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Chronologie: Die Karstadt-Quelle-Krise

Der Handelsriese Karstadt-Quelle kämpft seit Jahren mit Problemen. Auch durch ein Personalkarussell an der Führungsspitze konnte die Talfahrt nicht gestoppt werden. Die Etappen der Rettungsbemühungen:

dpa-afx ESSEN. Der Handelsriese Karstadt-Quelle kämpft seit Jahren mit Problemen. Auch durch ein Personalkarussell an der Führungsspitze konnte die Talfahrt nicht gestoppt werden. Die Etappen der Rettungsbemühungen:

1. Oktober 2000: Vor dem Hintergrund verfehlter Ergebnisprognosen muss der langjährige Karstadt-Quelle-Chef Walter Deuss seinen Chefwechsel räumen. Neuer Vorstandschef wird der Ex-Metro Manager Wolfgang Urban.

1. Juni 2004: Der in tiefrote Zahlen gerutschte Handelskonzern erhält erneut eine neue Führungsspitze. Nach einem weiteren Gewinneinbruch und erneuten Umsatzrückgängen zieht der Aufsichtsrat die Notbremse. Der bislang für den Versandhandel zuständige Vorstand Christoph Achenbach tritt als neuer Konzernchef an.

27. September 2004: Knapp vier Monate nach seinem Amtsantritt legt der neue Konzernchef dem Aufsichtsrat ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm vor. Das Kontrollgremium stimmt den Plänen zu. Die Gewerkschaft ver.di spricht von einer "von den Banken erzwungenen Kahlschlagpolitik", die gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter durchgesetzt worden sei.

28. September 2004: Achenbach präsentiert in der Öffentlichkeit Einzelheiten des radikalsten Sanierungsprogramms der Konzerngeschichte. Die wichtigsten Bausteine: Eine Kapitalerhöhung über 500 Mill. Euro, die Verlängerung von Kreditlinien im Volumen von insgesamt 1,75 Mrd. Euro, massive Verkäufe von Unternehmensteilen, die 1,1 Mrd. Euro in die Kassen bringen sollen.

11. Oktober 2004: Vor einer für den 14. Oktober angesetzten außerordentlichen Aufsichtsratssitzung beginnt eine "Woche der Entscheidung" mit Verhandlungen zwischen Unternehmen, Gewerkschaft und Arbeitnehmervertretern. Die Unternehmensleitung dringt auf eine schnelle Einigung bis zu der Aufsichtsratssitzung, bei der die Weichen für die Kapitalerhöhung gestellt werden sollen.

12. Oktober 2004: Weitere Einzelheiten der von den Beschäftigten geforderten tiefen Einschnitte werden bekannt. Der Konzern möchte unter anderem durch Kürzungen bei Gehältern und Urlaubsansprüchen sowie durch eine Verlängerung der Arbeitszeit allein beim Warenhauspersonal in den nächsten drei Jahren 500 Mill. Euro einsparen. Im Versandhandel sind es noch einmal rund 250 Mill. Euro. ver.di- Verhandlungsführerein Franziska Wiethold sagt: "Wir fühlen uns massiv unter Druck gesetzt".

14. Oktober 2004: Nach einem 29-stündigen Verhandlungsmarathon einigen sich ver.di, der Betriebsrat und der Vorstand auf ein Sanierungspaket. Für die Beschäftigten gibt es empfindliche Lohneinbußen. Im Konzern sollen 5 700 Stellen gestrichen werden. Die Maßnahmen sollen ein Einsparvolumen von 760 Mill. Euro bringen. Damit steht einer der wichtigsten Bausteine für Achenbachs Sanierungskonzept. Der Aufsichtsrat lädt zur Hauptversammlung am 22. November.

20. Oktober 2004: Karstadt-Quelle verschafft sich Luft für das umsatzschwere Weihnachtsgeschäft. Die Liquidität des Konzerns bis Jahresende 2004 wird durch die Gläubigerbanken sichergestellt.

3. November 2004: Der Zwischenbericht über die ersten neun Monate 2004 offenbart das ganze Ausmaß der Krise: Das Eigenkapital ist auf knapp 83 Mill. Euro geschrumpft, eine Eigenkapitalquote von weniger als 1 Prozent. Außerdem muss der Vorstand die Prognosen für 2004 zurücknehmen.

10. November 2004: Die Unternehmensberatung Roland Berger gibt in einem Gutachten für die Gläubigerbanken grünes Licht für den Sanierungsplan Achenbachs.

19. November 2004: Die Banken unterschreiben die Verträge für eine Verlängerung der bislang auf das Jahresende befristeten Kredite von 1,75 Mrd. Euro auf eine Frist von drei Jahren. Voraussetzung ist jedoch eine rechtzeitige Umsetzung der bis zum Jahresende geplanten Kapitalerhöhung um 500 Mill. Euro.

22. November 2004: Mehrere Kleinaktionäre legen Widerspruch gegen die geplante Kapitalerhöhung ein und blockieren damit die dringend benötigte Kapitalspritze, die am gleichen Tag von der Hauptversammlung mit großer Mehrheit von 99,76 Prozent beschlossen wird. Es setzen fieberhafte Bemühungen zur Lösung der Krise ein, da die Widersprüche bis zum 26.11. ausgeräumt sein müssen, um eine Umsetzung des engen Zeitplans der Kapitalerhöhung und damit der gesamten Sanierungsbemühungen nicht zu gefährden.

25. November: Nach mehrtägigen Verhandlungen erzielt das Unternehmen mit den für die Widersprüche verantwortlichen Kleinaktionären eine Einigung. "Die letzte Hürde ist geschafft", sagte Konzernsprecher Jörg Howe.

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