Chronografen liefern Exaktheit
Solange es Männer gibt

Wie lang ist ein Jahrhundert? Kurt Klaus kennt die genaue Antwort: Ein Jahrhundert hat exakt die Länge von 1,2 Millimetern. Diesen Weg legt der Jahrhundertanzeiger der Da Vinci vom 1. Januar 2000 bis zum 31. Dezember 2099 zurück.

"Der Mechanismus dieser Zeitmaschine zeigt den Kalender und die Mondphase an - bis ins Jahr 2499", sagt Klaus, einer der bekanntesten Schweizer Uhrmachermeister, während er drei der winzigen Einzelteile einer Da Vinci prüft. "Die Da Vinci ist eines der Meisterwerke unserer Manufaktur IWC."

Durch die spiegelblanken Räume fließt die Frühlingssonne, Dutzende von Uhrmachern arbeiten an zierlichen Gehäusen, jeder Griff sitzt perfekt, die IWC-Mitarbeiter, so scheint es, funktionieren selber mit der Präzision eines IWC-Uhrwerkes. Und Klaus erzählt, wie er der Zeitmessung eine neue Dimension gab: mit dem Ewigen Kalender der IWC Da Vinci: "Wir sind in erster Linie Ingenieure", erklärt der Uhren-Mann: "Wir liefern Exaktheit."

Schaffhausen bietet dazu das ideale Terrain: Am Rande der technikorientierten Schweiz gelegen, ist auch der Einfluss der Deutschen spürbar. So kooperierte IWC jahrzehntelang mit dem Sportwagenhersteller Porsche. Und der Chef von IWC, Georges Kern, stammt aus einer Düsseldorfer Juwelier-Dynastie. Kern will mit IWC noch größer herauskommen: "IWC hat noch viel Potenzial". Es ist so, als würden Sie einen Porsche im ersten Gang fahren - wir müssen nur hochschalten." Bis jetzt verkaufen die Eidgenossen 50 000 Edelzeitmesser im Jahr: Viele gehen an Kunden aus der Bundesrepublik.

Dort ist IWC Kult. Warum? Kern erklärt: "Unsere Werbung ist ein echter Hingucker, die Botschaften bleiben haften." Die Kampagne dreht sich nur um einen: den Mann. Zwei Kostproben: "Scheiben putzen ist Männersache. Bis 42 mm Durchmesser." Oder einfach: "Der Uhr." Wer Erfolg haben will, so sinniert der Rheinländer vom Rheinfall, der müsse sich klar positionieren.

Ist IWC eine Uhr also für Männer, die in jeder Lebenslage an Vorsprung durch Technik glauben? Oder einfach nur das Zeiteisen für den Macho mit der außerordentlich dicken Brieftasche? "Wir haben auch viele Frauen als Kunden", verrät Kern. "In Österreich wurde ein Model sogar zur Frauenuhr des Jahres gewählt." Vielleicht war das aber auch nur Ironie unter Alpenvölkern.

Die meisten Leser, so sind sich die Schaffhausener sicher, schmunzeln über die frechen Werbesprüche. Selbst die furchtlose Emanzipationskämpferin Alice Schwarzer hatte die IWC-Kampagne als intelligente Werbung anerkannt, und die neutrale "Schweizerische Lauterkeitskommission" verlieh den Botschaften aus Schaffhausen das Prädikat "unbedenklich".

Wenn dann doch eine empörte Anruferin in der Werbeabteilung Dampf ablassen will, weil sie an eine männliche Werbeverschwörung glaubt, ist das Staunen groß. "Die Leute hören, dass ich eine Frau bin, und wechseln dann oft ihre Tonlage", schmunzelt IWC-Werbeleiterin Jacqueline Rose. Die Marketingexpertin, die selbst eine IWC trägt, betont, dass IWC die gleiche Message nicht überall auf der Welt rüberbringen kann. "Wir müssen die Kampagne an die jeweilige Kultur anpassen." Also an die jeweilige Männerkultur. In den USA, wo die Schweizer auch Latinos als Kunden werben wollen, tritt IWC dann mit dem Slogan "Mucho for Macho" an.

Bei den patriotischen Amerikanern kann IWC noch einen besonderen Trumpf ausspielen: Florentine Ariosto Jones aus den USA ist der Vater der IWC. 1868 kam er in Schaffhausen an und gründete die International Watch Company. Der 27-jährige Bostoner hatte sich die Schweiz ausgeguckt, weil die Arbeitskräfte billiger und wahrscheinlich auch besser waren als in seiner Heimat. Seit jenen Tagen verlassen preisgekrönte Modelllinien das Werk, das immer noch im selben Gebäude in der schmucken Altstadt von Schaffhausen untergebracht ist.

Immer machten sich Kunden und Händler auf den Weg in die Stadt am Rheinfall. So auch die beiden portugiesischen Kaufleute Rodrigues und Teixeira, die 1938 einen speziellen Wunsch vortrugen: Für ihre Klientel, Offiziere der Marine, brauchten sie "einen am Arm zu tragenden Zeitmesser mit den Qualitäten einer Taschenuhr". Bis dahin galten nämlich die Taschenuhren als die ultimative Art, sich über den Lauf der Zeit zu informieren. Die IWC-Ingenieure nahmen ihr Premium-Modell, das Taschenuhr-Kaliber 74, und bauten daraus eine Armbanduhr.

Der Mythos der Portugieser war geboren. Noch heute gehören die edlen Stücke in Rotgold, Gelbgold, Platin oder Edelstahl zum Besten, was die Uhrmacherkunst weltweit zu bieten hat. Das Wechselspiel zwischen Tradition und Technik führt IWC auch mit der neuen Linie Spitfire fort. "Mit dieser Hommage an ein Flugzeug der 40er-Jahre haben wir unsere Familie der Fliegeruhren nahezu ideal erweitert", sagt IWC-Chef Kern. Bereits 1936 konnten die Schweizer mit ihrer "Spezialuhr für Flieger" bei Piloten punkten: Bis heute tragen Männer in Cockpits, egal, ob Linien-, Kampf- oder Hobbyflieger, mit Vorliebe die funktionalen IWC-Stücke.

Doch wer auch immer sich mit einer echten IWC sehen lassen will oder einfach nur ihrer Technik erlegen ist: Die Preise sind gesalzen. Von 2 150 Euro bis 240 000 Euro muss man für eine IWC hinlegen. Extras nicht inbegriffen.

Die IWC war nie billig. Sie wird es wohl auch nicht werden - solange es noch Männer gibt.

Quelle: Handelsblatt

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