Chubb: Deutliche Verluste aus Enron-Pleite
Ausländische Versicherer drängen nach Deutschland

Die amerikanische Chubb Versicherung verfolgt in Deutschland ehrgeizige Ziele, wie Chubb-Chef Dean O'Hare bei seinem Deutschlandbesuch gestern in München dem Handelsblatt erklärte.

HB MÜNCHEN. Vor allem mit ihrer Spezialität, der Haftpflichtversicherung für Top- Manager und Aufsichtsräte, hat die deutsche Niederlassung es im vergangenen Jahr auf rund 150 Mill. Euro an Beiträgen gebracht. Dieses Jahr strebt O'Hare mit seinem Unternehmen 200 Mill. Euro an.

Dieses Wachstumsziel werten industrielle Kunden als stattlich. Sie hatten nach der Zurückhaltung der deutschen Versicherungswirtschaft nach den Terroranschlägen ein stärkeres Engagement von den hiesigen Auslandsgesellschaften erhofft. Allerdings, so kritisiert die Industrie, handelten US-Versicherer manchmal überraschend sprunghaft. Industrievertreter verweisen beispielsweise auf den unerwarteten Rückzug der St. Paul Insurance aus Europa.

Der Chubb-Chef und handelspolitische Berater von US-Präsident George Bush plant allerdings keine Zukäufe, noch ein Wachstum um jeden Preis. O'Hare: "Ich bin nicht zum Einkaufen gekommen und führe derzeit auch keine Gespräche." Sollte sich jedoch eine günstige Gelegenheit ergeben, würde er sie nicht ausschlagen.

Das gilt allerdings für die meisten ausländischen Versicherer. So bestätigte Fortis-Chef Anton van Rossum am Rande einer Handelsblatt-Tagung in München sein Interesse am deutschen Markt, der für den belgisch-holländischen Allfinanzanbieter noch ein weißer Fleck auf seiner Landkarte ist.

In den USA zählt der Spezialversicherer Chubb zu den ertragreichsten Versicherungsgesellschaften überhaupt; gemessen am Umsatz liegt die Gruppe indes mit einem Beitragsaufkommen von 6,5 Mrd. $ an siebter Position im Markt. O'Hare legt großen Wert auf Profitabilität. Trotz Enron-Pleite und Terrorschäden nach dem 11. September, für die Chubb zwischen 600-750 Mill. $ wird zahlen müssen, zahlt Chubb auch für 2001 eine Dividende (230 Mill.$).

Die Pleite von Enron hat das vierte Quartal 2001 des Versicherers zusätzlich zu den außergewöhnlichen Terrorschäden belastet, weil Chubb über Garantieversicherungen (surety-bonds) die Gaslieferungen von Enron an Kunden abgesichert hatte. Daraus entstand den Amerikanern ein Schaden von 220-240 Mill.$. Aus der Manager-Haftpflichtversicherung könnten maximal noch 35 Mill. $ auf sie zukommen, schätzt O'Hare.

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