Cipollini triumphiert
Zabel verpasst Hattrick in San Remo

Mario Cipollini triumphierte beim Weltcup-Auftakt Mailand-San-Remo. Telekom-Profi Erik Zabel rollte mit seinem superleichten Spezialrad nur als 70. über die Ziellinie.

dpa SAN REMO. "Herr San Remo" war gegen Mario Cipollinis Triumphzug machtlos. Erik Zabel, von italienischen Zeitungen in deutscher Ansprache besonders geehrt, verpasste am Samstag beim Weltcup-Auftakt Mailand-San-Remo, als erster Profi in 95 Jahren den Hattrick zu schaffen. Dem Sieger der Jahre 1997, 1998, 2000 und 2001 nützten am Samstag auch große Erfahrung, höchste Motivation, Bestform und ein superleichtes Spezialrad nichts gegen die Unwägbarkeiten des Radsports. Zwei Zwangstopps nach Stürzen anderer in der entscheidenden Rennphase hatten dafür gesorgt, dass Zabel diesmal nach 287 km an seiner früheren Triumphstätte mit gesenktem Haupt über die Ziellinie auf der Via Roma rollte - als 70.

Diesmal schien die Sonne nur für den "König der Löwen", wie der Hüne von 1,90 m Größe zu Hause genannt wird. Die italienische Presse konnte nach Cipollinis insgesamt 170. und wichtigsten Sieg schwelgen. 13 Jahre hatte der am Vortag 35 gewordenen Supersprinter aus der Toskana mit Wohnsitz Monte Carlo Anlauf genommen - diesmal klappte es. Der seriöse "Corriere della Sera" nutzte den Ort des Schlager- Festivals, ließ Cipollini zum Sänger mutieren und titelte: "Der König singt in San Remo". Der auf rosa Papier gedruckten "Gazzetta dello Sport" verriet der Sieger, dass er in den letzten Sekunden des Rennens zu Gott gebetet hätte, weil er "vor lauter Aufregung schon 300 Meter vor dem Ziel" den Spurt einer 44 köpfigen Spitzengruppe eröffnet hatte.

Vielleicht brauchte der italienische Radsport, zuletzt meist durch eher sportfremde Themen wie Strafprozesse, Polizei-Ermittlungen und Doping-Razzien in den Schlagzeilen, gerade jetzt dieses Hochgefühl. Zabels Gefühlslage war verständlicherweise eine andere. Nach seinem doppelten Pech von San Remo - weil er seinen Sieg vom Vorjahr nicht wiederholen konnte, verlor er in der Weltrangliste wegen der besonderen Arithmetik auch seine Spitzenposition - verschwand Zabel auf schnellstem Weg Richtung Spanien. Nicht ohne sich vorher als fairer Verlierer präsentiert zu haben: "Ich gönne Cipollini den Sieg, er war schließlich schon zwei Mal Zweiter hier."

Der 31-jährige Berliner aus Unna, bei dem erst ein Saisonsieg zu Buche steht, vergräbt sich in der Arbeit. Ab Montag fährt er bei der Katalanischen Woche. Seine Teamleitung machte sich nach der vertanen Chance von San Remo, wo Zabels Ex-Kollege Giovanni Lombardi für seinen neuen Chef Cipollini den Weg frei gemacht hatte, Gedanken über nächste mögliche Erfolgserlebnisse: "Bei der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix haben Erik und Steffen Wesemann beste Chancen", sagte Telekom-Manager Walter Godefroot.

Eine Kette von tragischen Zwischenfällen hatte Zabels Traum vom fünften Sieg in sechs Jahren 28 km vor dem Ziel unterbrochen. Nachdem sein Team-Kollege Bobby Julich behindert worden war, fuhr der Amerikaner an Zabels Dientfahrzeug und zerstörte die Schaltung. Nach dem Rad-Wechsel nahm der Favorit die Verfolgung der Spitzengruppe, die sich gerade zur Auffahrt auf die Cipressa gesammelt hatte, in Angriff.

Zabel kam aber nur wenige hundert Meter. Ein Massensturz, in den auch der neue, niederländische Weltranglisten-Spitzenreiter Erik Dekker verwickelt war, blockierte die Straße. Die Verfolger mussten wie an einer geschlossenen Bahnschranke warten und hatten den Zug endgültig verpasst. Dekker musste seine Beförderung sehr teuer bezahlen. Mit einem Oberschenkelbruch fällt der Weltcup-Sieger 2001 zumindest für die Saison der Frühjahrs-Klassiker aus.

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