Christdemokraten träfe eine Neuwahl unvorbereitet
Die Union drückt Schröder die Daumen

Nach außen demonstriert die Union Gelassenheit. "Wir haben vor nichts Angst", sagt CDU-Chefin Angela Merkel. Man sei auf "alles, was kommt", vorbereitet. "Binnen 24 Stunden" könnten CDU und CSU einen Kanzlerkandidaten benennen, sekundiert der hessische Ministerpräsident Roland Koch. Und der frühere Parteichef Wolfgang Schäuble betont: "Eine Opposition sollte sich immer auf eine Wahl freuen." Die Spitzen der Christdemokraten sind eifrig darum bemüht, Handlungsfähigkeit auch für den Fall unter Beweis zu stellen, dass das rot-grüne Bündnis am Freitag zerbrechen sollte.

ran BERLIN. Doch in Wirklichkeit drücken viele in der Union den Daumen, dass genau dies nicht passiert. Die Folge wäre nämlich fast sicher eine Neuwahl - und die träfe die Christdemokraten denkbar schlecht vorbereitet. Vor allem Merkels Strategie, auf dem Bundesparteitag im Dezember die inhaltlichen Fragen zu klären und dann den Kanzlerkandidaten zu bestimmen, würde über den Haufen geworfen. Da die Neuwahl Ende Januar oder Anfang Februar stattfände, wäre die Union auf einen Schlag in einer Wahlkampfsituation - mit einem hastig benannten Spitzenkandidaten und ohne ein auf diesen abgestimmtes Konzept.

Dabei könnte die Kandidatenfrage noch verhältnismäßig schnell geklärt werden. In der gestrigen Nacht trafen sich bereits Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber mit den Generalsekretären beider Parteien und der Fraktionsspitze, um die Situation zu besprechen. Stoiber wird sich am Freitag in Berlin aufhalten und könnte sich unmittelbar nach dem Bundestagsbeschluss mit Merkel zusammensetzen. Eine schnelle Festlegung auf den Kanzlerkandidaten kann nur von den beiden Parteivorsitzenden getroffen werden. Die Fraktion könnte sich ebenfalls am Freitag zu einer Sondersitzung treffen. Der Plan, das CDU-Präsidium vorsorglich zu laden, ließen die Christdemokraten fallen. Das Gremium würde aber wohl spätestens am Wochenende einberufen. Dann würde zwar vermutlich noch kein Kandidat verkündet, aber immerhin das Verfahren zu seiner Berufung.

Viel Zeit bliebe den Strategen in den Parteizentralen jedenfalls nicht, um den Wahlkampf zu planen. Bislang gibt es weder griffige Slogans, die ja zum Kandidaten passen müssen, noch ein Team, dass die Union auf den wichtigsten Politikfeldern präsentieren soll. Nach Einschätzung einer Reihe von Abgeordneten und Parteigrößen wären die Aussichten der Union daher bei einer frühen Wahl deutlich schlechter als bei dem regulären Termin im Herbst 2002 - trotz des zu erwartenden weiteren Anstiegs der Arbeitslosenzahlen. Die größte Sorge ist, dass Schröder eine sozialliberale Mehrheit zu Stande bringt und damit der Union auf Jahre jede strategische Option verbaut.

Eine Minderheit der Unions-Parlamentarier plädiert daher dafür, eine große Koalition statt Neuwahlen anzustreben. Dies haben aber sowohl Merkel als auch Fraktionschef Friedrich Merz ausgeschlossen. Auch Schäuble, der nicht als prinzipieller Gegner großer Koalitionen gilt, sagte: "Wir sollten alles tun, um eine solche Konstellation zu vermeiden." Offiziell heißt es ohnehin, man rechne mit dem Fortbestand des rot-grünen Bündnisses.

Ganz unvorbereitet aber träfe ein früher Wahltermin zumindest die CDU nicht. Immerhin trifft sich das Wahlkampfteam seit der Sommerpause einmal wöchentlich - und im Büro von Generalsekretär Laurenz Meyer stehen schon die Plakate für die Wahlkreiskandidaten bereit. Das wichtigste Plakat allerdings fehlt noch.

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