Chrysler bringt hohe Verluste
Keiner weiß, wohin Daimler-Chrysler fährt

Der amerikanische Konzernbereich macht Daimler-Chrysler Probleme: Seine Modelle verkaufen sich schlecht. Die neuen Zahlen des Unternehmens kommen zu einer Zeit, in der die Kursnotierung am Boden liegt. Wie es mit der Auto-Aktie weitergeht, darüber streiten derzeit die Analysten.

DÜSSELDORF. Aktien von Daimler-Chrysler sind zurzeit ein unsicheres Investment. Finanzanalysten der Bankhäuser sind sich uneinig wie selten zuvor, ob das Papier nun wieder steigen oder weiter fallen wird. Seit Jahresbeginn kannte der Kurs vor allem eine Richtung: nach unten.

Heute veröffentlicht der deutsch- amerikanische Konzern seine Zahlen für das dritte Quartal des Jahres. Manches - wie die Probleme mit Modellen der Marke Chrysler - wurde schon vorher bekannt. Die Finanzhäuser ziehen daraus unterschiedliche Schlüsse: Die Kursziele der Analysten pendeln zwischen 48 Euro, also rund vier Euro unter dem gegenwärtigen Kurs, und 62 Euro.

Chrysler bringt dem Konzern Verluste

Eine rosige Zukunft prophezeit unter anderem die Bayerische Landesbank. Sie rät dazu, das Papier überzugewichten - eine positive Empfehlung. Auch Credit Suisse First Boston riet vor zwei Wochen "Kaufen". Abwarten und halten lautet das Urteil der Bankgesellschaft Berlin. Und als Underperformer sieht das Münchener Bankhaus Merck Finck & Co den deutsch-amerikanischen Konzern. Das ist die zweitschlechteste Einstufung, die das Finanzhaus zu vergeben hat. Ihr liegt die Annahme zu Grunde, dass sich das Wertpapier etwa fünf Prozent schlechter entwickeln wird als der Deutsche Aktienindex Dax. "Das Problem ist der amerikanische Markt", sagt Pia-Christina Schulze. Sie beobachtet Daimler-Chrysler für Merck Finck & Co. "Gerade die Importeure machen den einheimischen Marken wie Chrysler immer stärker zu schaffen."

Der amerikanische Konzernteil ist auch nach Ansicht andere Analysten zum größten Teil verantwortlich für den niedrigen Aktienkurs. Chrysler wird im dritten Quartal voraussichtlich 600 Mill. Euro Verlust gemacht haben. Das Unternehmen hatte bereits vor einem Monat mitgeteilt, dass dadurch "das Konzernergebnis deutlich beeinträchtigt" wird. Die Gewinnwarnung bestätigte Gerüchte an der Börse, die in den Wochen zuvor umgingen. Sie ließen den Aktienkurs ständig fallen. Nachdem die schlechten Zahlen auch offiziell bekannt geworden waren, stieg der Kurs wieder leicht an.

Analyst Sebastian Stein von der Bankgesellschaft Berlin vermutet, dass Daimler-Chrysler die Marktlage in Nordamerika falsch eingeschätzt hat. Zum Zeitpunkt, als Chrysler einen neuen Minivan auf den Markt bringen wollte, seien die Lager noch voller unverkaufter Vorgängermodelle gewesen. Dennoch: "Wir sehen die tatsächliche Ertragssituation von Crysler zum Teil negativ überzeichnet," berichtet Stein. Wie stark die Übertreibung sei, könne er jedoch nicht sagen. Wer derzeit Aktien von Daimler-Chrysler habe, solle sie erst mal behalten.

Zwischenzahlen für einen Zeitraum von drei Monaten seien ohnehin nicht besonders ausschlaggebend, sagt der Analyst weiter. Deshalb erwarte er bei der heutigen Präsentation auch keine Überraschungen. "Kurzfristig sehen wir bei Chrysler noch keine durchgreifenden Erfolgsmeldungen", sagt Stein.

Neue Informationspolitik gegenüber Analysten

Analystin Pia-Christina Schulze macht die amerikanische Börsenaufsicht dafür verantwortlich, dass Daimler-Chrysler seit einiger Zeit schwierig zu bewerten sei. Die Securities and Exchange Commission (SEC) hatte im Sommer entschieden, dass kein Analyst besser und früher informiert sein dürfe als die Öffentlichkeit. Diese Richtlinie gilt für alle Unternehmen, die in den Vereinigten Staaten an der Börse notiert sind. "Die sind jetzt zugeknöpfter. Darunter leidet die Transparenz", sagt Schulze. "Jedem Interessierten soll die selbe Information zur selben Zeit zur Verfügung gestellt werden", entgegnet Michael Pfister, ein Sprecher von Daimler-Chrysler. So habe sich das Unternehmens gegenüber Analysten aber schon immer verhalten. Daran habe die Entscheidung der SEC überhaupt nichts geändert.

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