Christian Wulff
Ein Teflon-Landeschef?

Christian Wulff erscheint als Teflon-Ministerpräsident, an dem Rückschläge einfach abperlen. Die Ablösung von VW-Chef Bernd Pischetsrieder ist jedoch ein brisantes Thema. Ob Wulff dauerhaft Kratzer davon tragen wird, ist dennoch fraglich.

BERLIN. Christian Wulff ist ein vorsichtiger Mann. Im CDU-Präsidium gilt der niedersächsische Ministerpräsident eher als "Schweiger", besonders bei kontroversen Themen. Im ersten Jahr der großen Koalition hat der 47-Jährige sich anders als etwa sein nordrhein-westfälischer Kollege Jürgen Rüttgers öffentlich mit Positionierungen gegen die Berliner Politik bedeckt gehalten. Und auch beim überraschenden Personalkarussell im VW-Konzern hat sich Wulff jetzt sehr zurückgehalten.

So sehr, dass er am Mittwoch die normalerweise ruhige Stimmung im niedersächsischen Landtag in Wallung brachte. Nein, über die Hintergründe der Ablösung von VW-Chef Bernd Pischetsrieder könne er nicht berichten, wies der Landeschef die Anfrage der aufgebrachten SPD und der Grünen zurück. Als VW-Aufsichtsratsmitglied sei er zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Sowohl Wulffs Schweigen wie auch die Aufregung der Opposition haben gute Gründe. Denn auch wenn der Ministerpräsident nun den neuen VW-Chef Martin Winterkorn lobt - den seit Monaten andauernden Machtkampf gegen die "graue Eminenz" im VW-Vorstand, Ferdinand Piech, und die IG-Metall-Vertreter hat er verloren. Genüsslich spricht SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner von einer "Schlappe" für den Industriepolitiker Wulff. "Pischetsrieder war eindeutig sein Mann, und jetzt ist er weg", sagt der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2008. "Wulff hat deutliche Kratzer abgekommen."

Die Opposition genießt dies auch deshalb, weil der seit 2003 regierende Wulff ansonsten wenig angreifbar wirkt. Bei der Kommunalwahl im September hatte sich die CDU mit 41,3 Prozent klar als stärkste Kraft behauptet, obwohl die SPD vorher auf Zuwächse gehofft hatte. Und Ende Oktober sorgte eine Forsa-Umfrage im Auftrag von n-tv in der Staatskanzlei endgültig für Gelassenheit: Der derzeitige Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz hat sich danach auch vom Meinungstief für die Bundes-CDU völlig abgekoppelt. Nur 18 Prozent der Niedersachsen erklärten sich zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung, aber 50 Prozent mit der der Landesregierung in Hannover. Und der unablässig durch das Land tourende Wulff schneidet noch besser ab: 62 Prozent aller Wähler und 87 Prozent der CDU-Anhänger stellen ihm ein gutes Zeugnis aus.

Seite 1:

Ein Teflon-Landeschef?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%