Chronologie
Seit 20 Monaten führt Angela Merkel die CDU

Nach dem Machtverlust im Bund und der Spendenaffäre versucht Angela Merkel seit April 2000, die CDU aus der Krise zu führen.

dpa HAMBURG. Eine Serie von Pannen und anhaltende Führungsdiskussionen, besonders aber die offene Frage nach dem Kanzlerkandidaten der Union prägten das Erscheinungsbild der vergangenen 20 Monate. Eine Chronologie:

10. April 2000: Führungswechsel - Merkel wird als Nachfolgerin von Wolfgang Schäuble in Essen mit knapp 96 % zur Vorsitzenden gewählt. Sie verspricht eine "gepfefferte Opposition". Ruprecht Polenz wird neuer Generalsekretär.

14. Juli 2000: Bundesratsschlappe I - Die rot-grüne Steuerreform passiert mit Hilfe CDU-regierter Länder abschließend den Bundesrat - ein Fehlschlag der vom Parteipräsidium und Merkel abgesegneten Konfrontationsstrategie.

1. Oktober 2000: Versöhnung - Nach Monaten des Zerwürfnisses wegen der Spendenaffäre treten Merkel und Ex-Kanzler Helmut Kohl in Berlin erstmals gemeinsam auf.

18. Oktober 2000: Leitkultur - Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz fordert von Zuwanderern eine Anpassung an "eine gewachsene freiheitliche deutsche Leitkultur". Proteste auch in den eigenen Reihen.

23. Oktober 2000: Generalsekretär - Polenz tritt nach nur sechs Monaten zurück. Einen "zweiten Fehlgriff", so scherzhaft sein Nachfolger Laurenz Meyer, könne die Vorsitzende sich nicht leisten.

21. November 2000: Kandidaten-Frage - CSU-Chef Edmund Stoiber stellt klar: Erst im Frühjahr 2002 soll über den gemeinsamen Kanzlerkandidaten der Union entschieden werden.

23. Januar 2001: Plakat-Pleite - Meyer bringt die CDU mit einem Plakat in Misskredit. Es zeigt "Fahndungsfotos" von SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem "Rentenbetrug" vorgeworfen wird.

1. Februar 2001: Merz-Anspruch - CDU/CSU-Fraktionschef Merz bringt sich selbst neben Merkel und Stoiber als möglichen Kanzlerkandidaten ins Gespräch. Irritationen in der Union.

25. März 2001: Wahlen - In Baden-Württemberg erringt die CDU mit 44,8 % (plus 3,5) den ersten Zuwachs seit 1999. In Rheinland-Pfalz fällt sie auf 35,3 % zurück.

24. April 2001: Kiep-Million - Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann berichtet, man habe überraschend eine Million DM entdeckt, die der frühere Schatzmeister Walther Leisler Kiep überwiesen hatte. Die Parteispitze war bereits vor den März-Wahlen informiert.

11. Mai 2001: Bundesratsschlappe II - Wie die Steuerreform bringt die Koalition auch die Rentenreform mit Hilfe der SPD/CDU-regierten Länder Berlin und Brandenburg durch den Bundesrat.

10. Mai 2001: Asyl-Kompromiss - CDU und CSU präsentieren ein gemeinsames Zuwanderungskonzept. Die CSU hatte ihre Forderung nach einer Grundgesetzänderung im Asylrecht zurückgestellt.

6. Juni 2001: Merkel-Papier - Die Vorsitzende bekräftigt mit einem Grundsatzpapier über das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat ihren Führungsanspruch.

7. Juni 2001: Zuwanderung - Die CDU beschließt als erste Volkspartei ein vom saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller erarbeitetes Ausländerkonzept. Kernpunkte: Begrenzung der bislang ungesteuerten Zuwanderung, Förderung der Integration.

16. Juni 2001: Machtwechsel I - Eberhard Diepgen und die Berliner CDU werden von SPD, Grünen und PDS aus der Regierung verdrängt. Gegen den Rat Merkels wählt die Partei Frank Steffel und nicht Wolfgang Schäuble zum Bürgermeister-Kandidaten.

27. August 2001: Wirtschafts-Konzept - Die CDU-Spitzengremien billigen ein von Merkel vorgelegtes Konzept zur "neuen sozialen Markwirtschaft". Das Wort "neu" ist nach Ansicht der CSU überflüssig.

29. August 2001: Bundeswehr-Einsatz I - In der Mazedonienfrage zeigt sich die Unionsfraktion gespalten: Gegen den Willen der Führung lehnen 68 Abgeordnete einen Einsatz der Bundeswehr ab. Sie hatten eine bessere Finanzierung verlangt.

2. September 2001: Wahlkampf-Thema - Der hessische CDU - Ministerpräsident Roland Koch will die "nationale Identität" 2002 zum Thema machen. Das Nationalbewusstsein müsse bereits in den Schulen gestärkt werden.

12. Oktober 2001: Kühler Empfang - Merkel stößt auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg auf teils demonstratives Desinteresse. In der Frage des Zeitplans zu Bestellung eines Kanzlerkandidaten ist sie mit Stoiber einig.

21. Oktober 2001: Wahlpleite - Die Union erleidet in Berlin eine verheerende Niederlage. Absturz um 17 Punkte auf nur noch 23,8 %.

22. Oktober 2001: Machtwort - Auf einer Regionalkonferenz in Walsrode droht Merkel parteiinternen Kritikern. Abweichler würden "keinen Anteil daran haben..., wenn wir wieder Politik gestalten".

31. Oktober 2001: Machtwechsel II - In Hamburg regiert ein CDU - geführter Mitte-Rechts-Senat unter Ole von Beust. SPD und Grüne hatten bei der Wahl am 23. September die Mehrheit verloren.

10. November 2001: Führungsanspruch - Merkel beeindruckt mit einer kämpferischen Rede auf dem Parteitag der Südwest-CDU in Rust. Von ihrer Forderung nach einer raschen Entscheidung in der Kandidatenfrage sind die Delegierten nicht abzubringen.

16. November 2001: Bundeswehr-Einsatz II - Weil der Bundeskanzler die Vertrauensfrage mit dem Einsatz deutscher Soldaten im Terrorismus- und Afghanistankonflikt verknüpft, stimmt die Union geschlossen dagegen.

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