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Chávez' Öldiplomatie

Mit der Gründung der regionalen Ölgesellschaft Petrocaribe baut Venezuela seinen Einfluss in der Karibik deutlich aus. Insgesamt elf Staaten unterzeichneten vergangene Woche in Jamaika die Gründungsverträge.

Mit der Gründung der regionalen Ölgesellschaft Petrocaribe baut Venezuela
seinen Einfluss in der Karibik deutlich aus. Insgesamt elf Staaten
unterzeichneten vergangene Woche in Jamaika die Gründungsverträge. Demnach liefert der
fünftgrößte Erdölexporteur der Welt künftig knapp 200.000 Fass Öl zu
Vorzugskonditionen an die Mitgliedsstaaten. Mit 98.000 Fass erhält Kuba mit Abstand den
größten Anteil der vergünstigten Lieferungen. Für die Dominikanische Republik sind
50.000 Fass vorgesehen. Die einzigen beiden Staaten, die sich an Petrocaribe
nicht beteiligen, sind Trinidad und Tobago als größter Öl- und Gasproduzent
der Region sowie Barbados. Venezuelas Präsident Hugo Chávez, Gründervater von
Petrocaribe, lobte die neue Ölgesellschaft als eine "starke Vereinigung", die
das Ziel habe, mit "Armut und Sklaverei zu brechen". Zugleich kritisierte er den
"exzessiven Energieverbrauch" und das "irrationale Konsumdenken"
Nordamerikas.

Im Rahmen von Petrocaribe schickt Venezuela insgesamt 196.300 Fass täglich
(6,3 Prozent seiner OPEC-Quote) zum Marktpreis an die Mitgliedsstaaten. Diese
erhalten jedoch einen Zahlungsaufschub von zwei Jahren. Ein Teil des Öls muss
dann in bar oder in Naturalien bezahlt werden, der Rest kann mit einer Laufzeit
von 23 Jahren und einem Zinssatz von zwei Prozent beglichen werden. Der
Zinssatz fällt auf ein Prozent, sollte der Ölpreis über 40 Dollar pro Fass liegen.
Venezuela übernimmt zudem die Transportkosten für das Öl und die Entwicklung
der Infrastruktur in den jeweiligen Ländern.

Der Premierminister von Jamaika, Percival Patterson, wertete die neue
Gesellschaft als die Chance, mit dem Schema von "Beherrschung und Unterwerfung" zu
brechen. Petrocaribe ermögliche es den Staaten der Karibik, weniger ihrer
Devisenreserven für den Ölkauf aufzuwenden und helfe so, den Druck auf die
nationalen Währungen sowie die Inflation zu reduzieren. "Dies ist auch
Armutsbekämpfung", betonte Patterson.

Schon länger schmiedet Chávez auf dem Doppelkontinent zunehmend Allianzen, um
die von den USA geforderte und geförderte panamerikanische Freihandelszone
(ALCA) zu torpedieren. Der venezolanische Präsident und sein kubanischer Freund
und Kollege Fidel Castro propagieren stattdessen ALBA (Alternativa Bolivariana
para las Américas). Dieser Pakt soll als kontinentales Integrationsbündnis
mit sozialem Charakter das Gegenmodell zur als neoliberal gegeißelten
Freihandelszone ALCA sein. Während ALCA die soziale Schieflage in Lateinamerika
verschärfe, beseitige ALBA die Armut, argumentiert Chávez.

Erstmals hatte der venezolanische Staatschef vor zwei Jahren seine Idee eines
lateinamerikaweiten Ölkonzerns geäußert und war dafür belächelt worden. Aber
Projekte wie Petrocaribe erfreuen sich angesichts hoher Erdölpreise und
zunehmender Energiekrisen vor allem in den armen Staaten Süd- und Zentralamerikas
wachsender Zustimmung. Daher soll Petrocaribe nach Chávez' Willen erst der
Anfang sein. In Montego Bay regte er bereits die Gründung von "Electrocaribe" an,
einer Elektrizitätsgesellschaft, mit der die sichere und kontinuierliche
Stromversorgung in der Karibik gewährleistet werden soll.


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