"Chipsektor ist tot"
Infineon-Aktien stürzen erneut ab

Die Aktien des Halbleiter-Herstellers Infineon sind am Dienstag nach Spekulationen über die bevorstehende Platzierung der geplanten Kaptitalerhöhung auf ein Rekordtief eingebrochen. Die Titel fielen in der Spitze um knapp zehn Prozent auf 26,50 Euro, erholten sich dann aber etwas und notierten am frühen Nachmittag noch mit knapp acht Prozent im Minus.

Reuters MÜNCHEN/LONDON. Händler und Fondsmanager in London und Frankfurt hatten erklärt, die Investmentbank Goldman Sachs wolle ab Mittwoch institutionellen Anlegern bis zu 60 Mill. Infineon-Aktien anbieten. Eine Infineon-Sprecherin lehnte einen Kommentar dazu ab. Gerüchte darüber, dass auch die Muttergesellschaft Siemens Infineon-Aktien am Markt platzieren wolle, dementierte der Münchener Konzern jedoch umgehend.

"Ich habe die Informationen über die Leadmanager der Kapitalerhöhung, dass sie im Begriff sind, die Aktien anzubieten", sagte ein Fondsmanager in Deutschland, der das Angebot in den nächsten drei bis vier Tagen erwartet. Beim Leadmanager Goldman Sachs hieß es dazu, man kommentiere keine Angelegenheiten zu Geschäftsbeziehungen mit Kunden. Neben der Investmentbank gehören noch die Deutsche Bank und die Commerzbank zu den Managern der Kapitalmaßnahme.

Händler sagten, die Anleger würden vor der Kapitalerhöhung noch versuchen die Aktien zu verkaufen. Da bei einer Kapitalerhöhung zusätzliche Aktien in den Markt gegeben werden und damit das Angebot steigt, sinkt der Aktienkurs. "Eine Menge Marktteilnehmer haben die Informationen genutzt, um Infineon-Aktien bei den derzeitigen Kursen zu verkaufen", hieß es am Markt. Außerdem belaste die gesenkte Umsatzprognose des US-Chipherstellers Applied Micro Circuits die Technologiewerte. "Der Chipsektor ist tot, nach den Gewinnwarungen von Philips, STM Microelectronics und so weiter, sehe ich keinen Grund, die (Infineon -)Aktie zu halten", sagte ein Händler.

Infineon hatte die Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital von bis zu 60 Mill. Aktien im Nennwert von je zwei Euro Anfang Juni angekündigt. Finanzvorstand Peter Fischl hatte erklärt, die Kapitalerhöhung werde bis Ende September platziert. Mit der Maßnahme will sich der unter der andauernden Schwäche des Chipmarkts leidende Konzern Kapital beschaffen, um vor allem die geplanten Investitionen in die 300-Millimeter-Technologie zu sichern. Früheren Angaben zufolge können die Mittel aber auch zur Tilgung kurzfristiger Verbindlichkeiten oder Übernahmen verwendet werden.

Selbst zu den tiefsten Aktien-Kursen am Dienstag würde Infineon bei einer vollständigen Platzierung rund 1,59 Mrd. Euro aus der Kapitalerhöhung erlösen. Der Chipproduzent hatte die Märkte in der vergangenen Woche mit einer Gewinnwarnung für das dritte Quartal geschockt und schließt auch für das gesamte Geschäftsjahr 2000/2001 (zum 30. September) einen Verlust nicht aus.

Zusätzlich zu der anstehenden Kapitalerhöhung wurde der Infineon-Aktienkurs Händlern zufolge auch von Gerüchten belastet, Siemens wolle über die Commerzbank zehn bis 16 Mill. Infineon-Aktien an der Börse platzieren. "Das kann ich klar dementieren, diese Angaben sind falsch", sagte eine Siemens-Sprecherin. Auch die Commerzbank wies die Spekulationen zurück. Siemens hält derzeit 56 % an Infineon, will sich mittelfristig aber komplett aus der Tochter zurückziehen.

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