Chiphersteller gibt sich zuversichtlicher als die Konkurrenz
ST Microelectronics ist voller Optimismus

So viel Zuversicht hatte niemand erwartet. "Wir gehen davon aus, dass wir unseren Umsatz im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal im mittleren einstelligen Bereich steigern können", freute sich gestern der Chef von ST Microelectronics (STM), Pasquale Pistorio.

jojo MÜNCHEN. IIn guten Zeiten der Halbleiterindustrie wäre diese Ankündigung Anlass zu einem scharfen Kurseinbruch gewesen. Zweistellige Wachstumsraten waren über Jahrzehnte üblich. Doch angesichts der schweren Branchenkrise wurde die Prognose am Mittwoch mit kräftigen Kursgewinnen belohnt: Die Papiere von Europas größtem Chipproduzenten kletterten in einem schwachen Markt zeitweise um mehr als 8 %.

Analysten und Anleger waren über die guten Aussichten besonders überrascht, weil der amerikanische Wettbewerber Texas Instruments nur einen Tag vorher vor einem Umsatzrückgang zum Jahresende von 10 % gewarnt hatte. Die Angebote beider Unternehmen überschneiden sich in vielen Bereichen, die Firmen werben um die gleichen Kunden. Die Experten der WestLB bleiben deshalb skeptisch: "Die Unternehmensprognose von STM könnte sich als zu optimistisch erweisen."

Das französisch-italienische Unternehmen hat allerdings bewiesen, dass es in Zeiten der Krise wirtschaften kann, und hat so mit seinen Zahlen zum dritten Quartal die Börsen überrascht. Der Umsatz lag mit 1,845 Mrd. $ etwa 5 % höher, als die Analysten im Durchschnitt geschätzt hatten. Auch mit dem Reingewinn von 132 Mill. $ übertraf die Firma die Erwartungen. Wie bei Konkurrent Texas Instruments wuchsen auch bei STM insbesondere die Bereiche Telekommunikation und Automobil.

Für das kommende Jahr bleibt das Unternehmen wie alle anderen Firmen der Branche jedoch zurückhaltend in seinen Prognosen. "Das Tempo der Erholung in der Wirtschaft und unserer Branche ist schwer vorherzusagen", betonte Pistorio, "deshalb sind wir sehr vorsichtig." Allerdings will STM stärker als der Markt wachsen. Die Investitionen verharren auf Vorjahresniveau. Das ist vergleichsweise optimistisch: Infineon, die Nummer zwei in Europa, fährt seine geplanten Investitionen nächstes Jahr drastisch zurück. Selbst Weltmarktführer Intel tritt etwas kürzer.

Das Wachstum der Halbleiter-Industrie wird derzeit vor allem vom schleppenden PC-Verkauf gebremst. Die Analysten der Hypo-Vereinsbank rechnen auch für 2003 beim Computerabsatz lediglich mit einem Plus von 5 %. Das wäre zwar mehr als in diesem Jahr, in dem der Markt stagniert. Für die an starke Wachstumsraten gewöhnte Branche zeichnet sich damit aber keine Erholung ab. Das gilt auch für den Mobilfunk- Markt. So erwartet Siemens, dass 2003 rund 5 % mehr Handys verkauft werden als im schwachen Jahr 2002. Der Boom der ausgehenden 90er Jahre sei aber vorüber, sagte Siemens-Mobilfunk-Chef Rudi Lamprecht Anfang der Woche.

Obwohl es gestern wieder leicht aufwärts ging, verharrt das Branchenbarometer Philadelphia Semiconductor Index nur knapp über dem Niveau von 1998. Zum Vergleich: Im Sommer 2000 lag der Index bei fast 1 200 Punkten. Am Mittwoch waren es knapp 270.

Quelle: Handelsblatt

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