Christopher von Hugo ist Seniorpartner von One Equity Partners
Der heimliche Herrscher bei HDW

Der Anruf aus New York kam unerwartet. "Sie kennen mich nicht, ich heiße Richard Cashin", hörte Christopher von Hugo eine unbekannte Stimme. "Was halten Sie von folgendem Automobilzulieferer ...?"

FRANKFURT. Aus dem Gespräch zweier Finanzinvestoren im Frühjahr 2000 entwickelte sich kein Geschäft. Ein anderes Beteiligungsunternehmen kaufte die betreffende Firma. Aber man blieb in Kontakt - und für Christopher von Hugo begann mit dem Anruf eine Entwicklung, die ihn zu einer der Hauptfiguren einer Geschichte machte, die in mancherlei Hinsicht zum Wirtschaftskrimi taugt: der Verkauf der Kieler Werft HDW an die amerikanische Bank-One-Tochter One Equity Partners (OEP).

Zweieinhalb Jahre nach dem ersten Kontakt mit Cashin ist von Hugo Senior Partner bei OEP, einer 3,5 Milliarden Dollar schweren Beteiligungsgesellschaft. OEP ist unter anderem am US-Fotokonzern Polaroid und am britischen Pharmaunternehmen Smith & Nephew beteiligt - und OEP besitzt 100 Prozent der Kieler Werft HDW, derzeit das einzige Investment in Deutschland.

Von Hugo, 39, dunkelbrauner Cordanzug, modisch kariertes Hemd, ist für das Deutschland-Geschäft von OEP zuständig. In der kleinen Elf-Zimmer-Niederlassung im Frankfurter Bankenviertel erklärt er seine Investmentphilosophie: "Wir sind daran interessiert, mit dem Vorstand direkt zu reden. Wir wollen Fälle identifizieren, wo wir gemeinsam Unternehmenseinheiten ausbauen und Unternehmenswerte schaffen können." Seine Botschaft ist klar: Wir sind keine Finanzhaie, wir denken langfristig.

Finanzinvestoren, das hat von Hugo bei seinen vielen Firmenbesuchen oft genug erfahren, haben noch immer nicht den besten Ruf in Deutschland. Vor allem dann nicht, wenn sie aus den USA kommen und eine deutsche Werft kaufen, die U-Boote mit einem weltweit einzigartigen Antrieb baut. Also betont er, dass sich OEP in das operative Geschäft der übernommenen Firmen in der Regel nicht einmische. Die Kontrolle aber gebe die Gesellschaft nicht ab. "Wir sind schließlich Mehrheitsgesellschafter", sagt er und pocht mit der Hand auf den Tisch.

HDW-Kenner berichten, dass er die Kontrolle im Aufsichtsrat der Kieler Werft bisweilen unerwartet vehement ausübt. Bei der letzten Sitzung habe von Hugo "plötzlich ein Projekt des Vorstands in Frage gestellt", erzählt einer der Aufsichtsräte etwas verwundert. "Man muss den Vorstand doch nicht so in die Ecke treiben." Von Hugo sei "ein typischer moderner Banker", immer offen für Gespräche, aber kühl in seinen Entscheidungen und sehr stark auf Zahlen und Rendite fixiert, heißt es in Kiel. Als der Vorstand auf der letzten Aufsichtsratssitzung dafür plädiert, den Handelsschiffbau intern zu bezuschussen, wendet von Hugo ein, das halte er für sehr fragwürdig. Prompt widerspricht ihm der ehemalige Vorstandschef Klaus Lederer, der sich an diesem Tag verabschiedet: Wer gute U-Boote bauen wolle, dürfe nicht die Fähigkeit verlieren, gute Überwasserschiffe zu bauen.

Vielleicht sei der Banker noch etwas unerfahren, folgert ein HDW-Kontrolleur. Es handele sich ja um sein erstes Aufsichtsratsmandat bei einem großen Konzern. Aber von Hugo ist schon lange im Geschäft. Als 30-Jähriger steigt er 1993 in das Beteiligungsunternehmen Pallas Finanz ein, ein Jahr später übernimmt er die Firma mit einem Partner und nennt sie in Palladion um. 1997 beteiligt sich ein Palladion-Fonds, hauptsächlich finanziert von der niederländischen Bank ING, an einem Management-buyout beim Automobilzulieferer Edscha.

Wenn von Hugo jetzt von Edscha erzählt, dem "Durchbruch", dann redet er nicht so nüchtern-unterkühlt wie meistens. Dann schwingt Stolz mit. "Eine fantastische Gesellschaft" sei das, die ihren Umsatz seit 1997 mehr als verdoppelt und das Ergebnis verzehnfacht habe. 1999 an die Börse gebracht, Kurs seitdem fast verdoppelt - eine Erfolgsgeschichte. Auch für Edscha-Chef Horst Kuschetzki:"Ich hatte immer den Eindruck, bei von Hugo müsste ich nicht jede Zeile schriftlich ausformulieren. Da kann man sich auf das Gesagte verlassen." Und dass die Investoren jetzt aussteigen wollen? "Das ist völlig normal. Nach fünf Jahren muss man damit rechnen."

Banker wie von Hugo sind Partner auf Zeit, ihnen geht es um Wertsteigerung und darum, diese Wertsteigerung irgendwann zu kassieren. Auch im eigenen Interesse: "Wir beziehen ein laufendes Gehalt", erklärt von Hugo. "Aber bis zu zehn Prozent unserer Investitionen steuern die Partner zu" - viel Geld bei Beteiligungen, die wie im Fall HDW mehrere hundert Millionen Euro kosten können. "Sie können nur glaubwürdig sein, wenn Sie das Modell, das Sie präsentieren, auch leben", sagt der dreifache, verheiratete Vater, der nach der Schulzeit aus Kanada nach Deutschland kam.

Diese Glaubwürdigkeit schließt auch harte Schnitte ein. Zum Beispiel bei Klaus Lederer, einem guten Bekannten des OEP-Partners Richard Cashin. Lederer führte den Ruhrkonzern Babcock Borsig in eine Milliardenpleite, verkaufte die Babcock-Tochter HDWan OEP und blieb Chef der Werft - bis sich herausstellte, dass sein Ruf das HDW-Geschäft behinderte: Lederer trat zurück. "Wir wollten nicht in die Situation kommen, kurzfristig einen geeigneten Mann für HDW finden zu müssen", erklärt von Hugo. Das klingt nicht nach freiwilligem Rücktritt.

Quelle: Handelsblatt

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