Chipkarte soll als Altersausweis im Internet dienen
DMMV fordert verbesserte Hardwaresicherungen

Spätestens seit dem Amok-Attentat von Erfurt ist das Thema Gewalt im Internet wieder in aller Munde. Nachdem bislang besonders die Software-Industrie und die Anbieter von Inhalten angesprochen wurden, fordert der Deutsche Multimedia-Verband (DMMV) nun die Hardware-Industrie auf, sich aktiv für den Jugendschutz zu engagieren. Computer sollen künftig mit Kartenlesegeräten ausgestattet werden, die den Zugang zu Web-Angeboten je nach Alter des Nutzers regeln.

DÜSSELDORF. Nach Auffassung des Deutschen Multimedia-Verbandes (DMMV) kann die Zugangssicherung nicht allein durch eine stärkere Kontrolle der im Internet befindlichen Inhalte erreicht werden. Um einen wirksamen Jugendschutz zu gewährleisten, soll daher zudem verhindert werden, dass für Minderjährige ungeeignete Inhalte kopiert und damit über private Tauschbörsen zugänglich gemacht werden können.

Der DMMV fordert aus diesem Grund die Verbesserung von so genannten Altersverifikationssystemen, um den Zugang für Minderjährige wirksam zu erschweren. Der Verband hält es für vorstellbar, dass Computer standardmäßig mit Kartenlesegeräten ausgestattet werden, so daß ein Zugang lediglich mit einer entsprechenden Chipkarte möglich ist. Auf dieser Karte wäre das Alter des Nutzers gespeichert.

Die Kartenlesegeräte könnten zudem kombiniert werden mit Systemen zur digitalen Signatur oder zum Bezahlen im Internet per Chipkarte. Banken arbeiten seit langem an stärkerer Sicherheit bei E-Banking-Lösungen.

"Allein der Austausch von Altgeräten wird wahrscheinlich Jahre dauern", sagt Sabine Köster-Hartung, Referentin für Recht beim DMMV. Doch die Diskussion, die Hardware-Industrie in den Jugendschutz mit einzubeziehen sei bislang ausgeblieben.

Da eine akzeptable Zugangssicherung erst durch Zusammenwirken von Software- und Hardwareschutzkomponenten erreicht werden könne, fordert der DMMV Inhalte- und Hardwareindustrie auf, gemeinsam soft- und hardwaregestützte Systeme zur Absicherung von Inhalten vor willkürlichem Zugang zu entwickeln.

Der Entwurf für einen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag sieht bislang nur vor, dass sich gewerbliche Anbieter einer freiwilligen Selbstkontrolle unterwerfen und im Rahmen eines Ratings ihrer eigenen Webseiten die Jugendgefährdung ausweisen. Dazu würde jede Website nach einem bestimmten Schema beurteilt. Kriterien wären beispielsweise das Zeigen nackter Haut, das Verwenden von Schimpfwörtern oder von Gewaltszenen.

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