Chlapowski geht, Dörig kommt
Swiss Life tauscht erneut den Chef aus

Zum zweiten Mal innerhalb von acht Monaten hat der grösste Schweizer Lebensversicherer Rentenanstalt/Swiss Life kurzfristig den Konzernleiter auswechseln müssen. Der vom Finanzkonzern Credit Suisse kommende Rolf Dörig übernahm am Mittwoch per sofort die Führung der Rentenanstalt von Roland Chlapowski, der erst im Februar die Nachfolge von Manfred Zobl angetreten hatte.

Reuters ZÜRICH. Die mit Eigenkapitalproblemen kämpfende Rentenanstalt musste kürzlich Fehler in zwei Rechnungsabschlüssen einräumen. Zudem wurde die Existenz einer Beteiligungsfirma unter dem Dach der Rentenanstalt mit den Namen Long Term Strategy (LTS) bekannt, an der sich Manager wie Chlapowski und Zobl mit eigenem Geld beteiligen und hohe Gewinne einstreichen konnten.

Der Wechsel an der Spitze kommt in einer für die Rentenanstalt kritischen Zeit. Erst vor kurzem wurde eine Kapitalerhöhung in die Wege geleitet, die dem Konzern frische Mittel von bis zu 1,2 Mrd. sfr bringen soll. An der Börse führte der Führungswechsel zunächst einmal zu einem Kurssprung.

Die Rentenanstalt will auf jeden Fall am Zeitplan für die Kapitalerhöhung festhalten. "Die Vorbereitungen für die Kapitalerhöhung laufen weiter wie geplant", sagte ein Swiss Life-Sprecher auf Anfrage.

Der neue Chef kennt den Finanzmarkt Schweiz und die Branche gut. Zur Credit Suisse gehört auch die Winterthur Versicherung. Dörig war zuletzt Leiter des Schweizer Firmenkunden- und Retailgeschäfts von Credit Suisse Financial Services und Chairman Switzerland der CS Group. Er will die unter Chlapowski eingeleitete Strategie der Konzentration auf das Kerngeschäft Lebensversicherung in der Schweiz und in ausgewählten europäischen Ländern fortsetzen.

Noch bis im letzten Jahr hatte die Rentenanstalt unter der Führung von Zobl und seinem Finanzchef Dominique Morax eine rasante Expansionsstrategie durchgezogen. So wurde etwa die in der Vermögensverwaltung tätige Gotthardbank übernommen, die heute wohl nur mit einem kräftigen Nachlass wieder verkauft werden kann. Auch Morax hatte in die LTS investiert, die in der Schweizer Presse mit Skandalfirma tituliert wurde. Beobachter befürchten, dass die Pannen und Enthüllungen die dringend benötigte Kapitalerhöhung gefährden könnten. Die Details der Transaktion sollen am 13. November bekannt gegeben werden. Falls die Transaktion scheitert, muss Rentenanstalt mit einer weiteren Rückstufung durch die Ratingagenturen rechnen. Es ist aber auch möglich, dass die Banken der Gesellschaft beispringen und die Kapitalerhöhung zeichnen.

An der Börse wurde der Wechsel an der Konzernspitze positiv aufgenommen. Die Rentenanstalt-Aktien stiegen zur Börseneröffnung bis auf 179 sfr und notierten nach knapp zwei Stunden 8,2 % höher bei 165,50 sfr. Der Gesamtmarkt lag 0,3 % im Plus und der DJ StoxxInsurance-Index gewann 0,4 %.

Ein Londoner Analyst sagte: "Es war notwendig, dass sie etwas probieren, um den negativen Nachrichtenfluss einzudämmen. Ob ihnen das gelungen ist, wird man sehen." Ob die Kapitalerhöhung aber wie geplant über die Bühne gehen könne, scheine weiter fraglich. Nach dem Umbruch sei eine Verschiebung um zwei bis drei Monate denkbar, "bis sich der Staub gelegt hat," so der Analyst.

Auch die Ertragsaussichten von Rentenanstalt sind verhalten. Nach eigener Einschätzung erwartet des Unternehmen bis 2004 kein spürbares Wachstum und die angestrebte Eigenkapitalrendite von zehn Prozent dürfte nicht vor 2005 erreicht werden. Im ersten Halbjahr 2002 hatte Rentenanstalt einen Verlust von 578 Mill. sfr verzeichnet.

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