Chrysler und Mitsubishi stehen nicht zur Dispoition
Daimler-Chrysler-Chef wehrt sich

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp hat seine Strategie der Internationalisierung auf der Hauptversammlung des Unternehmens gegen heftige Aktionärskritik verteidigt.

dpa BERLIN/STUTTGART. Die Sanierung des angeschlagenen amerikanischen Autoproduzenten Chrysler laufe nach Plan, sagte Schrempp am Mittwoch in Berlin. Vertreter der Kleinaktionäre sprachen angesichts der 3,4 Milliarden Euro Sanierungskosten für Chrysler und Mitsubishi Motors und einem erwarteten Milliardenverlust im Konzern für dieses Jahr von einer letzten Chance für Vorstand und Aufsichtsrat.

Daimler-Chrysler erwirbt Volvos Anteil an Mitsubishi

Der deutsch-amerikanische Autokonzern gab bekannt, dass er zusätzlich 3,3 Prozent am japanischen Autobauer Mitsubishi von Volvo erworben habe. Nach dem Rückzug der Schweden ist der Weg für eine direkte Zusammenarbeit mit Mitsubishi bei Lastwagen und Bussen frei. "Dies ist ein wesentlicher Schritt zur Komplettierung unserer Asienstrategie", sagte Schrempp. Insgesamt stockt Daimler-Chrysler seine Beteiligung an Mitsubishi auf 37,3 Prozent auf.

Der Kauf konnte die Kleinaktionäre nicht besänftigen. Die Manager hätten nun eine letzte Chance, das Ruder wieder herumzureißen, sagte Klaus Kessler für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Entweder andere Zahlen oder andere Köpfe." Einer Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat wollten weder DSW noch die Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) zustimmen. Sie sprachen von einer gelben Karte. "Es kann nicht sein, dass der strahlende Daimler-Stern Fässer ohne Boden auf der ganzen Welt subventioniert", sagte Kessler.

Zur Hauptversammlung waren rund 10 800 Aktionäre anwesend, rund 37 Prozent des stimmberechtigten Kapitals. Der Firmenkritiker Ekkehard Wenger warf dem Vorstand vor, für Chrysler mit 80 Milliarden DM bewusst zu viel gezahlt zu haben, weil die Manager an die "große Kohle" wollten. SdK-Vertreter Lars Labryga kritisierte die milliardenschwere Kapitalvernichtung an der Börse.

So reagierte die Daimler-Chrysler-Aktie

Der Konzernchef räumte ein, dass der Aktienkurs von Daimler-Chrysler niemanden zufrieden stellen könne. Er lag am Nachmittag mit 53,99 Euro etwa 1,5 Prozent unter dem Vortageskurs. Nach Verlusten in diesem Jahr sollen aber sowohl Chrysler als auch Mitsubishi 2002 wieder die Gewinnschwelle erreichen, betonte Schrempp. Dann soll der Konzern mit einem operativen Gewinn von 5,5 bis 6,5 Milliarden Euro wieder deutlich besser als in diesem Jahr abschneiden. Für 2001 rechnet Daimler-Chrysler inklusive der Sanierungskosten mit einem operativen Verlust von 1,2 bis 1,7 Milliarden Euro.

Sowohl Chrysler als auch Mitsubishi seien fester Bestandteil der Unternehmensstrategie und stünden nicht zur Disposition, sagte Schrempp bestimmt. 2003 erwarte er für Chrysler eine Umsatzrendite von 4 Prozent und ein Betriebsergebnis von über zwei Milliarden Euro, für Mitsubishi 2003/04 eine Rendite von 4,5 Prozent. Die Aktionärsklagen um den US-Milliardär Kirk Kerkorian gegen die Fusion mit Chrysler könnten eventuell bereits in den kommenden zwölf Monaten erfolgreich abgewiesen werden, sagte Schrempp. Im kommenden Monat werde ein Antrag auf Zurückweisung der Klage eingereicht.

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Für die zusätzlichen 3,3 Prozent an Mitsubishi sowie für Entwicklungs- und Planungsleistungen zahlt Daimler-Chrysler rund 297 Millionen Dollar (599,9 Mio. DM / 306,5 Mio. Euro). Nutzfahrzeugvorstand Eckhard Cordes sieht großes Potenzial, nun zusätzliche Gewinne für beide Unternehmen zu erwirtschaften. Mitsubishi Fuso Truck and Bus Divison, im Gegensatz zum Pkw-Geschäft profitabel, erreichte im Vorjahr in Japan einen Marktanteil von 30,7 Prozent und verkaufte rund 154 000 Busse und Lastwagen. Der Umsatz damit betrug etwa 672 Milliarden Yen (11,7 Mrd. DM). Daimler-Chrysler verkaufte 549 000 Busse und Lastwagen und kam auf einen Umsatz von 28,8 Milliarden Euro.

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