CIA-Offizier im Kampfeinsatz getötet
Taliban-Regime zerfällt rasant

Der Zerfall des afghanischen Taliban-Regimes schreitet nach amerikanischen Medienberichten schnell voran. Nach dem Verlust aller großen Städte bis auf Kandahar desertierten führende Mitarbeiter des Taliban-Chefs Mullah Mohammed Omar, berichtete die amerikanische Fernseh- und Rundfunkgesellschaft CBS am Mittwochabend. Wie CBS ohne Angabe genauer Quellen meldete, befinde sich der Geheimdienstchef unter den Abtrünnigen.

ap WASHINGTON/KABUL/BONN. US-Fernsehsender berichteten ferner, dass die USA weitere Bodentruppen ins Land brächten. Während auf dem ersten US-Brückenkopf südöstlich von Kandahar jetzt rund 800 Marineinfanteristen stationiert seien, befänden sich inzwischen auch amerikanische Gebirgsjäger im Norden Afghanistans. Ihre genaue Aufgabe sei nicht bekannt. Laut CNN handelt es sich um eine Truppe von 20 bis 25 Mann, die als "schnelle Reaktionskraft" von Usbekistan auf einen Flugplatz bei Masar-i-Scharif verlegt worden sei.

Der US-Geheimdienstes CIA bestätigte am Mittwoch, dass bei der blutigen Gefangenenrevolte nahe Masar-i-Scharif auch ein CIA - Mitarbeiter getötet wurde. Der CIA-Offizier Johnny Spann (32) ist damit der erste Amerikaner, der bei einem Kampfeinsatz in Afghanistan ums Leben kam. Berichte über den Tod eines Amerikaners waren am Sonntag bekannt geworden, jedoch offiziell nicht bestätigt worden. Bei der Rebellion gefangen genommener ausländischer Taliban-Kämpfer in einer Festung bei Masar-i-Scharif waren bis zu 600 Menschen getötet worden.

Auf dem Petersberg bei Bonn geht heute (Donnerstag) die Konferenz über eine politische Neuordnung Afghanistans in den dritten Tag. Am Mittwoch hatte sich die Diskussion auf die Zusammensetzung der geplanten Übergangsverwaltung konzentriert. Sie soll alle Volksgruppen repräsentieren und aus etwa 15 Mitgliedern bestehen. Streit gab es über die Frage der Entsendung einer multinationalen Friedenstruppe zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit. Der Verhandlungsführer der Nordallianz, Innenminister Junus Kanuni, lehnte ausländische Soldaten entschieden ab.

Der Außenminister der Allianz, Abdullah Abdullah, relativierte die Ablehnung jedoch in der Nacht zum Donnerstag in einem CNN-Interview. Die Nordallianz bevorzuge zwar eine afghanische Truppe zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung, sagte Abdullah in Kabul. Sollte es jedoch eine Einigung über eine multinationale Friedenstruppe unter UN-Kommando geben, so werde die Nordallianz "selbstverständlich" Flexibilität zeigen.

Abdullah rechnet damit, dass die Bonner Konferenz noch zwei bis drei Tage dauern wird. Danach sollte es "sehr bald" eine Folgekonferenz in Afghanistan geben, auf der eine endgültige Vereinbarung über eine afghanische Übergangsregierung getroffen wird, fügte Abdullah hinzu.

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