Chipkonzern schließt miserables Jahr ab und wagt keine Prognose
Infineon gibt keine Entwarnung

Der Münchener Chiphersteller Infineon sieht vorläufig kein Ende der weltweiten Krise. Er rechnet daher nach einem ausgesprochen schlechten Geschäftsjahr mit weiteren Verlusten. Die Aktie legte trotzdem zu.

cbu MÜNCHEN. Nach einem miserablen Jahr gibt sich der Münchener Chipkonzern Infineon demonstrativ gelassen: "Wir verfügen über eine solide Ausstattung mit Finanzmitteln", sagte Ulrich Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Infineon Technologies AG, bei der Präsentation der Zahlen für das Geschäftsjahr 2000/01 (30.9.). Er widersprach damit erneut Spekulationen, Infineon könne angesichts der tiefen Marktkrise die Luft ausgehen. Finanzvorstand Peter Fischl fügte an, der Konzern werde in den nächsten Quartalen "vernünftig über die Runden kommen", selbst wenn die Preise für Speicherchips sich nicht erholen würden.

Erst vor wenigen Monaten hatte Schumacher gegen viel Kritik eine Kapitalerhöhung platziert und damit etwa 1,5 Mrd. Euro erlöst. Die Netto-Cash-Position wird mit derzeit 568 Mill. Euro beziffert. Dazu kommen nicht in Anspruch genommene Kreditlinien von 1,6 Mrd. Euro. Zudem wurde ein Sparprogramm aufgelegt, das um rund 1,5 Mrd. Euro entlasten soll.

Der mehrheitlich Siemens gehörende Konzern hat derzeit mit hohen Verlusten zu kämpfen. Schumacher machte deutlich, dass er kurzfristig nicht mit einer Entspannung rechnet. Mindestens im laufenden und im nächsten Quartal des am 1. Oktober begonnenen Geschäftsjahres 2001/02 erwartet er weiter rote Zahlen. "Niemand kann derzeit das Ende der Wachstumsschwäche im Halbleitermarkt absehen", sagte Schumacher. Genaue Prognosen wollte der Konzernchef nicht abgeben.

Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2000/01 verdeutlichen das Ausmaß der Krise. So ging der Umsatz um 22 % auf 5,67 Mrd. Euro zurück. Der Auftragseingang halbiert sich sogar. Der Verlust vor Zinsen und Steuern liegt bei 1,02 Mrd. Euro. Im Geschäftsjahr 1999/2000 gab es noch ein Plus von 1,67 Mrd. Euro. Allein im vierten Quartal, also von Juli bis September 2001, erwirtschaftete der Chiphersteller bei einem Umsatz von knapp 1,1 Mrd. Euro einen Verlust von 882 Mill. Euro. Finanzchef Fischl betonte jedoch, dass in den Zahlen hohe Aufwendungen für das Sparprogramm und die Neubewertung von Lagerbeständen enthalten seien. Ohne diese Effekte hätte der Jahresverlust bei 648 Mill. Euro gelegen. Die bereinigten Zahlen lagen über den Erwartungen der Analysten. Diese rechneten im Durchschnitt mit einem Minus vor Sondereffekten von gut 800 Mill. Euro.

Die Infineon-Aktie legte gestern dann auch deutlich um bis zu 8 % auf fast 22 Euro zu. Analysten sehen die Chance, dass Infineon als Sieger aus der Chipkrise hervorgehen könnte. Zudem beruhige das ausreichende Finanzpolster des Konzerns.

Wie die gesamte Branche leidet Siemens unter dem anhaltenden Preisverfall bei Speicherchips und dem Nachfrageeinbruch bei Halbleitern für die Telekommunikation. Auch Wettbewerber wie der US-Konzern Micron, Toshiba oder ST Microeletronics melden Verluste. Schumacher griff insbesondere die Konkurrenz aus Korea an: Samsung betreibe Preisdumping, Hynix werde staatlich gestützt.

Infineon halte an den drei Säulen Speicher, Telekommunikation und Autoelektronik fest. Randbereiche könnten verkauft werden, woraus Erlöse von bis zu 800 Mill. Euro erwartet werden, hieß es. Bei den Gesprächen mit Toshiba über ein Speicherchip-Joint- Venture gebe es noch keinen Durchbruch, so Schumacher. Er erwarte eine Entscheidung bis Jahresende. Infineon könne aber keine Restrukturierungskosten tragen.

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