Ciprobay-Nachfrage hilft Konzern nur vorübergehend
Bei Bayer sind noch viele Fragen offen

Zumindest für die Börse gab es am Mittwoch vom Bayer - Konzern seit Monaten wieder eine gute Nachricht: Das Chemie- und Pharmaunternehmen erhöht die Produktion seines meistverkauften Medikaments Ciprobay um gleich ein Viertel, weil das Antibiotikum in den USA derzeit so stark wie nie zuvor nachgefragt wird. Grund: In den USA darf das Antibiotikum zur Therapie von Milzbrand eingesetzt werden.

DÜSSELDORF. Nach zwei Fällen von Milzbrand in Florida und durch die Angst vor dem Einsatz biologischer Waffen durch Terroristen rechnet Bayer nun mit weiter steigender Nachfrage in den USA. Der Bayer-Aktie hat der Run auf das Antibiotikum in den vergangenen Tagen wieder etwas auf die Sprünge geholfen. Seit der Rücknahme des wachstumsstarken Cholesterinsenkers Lipobay im August war der Kurs von etwa 45 auf Werte um 30 Euro eingebrochen. Gestern notierte die Bayer-Aktie bis zum Nachmittag bei rund 34 Euro und lag damit knapp 2 % im Plus.

Doch das Umsatzplus durch die hohe Ciprobay-Nachfrage wird für Bayer nur kurzzeitig positive Auswirkungen haben, erwarten Analysten. Die Aktie wird von Banken daher weiterhin überwiegend mit "Halten" oder "Neutral" eingestuft - die Analysten erwarten vorerst nicht, dass sich der Titel besser als der Gesamtmarkt entwickeln wird. "Der zusätzliche Umsatz durch Ciprobay ist positiv, doch an unserer grundsätzlichen Einschätzung ändert sich nichts", sagt Klaus Kis, Analyst bei der Bank Merck & Finck. Er stuft Bayer auf "Underperformer" ein , erwartet somit sogar eine schwächere Entwicklung als der Marktschnitt und gibt als Kursziel 37 Euro vor. Bei Bayer seien noch viele Fragen offen - vor allem in Bezug auf die seit dem Lipobay-Fall angeschlagene Pharmasparte.

Für die sucht der Konzern offenbar nach einem strategischen Partner, mit dem das Arzneimittelgeschäft in einem Gemeinschaftsunternehmen betrieben werden soll. Schadenersatzzahlungen wegen Lipobay erwarten Konzern und Branchenkenner zwar nicht - aber auch diese Bedrohung lastet noch auf dem Konzern. Auch hat Bayer die Produktion des Blutgerinnungsmittels Kogenate in den USA noch nicht wieder voll hochfahren können. Bayer muss zudem neue Umsatzträger im Pharmageschäft präsentieren, wobei mit dem Potenzmittel Vardenafil im Jahr 2002 zumindest ein viel versprechendes Medikament auf den Markt kommt.

Positive Nachrichten zur Lösung dieser Probleme könnten den Bayer-Kurs weiter nach oben bewegen, glaubt nicht nur Kis. "Vor allem vom Erfolg bei der Partnersuche wird viel abhängen", sagt Ludger Mues von der Bank Sal. Oppenheim, der die Bayer-Aktie auf "Neutral" stuft und ein Kursziel von 38 Euro vorgibt. Bereits in nächster Zeit werden bei Bayer Entscheidungen erwartet, schließlich will der Konzern im nächsten Frühjahr mit einem schlüssigen Konzept an die New Yorker Börse gehen.

Viele gute Nachrichten dürften Anleger in nächster Zeit in Sachen Bayer nicht erwarten, sagt Andreas Theisen von WestLB Panmure. So wird wohl bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal im November die Auswirkung der Konjunkturschwäche auf das Polymer- und Chemiegeschäft des Konzerns deutlich werden. Auch Theisen stuft Bayer mit "Neutral" ein.

Als strategisch richtigen Schritt wertet Theisen ebenso wie die meisten Analysten den jüngsten Zukauf der Bayer AG, der der Aktie ebenfalls Auftrieb gegeben hat. Mit der Übernahme der Pflanzenschutzsparte von Aventis wird Bayer zum zweitgrößten Anbieter und macht sich weniger konjunkturabhängig. Wenn Bayer der Umschwung in der Pharmasparte gelingt, dürfte die Aktie daher auch als defensiver Wert mit Chance auf Kurszuwächse wieder interessanter werden.

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