Chirurgie-Spezialist strebt Mitte Juni an den Neuen Markt
W.O.M. liefert den Patienten nicht ans Messer

Der Berliner Medizintechniker W.O.M. World will Mitte Juni an die Börse gehen. Am Mittwoch beginnt die Zeichnungsfrist für bis zu 2,5 Millionen Aktien der 1974 gegründeten Firma. Glückt der Sprung auf das Parkett, ist W.O.M. die neunte Neuemission am Neuen Markt in diesem Jahr.

31.5.2001 ant/mhm BERLIN. Das Berliner Unternehmen W.O.M. World AG hat vieles, was andere Firmen auf dem Weg zum Neuen Markt auch haben: Kapitalhunger, eine Vision, tolle Studien, Marktführerschaft und steil nach oben zeigende Chart-Verläufe bei Umsatz und Gewinn. Vorstandschef Peter P. Wiest betont jedoch einen anderen Aspekt: "Wir können die Produkte zeigen, die wir verkaufen". Zudem fährt die bereits 1974 von Wiest gegründete Firma, die sich als Wegbereiter der minimal invasiven Chirurgie sieht, Gewinne ein und ist auf den wichtigsten Märkten präsent.

In welchem Maße diese Pluspunkte bei den Anlegern auf Anklang stoßen, ist zwei Wochen vor dem geplanten Börsendebüt allerdings noch schwer abschätzbar. Mit einer ähnlich soliden Firmenhistorie gelang der in einem völlig anderen Geschäftsfeld tätigen Dr. Hönle AG zum Beispiel im Januar zwar ein gelungener Börsenstart. Inzwischen konnte sich aber auch diese erste Neuemission am Wachstumssegment dem Druck des Marktes nicht entziehen und notiert um rund 20 % unter dem Ausgabepreis.

Wiest hofft dennoch, dass die Anleger zwischenzeitlich gelernt haben, Erfahrung höher zu einzuschätzen als hochfliegende Visionen. Die Segnungen der W.O.M.-Technik wurde erst vor wenigen Wochen äußerst publikumswirksam verdeutlicht, als Bayern-Münchens brasilianischer Fußball-Star Giovane Elber kaum eine halbe Woche nach einer Knieoperation wieder vor gegnerische Tor stürmte. WOM bietet Techniken an, um kleinste Höhlen im menschlichen Körper zu erweitern und so Platz zu schaffen, damit der Arzt Krankheiten per Minikamera lokalisieren und gegebenenfalls operieren kann. Außerdem soll die Zertrümmerung von Gallen- und Nierensteinen per Laser dem Patienten das Messer ersparen. 30 Laser seien bestellt, die US-Zulassung werde für Ende des Jahres erwartet.

60 Prozent Auslandsanteil am Umsatz

Von dem im vergangenen Geschäftsjahr verbuchten Umsatz von 23,6 Mill. Euro entfielen 60 % auf das Ausland und davon wiederum 80 % auf die USA. Weltweit werde bis 2010 mit einem starken Anstieg dieser zeit- und kostensparenden chirurgischen Methode gerechnet, sagt Wiest. Der Anteil der auf diese Weise praktizierten Eingriffe soll von derzeit 15 % auf 70 % steigen. Um diese Wachstumsaussichten nutzen zu können, sucht Wiest nun Fremdkapital: "Aus eigener Kraft kann ich das nicht mehr finanzieren." Wiests Aktienanteil soll sich durch die Kapitalerhöhung um 2,2 auf 8,2 Mill. Euro auf etwas weniger als 60 % verwässern. Weitere knapp 10 % halten seine beiden Töchter und das Management.

Über Emissions-Preise redet er vor der für Mittwoch angekündigten Veröffentlichung der Bookbuildung-Spanne nicht. Doch schätzen Branchenkenner den Marktwert des Unternehmens anhand bereits börsennotierter, ähnlicher US-Firmen auf rund 100 Mill. Euro. Das entspräche rechnerisch einem Aktienpreis von etwa 12 Euro.

Den Emissionserlös - abzüglich der 10 % die unter anderem bei den Konsortialbanken DG Bank, Concord Effekten AG und Deutsche Apotheker- und Ärztebank landen werden - will Wiest in den Ausbau des Vertriebs und die Erweiterung des Produktportfolios investieren.

Die wirtschaftlichen Aussichten für die kommenden Jahre seien rosig. Schon in den vergangenen fünf Jahren sei der Umsatz um durchschnittlich 25 % gewachsen, im Jahr 2000 sogar um 35 %. Der gelernte Techniker lässt wenig Zweifel daran, dass das Wachstum bei Umsatz und Ertrag in diesem Tempo weiter steigen sollen. Damit beliefe sich der Umsatz 2001 auf über 30 Mill. Euro, 2002 dürfte er die Marke von 40 Mill. Euro weit überschreiten. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag 2000 bei 1,68 Mill. Euro. Auch in Zukunft soll die in den vergangenen Jahren erreichte Ebit-Marge von rund 15 % erreicht werden.

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