Christoph Rassy ist Inhaber der schwedischen Edel-Werft Hallberg-Rassy: Christoph Rassy: Bayer bringt Wikinger auf Kurs

Christoph Rassy ist Inhaber der schwedischen Edel-Werft Hallberg-Rassy
Christoph Rassy: Bayer bringt Wikinger auf Kurs

Als junger Mann zieht Rassy von Bayern nach Schweden und macht sein Glück. Auf der "boot" in Düsseldorf gehören seine Segelyachten zu den Stars.

STOCKHOLM. Er ist ein richtiger Bayer geblieben, poltert schon mal los, ist Dickkopf und Charmeur zugleich. Protest: "Ich fühle mich absolut als Schwede, ganz klar", sagt Christoph Rassy, und sicherlich weiß er am besten, wohin er gehört. Doch unstrittig ist, dass er auch nach 40 Jahren in Schweden die bullige Art des Urbayern nicht abgelegt hat.

Christoph Rassy ist Besitzer einer der renommiertesten Segelboot- Werften der Welt. Seine Hallberg-Rassy-Modelle sind auf allen Meeren der Welt zu Hause. Neidisch schaut die Konkurrenz an die schwedische Westküste, wo es Rassy gelungen ist, trotz Konjunkturflauten und Trendwechseln seit vier Jahrzehnten deutlich mehr als nur immer eine Handbreit unter dem Kiel zu haben.

"Ich mag nicht über Geld reden", sagt Rassy in seinem noch immer bajuwarisch klingenden Schwedisch. Nein, über Geld spricht man nicht, man muss es haben, will man stolzer Besitzer einer der blau-weißen Yachten aus Ellös werden. Obwohl weltweit der Trend zur Serienproduktion geht, mit der Konkurrenten wie Jeanneau, Benetau, Bavaria oder Dehler stets größere Boote immer günstiger anbieten können, hält Rassy an seinem Konzept fest.

"Qualität ist alles", sagt er. Die hat ihren Preis: Ab 112 400 Euro ist man mit der kleinsten Yacht, der HR 31, dabei. Für das größte Boot müssen 1,35 Millionen Euro berappt werden - viel Geld. Dafür braucht sich der Eigner aber auch nicht über Lecks, undichte Decks oder herausgerissene Beschläge zu ärgern.

Über Kundenmangel muss sich Christoph Rassy nicht beklagen. "Wir haben Lieferzeiten von bis zu zwei Jahren", sagt er, und man merkt ihm an, dass er mit dieser Situation gar nicht so unzufrieden ist. Pralle Orderbücher vermitteln ein Gefühl der Sicherheit.

Mittlerweile ist Rassys Unternehmen, etwa 80 Kilometer nördlich von Göteborg, die rentabelste Segelbootwerft Schwedens. Dort, wo sich die kleinen bunten Holzhäuschen an die Felsen schmiegen, baut er mit 330 Mitarbeitern jährlich 180 Boote, von denen 90 Prozent ins Ausland verkauft werden. Auch wenn er selbst über Geld nicht reden will: Sein Unternehmen setzte 1999 rund 350 Millionen Kronen (38 Millionen Euro) um und erwirtschaftete zwischen 50 und 60 Millionen Kronen Gewinn.

Schon als Kind zieht es Rassy, der die operative Leitung seines Unternehmens vor ein paar Jahren an Johan Schröder abgegeben hat, aber immer noch Alleineigentümer ist, ans Wasser. Am Starnberger See ist er aufgewachsen, lernt zunächst Glaser, später Bootsbauer. Er liest von dem Freiheitsgefühl, das jeden Segler befällt, der einmal in der zerklüfteten westschwedischen Schärenlandschaft gesegelt ist. Er macht sich auf und kommt auf der Insel Orust bei Göteborg an, dort, wo seit Jahrhunderten Bootsbau in seiner besten Form praktiziert wird.

Auf einer Werft findet er einen Job, baut aber in der Freizeit eigene Schiffe, mit denen er sogar Regatta-Erfolge erzielt. Ein Zufall führt ihn mit Harry Hallberg, einem der damals angesehensten Bootsbauer im Lande, zusammen. Hallberg und Rassy verstehen sich gut, der Bayer lernt viel von dem Schweden. Auch, dass Holz damals nicht mehr der einzige Werkstoff im Bootsbau ist.

Als sich Hallberg aus Altersgründen zurückzieht, übernimmt der Deutsche dessen Firma. Seine beiden Söhne arbeiten im Unternehmen mit, "vielleicht", so Rassy, "werden sie es einmal übernehmen". Auch wenn er dem traditionellen Bootsbau verbunden ist, wagt er eine Kooperation mit dem argentinischen Konstrukteur-Star German Frers. Der schafft es, die typischen HR-Linien zu erhalten und gleichzeitig hochmoderne Yachten zu entwerfen. "Ohne Boot kann man nicht leben", sagt Rassy. An der Düsseldorfer Boot, die an diesem Wochenende begonnen hat, nimmt er selbst aber nicht teil. "Man muss der neuen Generation Platz machen können." Leicht fällt ihm das nicht. Das bekommen seine Mitarbeiter zu spüren, wenn er weiter im Hintergrund die Fäden zieht. Ein sympathischer, aber sturer Bayer halt, der bisher stets den Riecher für den richtigen Kurs hatte.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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