatz kommt leider nicht hoch."

Auch der Infineon-Aktienkurs ist in den vergangenen Wochen unter Druck geraten und erreichte am Morgen ein Rekordtief bei 7,35 Euro. Gegen Mittag notierten die Titel rund 1 Prozent über dem Vortagsschluss bei 7,68 Euro. Damit hat Infineon seit Anfang des Jahres rund 70 % seiner Marktkapitalisierung eingebüßt. Weil Wettbewerber wie Marktführer Intel, Samsung oder Texas Instruments aber eine ähnliche Entwicklung hinter sich haben, macht sich Schumacher keine Sorgen über eine Übernahme: "Die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme durch einen Wettbewerber ist sehr klein." Für Finanzinvestoren könnte die niedrige Börsenbewertung seines Hauses aber durchaus interessant sein, fügte er hinzu.

Vom Produkt- zum Lösungsanbieter

Infineon werde sich künftig von einem Chip-Produzenten zu einem Anbieter vollständiger Systemlösungen wandeln, für die nicht nur Hardware-, sondern auch Software-Knowhow nötig sei, beschrieb Schumacher die Ausrichtung des Konzerns. "In Zukunft wird ein Drittel unserer Ingenieure mit Software-Systemen beschäftigt sein." Schon jetzt könne Infineon die komplette Lösung für Mobiltelefone anbieten - der Kunde müsse im Prinzip nur noch das Gehäuse hinzufügen. Dieser Ansatz werde sich auch in anderen Geschäftsbereichen durchsetzen.

In diesem Lösungsgeschäft strebt Infineon in den nächsten fünf Jahren die Marktführerschaft an, bei der konzernweiten Ebit-Marge will der Konzern unter die Top Zwei der Branche kommen. Dazu hat er ein zweites Sparprogramm (Impact2) aufgelegt, das vor allem Prozesse verbessern soll. Schumacher sieht dabei ein Einsparpotenzial in dreistelliger Millionen- Euro-Höhe. Nach dem Abbau von rund 5000 Arbeitsplätzen seien zunächst keine neuen Stellenstreichungen geplant.

Die geplante Verdoppelung des Anteils am gesamten Chipmarkt bis 2007 will Infineon vor allem durch organisches Wachstum, Partnerschaften und kleine, strategische Akquisitionen erreichen. "Große Megamerger" seien nicht der geeignete Weg, weil man zu viel Zeit mit der Integration verlöre, sagte Schumacher.

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