Chrysler und Mitsubishi verkaufen gemeinsam
Daimler-Chrysler baut Synergien im Konzern aus

Daimler-Chrysler und Mitsubishi Motors gehen im Vertrieb aufeinander zu. Vom kommenden Jahr an wird es in Frankfurt den ersten Betrieb in Deutschland geben, in dem zugleich Fahrzeuge von Chrysler und Mitsubishi verkauft werden. "In zwei getrennten Komplexen und nicht unter einem Dach", sagte ein Sprecher der deutschen Daimler-Chrysler-Vertriebsorganisation. In Frankfurt werde es jeweils eine Geschäftsführung für den Mitsubishi- und den Chrysler - Teil geben.

zel/brb DÜSSELDORF/STUTTGART. Der Daimler-Sprecher bezeichnete die Frankfurter Lösung zunächst als Einzelfall. Es sei nicht daran gedacht, den Mitsubishi-Vertrieb komplett in die Organisation von Daimler-Chrysler zu übernehmen. Der Mitsubishi-Betrieb in Frankfurt habe noch Platz und könne die Chrysler-Fahrzeuge problemlos aufnehmen. "In Frankfurt haben wir großen Nachholbedarf", begründete der Sprecher das lokale Zusammengehen der Marken.

Doch auch personell zeichnet sich im Vertrieb eine immer stärkere Verflechtung zwischen Daimler-Chrysler und dem japanischen Autohersteller ab. Mitsubishi Motors Deutschland bekommt Anfang April seine neue Geschäftsführung komplett von Daimler-Chrysler. Thomas Holtgräfe wird als Sprecher des Unternehmens zusätzlich zuständig für Vertrieb und Marketing, Bernd Hoch übernimmt die Finanzen und Hartmut Swietlik wird das Ersatzteilgeschäft sowie das Vertriebsnetz leiten. Die drei künftigen Mitsubishi-Geschäftsführer haben bislang beim Deutschland-Vertrieb des Daimler-Konzerns gearbeitet.

Der deutsch-amerikanische Automobilkonzern hatte sich vor knapp zwei Jahren am japanischen Konkurrenten beteiligt, inzwischen hält das Stuttgarter Unternehmen einen Anteil von gut 37 %. Auf längere Sicht sollen vor allem der Chrysler-Konzernteil und Mitsubishi ihre Zusammenarbeit im technischen Bereich intensivieren und gemeinsam Fahrzeuge entwickeln.

Intern wird im Daimler-Konzern bereits überlegt, später den kompletten Mitsubishi-Vertrieb in die eigene Organisation zu integrieren. Ein Vorbild dafür gibt es bereits: Nach der Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler wurde der eigenständige Deutschland-Vertrieb der US-Marke aufgelöst und an die Mercedes-Verkaufssparte angehängt.

Allerdings muss für eine vollständige Integration des Vertriebs eine Bedingung erfüllt werden. Wie es in Stuttgart dazu heißt, sei die Aufstockung der Daimler-Anteile an Mitsubishi von 37 % auf 100 % die nötige Voraussetzung. Grundsätzlich besteht diese Möglichkeit: Daimler-Chrysler besitzt eine Option auf die komplette Übernahme des japanischen Partners.

Daimler-Chrysler, Mitsubishi Motors (MMC) und Hyundai Motor rücken zudem bei den Motoren für Personenwagen der Mittelklasse zusammen. Das Trio wird ein Joint Venture für die Entwicklung einer gemeinsamen Motorenfamilie gründen. Das bestätigte Daimler-Chrysler-Vorstand Jürgen Hubbert gegenüber dem Handelsblatt.

Details wie die Beteiligungsverhältnisse an der neuen Firma müssten die Partner noch aushandeln, erklärte er. Die Gemeinschaftsfirma könne in der nächsten Wochen stehen. Die drei Firmen wollen Technologie, aber auch Fertigungskapazitäten in die Firma einbringen.

Für Daimler ist das Joint-Venture ein Schritt in Richtung Welt AG. Der Autohersteller will sich in Amerika, Europa und Asien gleich stark verankern und hat sich deshalb neben der japanischen MMC mit 10 % an der koreanischen Hyundai beteiligt. Über gemeinsame Entwicklungen sollen Kostenvorteile erzielt werden. Ziel des Joint Ventures ist es, einen Weltmotor zu entwickeln, der in Asien, Amerika und auch in Europa eingesetzt werden kann.

Die drei Partner wollen durch die gemeinsame Nutzung schnell zu sehr hohen Produktionszahlen kommen und so die Entwicklungskosten deutlich senken. Damit soll sich die Rendite für Mittelklassewagen verbessern. Die Motorenfamilie ist offenbar auf 1,8 bis 2,4 Liter ausgelegt. Es ist die Motorenklasse, bei der sich die Interessen von Chrysler für den USA-Markt als auch die von MMC und Hyundai am besten zusammenbringen lassen. Bei Mercedes-Benz-Pkw und Smart soll der Weltmotor nicht eingesetzt werden. Der Motor könnte der Anfang für eine weiter gehende Zusammenarbeit sein. Diskutiert werden auch die Entwicklung von Komponenten wie Getriebe oder Achsen.

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