Chrysler-Sanierung belastet Daimler
Kommentar: Langer Marsch

Endlich liegt der Sanierungsplan für Chrysler auf dem Tisch. Der Daimler-Chrysler-Vorstand hat sich weit aus dem Fenster gelehnt. Mit Planzahlen für die nächsten drei Jahre will er seine gebeutelten Aktionäre davon überzeugen, dass der Konzern die Misere bei der US-Tochter schnell in den Griff bekommen wird.

DÜSSELDORF. Doch obwohl Konzernchef Jürgen Schrempp eine zügige Sanierung in Aussicht stellt, kommt keine Euphorie auf. Der Weg zurück zur alten Ertragsstärke wird ein langer Marsch - beschwerlich und steinig. Entscheidend für Schrempp und seinen Verbleib an der Spitze des weltweit drittgrößten Automobilkonzerns ist allein die Frage: Schafft es sein US-Statthalter Dieter Zetsche, Chrysler binnen Jahresfrist wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Wenn nicht, ist nicht nur Schrempps Milesstones-Konzept Makulatur. Dann muss der Vorstandschef seinen Platz räumen.

Deshalb ist die Frage nach einer Trennung von Chrysler sowie von der Beteiligung Mitsubishi Motors nach dem Vorbild von BMW nur vertagt. Darüber wagt derzeit niemand ein lautes Wort. Die Angst, dass der traditionelle Ertragsbringer Mercedes-Benz dann zu einem Übernahmekandidaten wird, ist groß.

Der als Sanierer entsandte Zetsche ist zwar zuversichtlich, dass die US-Sparte zügig wieder profitabel wird. Doch ob es gelingt, hat er nicht in der Hand. Es hängt stark von externen Faktoren ab. So ist die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der nordamerikanischen Konjunktur groß. Offen ist zudem, wie der Rabattkrieg auf dem amerikanischen Automarkt weitergeht. Bedenklich ist, dass Chrysler schon zu Jahresanfang weitere Preisnachlässe gewähren musste. Bis zum Herbst wird es darüber mehr Klarheit geben, wie die Chancen für die Sanierung stehen.

Doch auch wenn es gelingt, bei Chrysler das Ruder herum zu reißen, ist der Konzern immer noch deutlich entfernt von der alten Profitabilität. Zwar soll die angeschlagene US-Sparte innerhalb eines Jahres wieder in die Gewinnzone kommen und 2003 einen Beitrag zum Ergebnis von mehr als zwei Milliarden Euro beisteuern. Doch dies ist ein vergleichsweise bescheidenes Ziel. Noch 1999 erzielte Chrysler das Zweieinhalbfache. Auch längerfristig wird die Latte deutlich niedriger gelegt. Bei Chrysler werden auf Dauer langfristig fünf Prozent Umsatzrendite angepeilt gegenüber acht Prozent noch im Jahr 1999.

Die gestern vorgestellten "Meilensteine" sind ein reines Zahlenwerk. Wer eine mitreißende Vision erwartet hatte, wurde enttäuscht. So bleibt weiter im Nebel, wie Daimler-Chrysler das Ziel des globalen Automobilkonzerns tatsächlich umsetzen will. Schrempp zieht sich lediglich auf Schlagworte wie Komponentenaustausch und Skaleneffekte zurück. Erstaunlich einsilbig zeigt er sich, wenn es darum geht, wie vor allem Chrysler und Mitsubishi künftig attraktivere Autos bauen wollen.

Der für seine Superlative ("extremst") bekannte Konzernchef ist deutlich bescheidener geworden. Vor der Fusion vor gut zwei Jahren stellte er den Anlegern noch in Aussicht, dass sie an den "hervorragenden Wachstumsperspektiven eines der profitabelsten Automobilunternehmen" teilhaben könnten. Heute heißt es nur noch, dass Daimler-Chryslers Unternehmensstrategie "die beste Ausgangsbasis bietet, eine Spitzenposition in unserer Industrie einzunehmen". Nach den großspurigen Versprechungen der Vergangenheit müssen die Anleger heute schon zufrieden sein, wenn der Konzern diese bescheideneren Ziele überhaupt erreicht.

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