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Chipbranche muss weiter mit Durststrecke rechnen

Der europäischen Halbleiterbranche steht nach Einschätzung von Branchenbeobachtern vor einer nachhaltigen Erholung von ihrer bislang stärksten Abschwächungsphase noch eine weitere Durststrecke bevor.

Reuters CANNES. "Jeder besitzt mittlerweile einen PC, niemand möchte ein Upgrade und die Leute halten an ihren Handys länger fest. Woher soll da die Nachfrage kommen?" sagte ein Fondsmanager auf einer Veranstaltung der Deutschen Bank in Cannes. Die Preise für Dram-Memory Chips für PCs und Server, die mittlerweile seit Monaten unter ihren Produktionskosten liegen, geben derzeit weiter nach, während die Lager der Hersteller weiter voll sind. Unterdessen unterstrich der Branchenverband ZVEI in Deutschland mit seiner Jahresprognose die eher düsteren Aussichten für die deutschen Chip-Hersteller.

Zurzeit rechnen die Experten damit, dass die PC-Umsätze im weiteren Jahresverlauf wieder leicht zulegen werden und Handy-Produzenten setzen ihre Hoffnungen auf den erwarteten Marktstart ihrer GPRS-Mobiltelefone zum Jahresende hin. Ein Produkt mit dem allerdings die Nachfrage deutlich angekurbelt werden könnte, ist derzeit nach Ansicht der Beobachter nicht zu sehen. Am Vortag hatte zudem eine Gewinnwarnung des führenden Handy-Herstellers Nokia die Einschätzung von Branchenbeobachtern bestätigt, dass auch für die Telekomausrüster derzeit noch keine Anzeichen einer Erholung zu sehen sind.

Dinge wie DVDs seien hübsch, aber das sei bei weitem nicht ausreichend um Nachfrage zu schaffen, sagte der Fondsmanager weiter. Die Prognosen, wann es in der Branche wieder aufwärts gehe, waren in der letzten Zeit immer weiter nach vorne geschoben worden. Hersteller wie Epcos - das Unternehmen ist der weltweit zweitgrößte Hersteller passiver Bauelemente - rechnen indes derzeit bereits mit einer Erholung zum Jahresende 2001 hin. Intel, der weltgrößte Chipproduzent, hatte in der vergangenen Woche ebenfalls Erwartungen geschürt, das schlimmste sei für die Branche mittlerweile vorüber.

Einige Unternehmen sind weiterhin eber eher skeptisch. "Natürlich wird es eine Wende geben," sagte Knut Hinrichs, Vorstandschef des deutschen Spezialchip-Herstellers Elmos Semiconductor Aber dies werde nicht vor Mitte 2000 passieren. "Ich habe niemals an 2001 (für eine Erholung) geglaubt", sagte Hinrichs. Dafür sei es gegenwärtig bereits zu spät.

Als Folge der Marktabschwächung hatten die Unternehmen, die zum Teil durch plötzliche Auftragsstornierungen überrascht wurden, sich zuletzt bei ihren Geschäftsausblicken deutlich zurückhaltender gezeigt als bislang. "Wenn wir uns auf das dritte Quartal zu bewegen, erwarten wir ein klareres Bild, wie tief das Wellental ist", sagte Merrill-Lynch-Analyst Andrew Griffin. Die Branche müsse weiterhin mit einer volatilen Entwicklung rechnen, sagte Griffin. Der Ausblick für das Jahr 2002 sei daher extrem unklar.

Unterdessen gab der deutsche Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) den gedämpften Aussichten für die Branche weitere Nahrung. Im Mai habe der Halbleiterumsatz in Deutschland bei weiterhin deutlich niedrigerem Auftragseingang unter dem des Vormonats gelegen, teilte der ZVEI in Frankfurt mit. Im Vorjahresvergleich betrage der Umsatzzuwachs nur noch ein Prozent nach 15 % im April und 25 % im März. Auch der Indikator für den mittelfristigen Trendverlauf - Book to Bill-Ratio (Verhältnis Auftragseingang zu Ausgangsrechnungen) - habe im Mai mit 0,72 Punkten erneut unter dem Vormonat gelegen. Im April hatte das Barometer für die Marktentwicklung in Deutschland den Angaben zufolge noch einen Wert von 0,75 Punkten ausgewiesen, im März lag es bei 0,84 und im Februar bei bei 0,91 Punkten. "Die Abschwächung beschleunigt sich momentan noch weiter", erklärte der ZVEI. Die Korrektur nach unten der Erwartungen für 2001 wird damit nach Einschätzung des Verbandes für den Halbleitermarkt deutlicher als bisher prognostiziert ausfallen.

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