Chipkonzern will Weltmarktanteil verdoppeln
Infineon erwartet vorerst kein Ende der Krise

Ulrich Schumacher ist nicht nur zurückhaltend, der Chef des Münchener Chipkonzerns Infineon ist sogar von Optimismus weit entfernt. "Es sieht so aus, als ob die nächsten zwei Quartale schwierig bleiben", sagte Schumacher jetzt in München. "Ich habe auch nicht den Mut", so der Konzernchef, "für das nächste Jahr einen großen Aufschwung zu sehen."

HB/cbu MÜNCHEN. Noch im Juli hatte Schumacher Hoffnungssignale ausgemacht. Doch der Auftragseingang des Halbleiterherstellers in den vergangenen Wochen zeige keine Anzeichen dafür, dass es bald wieder aufwärts gehen könnte. Ähnlich haben sich zuletzt auch andere High-tech-Konzerne geäußert. Die Infineon-Aktie legte am Freitag zwar zu, notierte mit etwa 7,70 Euro aber noch immer nahe des historischen Tiefs.

Anfang November will der Chipkonzern - noch immer direkt und indirekt zu 41,25 % in Besitz des Siemens-Konzern - die Zahlen für das Geschäftsjahr 2001/02 vorlegen. Es endet am am 30. September. Analysten rechnen mit einem Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von etwa 1 Mrd. Euro. Drei von fünf Geschäftsbereichen würden derzeit schwarze Zahlen schreiben, sagte Schumacher. Im Minus sind offenbar noch die Speicherchips und der Bereich "Drahtgebundene Kommunikation". Zu schaffen macht Infineon der anhaltend hohe Preisverfall in allen Bereichen.

Für die nächsten fünf Jahre hat Schumacher dem Konzern trotz allem ehrgeizige Ziele gesetzt. Den weltweiten Marktanteil will er auf 6 % will verdoppeltn. Bis 2007 will Infineon zu den vier größten Halbleiterherstellern weltweit gehören. Derzeit sind die Münchener Nummer sechs - hinter Intel, Samsung, Texas Instruments, ST Micro und Toshiba. Auf große Übernahmen will Schumacher verzichten.

Zudem legt er Konzernchef ein weiteres Effizienz-Programm auf. Alle Prozesse sollen verbessert werden. Insbesondere die zentralen Verwaltungsaufgaben will man abspecken. Dabei erhofft sich Schumacher Einsparungen von mehreren hundert Millionen Euro. Durch das zuletzt aufgelegte Sparprogramm Impact wurden Kosten um 2,5 Mrd. Euro gesenkt. Infineon hatte dabei allerdings auch rund 5000 Arbeitsplätze abgebaut. Das neue Effizienzprogramm sei dagegen nicht auf Mitarbeiterabbau ausgelegt, betonte Schumacher.

Angesichts des Verfalls der Infineon-Aktie um fast 70 % seit Jahresanfang sieht Schumacher den Konzern aber nicht als Übernahmekandidat. Auch den Konkurrenten gehe es derzeit sehr schlecht. Eine Übernahme von Infineon durch einen Wettbewerber sei deshalb eher unwahrscheinlich.

Quelle: Handelsblatt

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