Chronik der Krise
Der monatelange Kampf um das Kirch-Imperium

Die Verhandlungen über die Rettung der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe sind nach Angaben aus Bankenkreisen in der Nacht zum Freitag gescheitert. Damit gilt eine Insolvenz des Münchener Medienkonzerns als nahezu sicher.

rtr MÜNCHEN. Die Chronik des Überlebenskampfes der Kirch-Gruppe:

09. Dezember 2001: In Kirch-Kreisen wird über einen kurz bevor stehenden feindlichen Übernahmeversuch durch Murdoch gemunkelt. "Die Lage ist kritisch", heißt es in Kirch-Kreisen.

11. Dezember 2001: Die Dresdner Bank fordert einen Kredit über 460 Millionen Euro von Kirch binnen zwei Wochen zurück. Drei Tage später verlängert sie den Kredit bis zum 15. Januar.

21. Dezember 2001: Kirch-Vize Dieter Hahn beziffert im Interview mit Reuters erstmals die Schulden der Gruppe mit bis zu 6,1 Milliarden Euro.

15. Januar 2002: Die Dresdner Bank verlängert den Kredit bis April.

16. Januar: Der frühere ProSieben-Chef Georg Kofler soll den KirchPayTV-Sender Premiere als neuer Geschäftsführer sanieren.

30. Januar: Der Hamburger Axel Springer Verlag Springer übt eine Verkaufsoption über 767 Millionen Euro für 11,5 Prozent an ProSiebenSat.1 aus und gibt Kirch bis Ende April Zeit, die vereinbarte Summe zu überweisen. Kirch bestreitet umgehend die Gültigkeit der Option.

05. Februar: Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, äußert in New York Zweifel an der weiteren Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe.

08. Februar: Der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch , der über BSkyB an Premiere beteiligt ist, verkündet, er wolle nicht weiter in Kirch investieren.

11. Februar: Die HypoVereinsbank ist nach Angaben aus Branchenkreisen bereit, Kirchs 40-Prozent-Beteiligung am Springer-Verlag für 1,1 Milliarden Euro zu übernehmen und ihm damit vorerst aus seinen Liquiditätsschwierigkeiten zu helfen.

14. Februar: Bei zwei Treffen deutscher Großbanken wird über die Rettung Kirchs verhandelt. Fünf Banken sind unter Führung der HypoVereinsbank nach Angaben aus Kreisen zu Gesprächen bereit. Die Deutsche Bank will sich aber nicht beteiligen.

22. Februar: Die für Juni geplante Fusion der Film- und Rechtegesellschaft KirchMedia mit ProSiebenSat.1 wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

23. Februar: Erstmals schließt Leo Kirch in einem "Spiegel"-Interview auch einen Verkauf der Formel 1 nicht aus.

25. Februar: Kirch engagiert drei Sanierungsexperten, darunter den Anwalt Wolfgang van Betteray.

08. März: Kirch betont, seine Sendergruppe ProSiebenSat.1 nicht verkaufen zu wollen, will nach Angaben aus Firmenkreisen aber seine Lokalsender in München, Berlin und Hamburg schließen.

19. März: Das Kirch-Kerngeschäft KirchMedia braucht nach Angaben aus Finanzkreisen zusätzliche Barmittel von 500 bis 600 Millionen Euro noch in diesem Jahr.

20. März: Kofler stellt ein Sanierungskonzept für Premiere vor. Er will den Sender mit einem rigiden Sparkurs bis 2004 in die schwarzen Zahlen führen. Die Fusion von KirchMedia und ProSiebenSat.1 wird endgültig abgesagt.

23. März: Kirch muss auf Druck der Banken wahrscheinlich auch die Mehrheit an KirchMedia abgeben. Zunächst heißt es, die Banken wollten selbst vorübergehend die Anteile übernehmen und das Kapital um 800 Millionen Euro aufstocken. Auch Murdoch und der italienische Medienmogul und Ministerpräsident Silvio Berlusconi melden ihr Interesse an.

24. März: Die Minderheitsgesellschafter wollen nach Angaben aus Verhandlungskreisen die Mehrheit an KirchMedia übernehmen. Der Widerstand des Firmengründers Leo Kirch schwinde, heißt es.

25. März: Die Gläubigerbanken drängen auf eine Entscheidung über die Rettung von vor Ostern. Kirch-Vize Hahn ist offenbar zum Rücktritt bereit.

26. März: Leo Kirch fordert für seinen Rückzug eine Beteiligung an den Erlösen aus dem Verkauf der Fußball-WM-Rechte.

27. März: Der Verhandlungspoker von Banken und Investoren dauert an, die Gespräche werden auf nach Ostern vertagt.

02. April: Banken und Investoren beenden die Gespräche erneut ergebnislos. Branchenkreise rechnen mit einem Scheitern. Kirch könnte in den nächsten Tagen Insolvenz beantragen, heißt es.

05. April: Die Verhandlungen von Banken und Investoren scheitern. Damit gilt auch ein Insolvenzantrag von KirchMedia als nahezu sicher.

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