Chrysler-Misere ist groß
Daimler-Aktie hat wenig Perspektiven

Die Luxuslimousinen der Marken Mercedes und Maybach strahlen mit ihrem Glanz auch auf die Aktie der Daimler-Chrysler AG aus. Nur so ist es zu erklären, dass dieses Wertpapier an der Spitze der Beliebtheitsskala aller deutschen Aktien steht. Die Aktionäre des schwäbischen Automobilkonzerns allerdings sind seit Jahren leidgeprüft: Kurz nach der Fusion mit der amerikanischen Auto-Ikone Chrysler im Jahr 1998 notierte die Aktie bei über 90 Euro. Danach kannte sie nur einen Weg: die Talfahrt. Inzwischen kostet sie 25 Euro.

STUTTGART. Nach der Hiobsbotschaft in der vergangenen Woche können die Aktionäre jede Hoffnung auf eine schnelle Kurserholung wieder einmal begraben. Am Ende dieses Quartals muss Chrysler 1 Mrd. Euro Verlust ausweisen. Am Jahresende soll nur ein "kleiner Gewinn" herauskommen - statt den angekündigten 2 Mrd. Dollar Gewinn.

Seit Herbst 2000 ist Chrysler ein Sanierungsfall. Erste Restrukturierungserfolge ließen die Sparte im letzten Jahr einen Betriebsgewinn von 1,3 Mrd. Euro Gewinn erzielen. Doch nach dem jetzt herben Rückschlag hinterfragen Analysten die Sanierungsstrategie. "Damit stellen sich grundsätzlich erneut die Fragen nach einer erfolgreichen Sanierung", schreiben beispielsweise die Analysten der Hypovereinsbank.

Ohne erfolgreiche Chrysler-Sanierung hat die Daimler-Aktie keine Chance auf Erholung. Die Amerikaner stehen immerhin für 40 % des Daimler-Umsatzes. Die Chrysler-Misere ist groß. An der Kostenfront war der deutsche Chrysler-Sanierer Dieter Zetsche zwar erfolgreich. Die Amerikaner versäumten aber, rechtzeitig Nachfolgemodelle zu entwickeln. Unter Zetsche wird zwar das Versäumte mit Hochdruck nachgeholt. Doch neue Fahrzeuge brauchen Zeit. Die neuen Modelle Pacifica und Crossfire sind zwar in diesem Jahr gestartet und weitere folgen in den nächsten zwei Jahren. "Doch bis sich wirkliche Erfolge zeigen, dauert das noch zwei bis drei Jahre", sagt Analyst Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheimer.

Zu internen Problemen kommen externe Schwierigkeiten hinzu: Die Rabattschlachten auf dem US- Markt haben bei der US-Tochter Chrysler zu einem Milliardenverlust im zweiten Quartal geführt. Chrysler hat der Offensive von General Motors nichts entgegenzusetzen und muss bei der Rabattspirale nach oben mitziehen. Ein Ende des Preiskrieges ist nicht abzusehen.

Die Analysten der WestLB Panmure glauben deshalb nicht, dass das Schlimmste für Chrysler vorbei ist. Sie rechnen bei Chrysler mit einem Jahresverlust von 248 Mill. Euro. Die Analysten von Morgan Stanley kalkulieren den Verlust sogar mit 336 Mill. Euro.

Chrysler reißt in diesem Jahr ein großes Loch beim Betriebsgewinn im Daimler-Chrysler-Konzern. Der Konzern rechnet mit 5 Mrd. Euro Betriebsgewinn, das sind 800 Mill. Euro weniger als im Vorjahr. Auch die Aussichten für 2004 sind wegen Chrysler gedämpft. Analysten haben die Gewinnprognose ebenfalls gesenkt. Sie rechnen aber nicht damit, dass die Daimler-Aktie noch tiefer fallen könnte. "Die Aktie ist unterbewertet, der Buchwert liegt bei 35 Euro pro Aktie", sagt Michael Raab. Doch schon oft haben die Daimler-Aktionäre gehofft, dass das Tal erreicht ist. Sie haben sich jedesmal geirrt. Analysten nennen als Kursziel für die Aktie 27 bis 33 Euro innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate. Einige raten zum Verkauf und empfehlen BMW.

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