Chronik
Nachfolgediskussion um EZB-Präsidenten

Reuters FRANKFURT. Schon vor Beginn der Währungsunion war der französische Notenbankchef Jean-Claude Trichet inoffiziell als zweiter Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgesehen. Nachfolgend eine Chronik der Personaldiskussion um das Spitzenamt der weltweit zweitwichtigsten Notenbank: 2./3. Mai 1998 - EU-Gipfel in Brüssel: Auf dem Gipfel zum Start der Wirtschafts- und Währungsunion entbrennt ein Streit zwischen Frankreich und den übrigen Teilnehmerländern der geplanten Euro-Zone über das Amt des EZB-Präsidenten. Der französische Präsident Jacques Chirac besteht auf einen französischen EZB-Chef als Ausgleich dafür, dass Deutschland mit Frankfurt den Sitz der Zentralbank erhalten hat. Als Kompromiss gibt Duisenberg in der Nacht eine Erklärung ab, er werde angesichts seines Alters nicht die volle Amtszeit von acht Jahren erfüllen, bestimme aber selbst den Zeitpunkt seines Abtritts. Frankreich verbreitet, als Termin für den Wechsel sei der Abschluss der Euro-Bargeldausgabe 2002 vereinbart worden. Dies wird offiziell niemals bestätigt. 1. Juni 1998 - Die EZB nimmt ihre Arbeit auf. 1. Januar 1999 - Die Wirtschafts- und Währungsunion beginnt. 28. April 2000 - Die Ermittlungen gegen Trichet wegen "Beihilfe bei der Verbreitung falscher Informationen an den Finanzmärkten und bei der Veröffentlichung unkorrekter Bilanzen" bei der ehemaligen Staatsbank Credit Lyonnais beginnt. 1. Januar 2002 - Mit der Ausgabe des Euro-Bargeldes verstärken sich Spekulationen über einen baldigen Wechsel an der EZB-Spitze. 7. Februar 2002 - EZB-Präsident Duisenberg erklärt nach der auswärtigen EZB-Ratssitzung in Maastricht, er wolle zu seinem 68. Geburtstag am 9. Juli 2003 zurücktreten. Grundsätzlich stehe er aber so lange zur Verfügung, wie es für eine reibungslose Nachfolge notwendig sei. 16. Juli 2002 - Der Untersuchungsrichter Phlippe Courroye beschließt trotz gegenteiliger Empfehlung der Staatsanwaltschaft, dass der Prozess gegen Trichet eröffnet wird. Ende Juli wird der Zeitraum für das Verfahren auf den 6. Januar bis zum 12. Februar 2003 festgelegt. 5. Februar 2003 - Die Staatsanwaltschaft beantragt wegen Beihilfe zur Bilanzfälschung zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung gegen Trichet. Kurz darauf wird der 18. Juni als Termin für das Urteil festgelegt. 5. April 2003 - Duisenberg erklärt sich offiziell bereit, über den 9. Juli hinaus so lange im Amt zu bleiben, bis sein Nachfolger das Präsidentenamt übernehmen kann. "Ich sage niemandem, wie lange ich bleibe", fügt er hinzu. 18. Juni 2003 - Trichet wird freigesprochen.

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