Citibank verlangt neue Sicherheiten: Gerling-Krise zieht größere Kreise

Citibank verlangt neue Sicherheiten
Gerling-Krise zieht größere Kreise

Die Krise beim Kölner Versicherungskonzern Gerling zieht größere Kreise als bisher angenommen: Mehrere Großbanken stehen nach Informationen des Handelsblatts bei der angeschlagenen Gerling-Konzern Globale Rückversicherungs-AG (GKG) mit rund 600 bis 700 Mill. US-Dollar im Wort.

DÜSSELDORF. Ein Konsortium unter Führung der Citibank verlangt dafür nun mehr Sicherheiten. Eine Einigung über die Besicherung stehe aber kurz bevor, bestätigt GKG-Chef Achim Kann, der allerdings nur von "mehreren hundert Millionen Dollar" spricht, was daran liegen kann, dass der Geschäftsumfang der stillgelegten GKG zurückgeht.

An dem Konsortium, das eine Art Ausfallbürgschaft (Letter of Credit) für amerikanische Kunden der Gerling-Rück übernommen hat, soll maßgeblich die Hypo-Vereinsbank beteiligt sein. Das hat das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfahren. Weder Citibank noch die Bayern wollten sich dazu offiziell äußern. Die Deutsche Bank, die neben Gründerenkel Rolf Gerling (64,5 %) mit 34,5 % am Gerling-Mutterkonzern beteiligt ist, soll hingegen nicht im Konsortium für die GKG involviert sein.

Hintergrund: Die GKG war bis vor einem Jahr der sechstgrößte Rückversicherer der Welt. Damals verkauften die Kölner ihren Rückversicherungsschutz auch an Erstversicherer in den USA. Dort ist es durchaus üblich, den Kunden solche Ausfallbürgschaften zu besorgen. Mittlerweile wickelt die hoch defizitäre GKG aber nur noch Altverträge ab, weil sie peu à peu geschlossen wird. So eine Abwicklung kann bei Rückversicherern Jahrzehnte dauern. Die Banken sorgen sich nun darum, ob ihre Sicherheiten so lange ausreichen, falls Altkunden sie für eventuell noch auftretende Spätschäden irgendwann einmal in Anspruch nehmen. Bisher soll das noch nicht der Fall sein.

Übertragung dürfte länger dauern

Die angekündigte Einigung zwischen den Banken und Gerling-Rück könnte nach Ansicht von Kann so aussehen: "Das Agreement sieht vor, dass Anteile an der Gerling-Rück Lebensversicherung für die Banken als Sicherheit hinterlegt werden." Die Lebens-Rückverträge gelten im Gegensatz zu dem sonstigen Rückversicherungsgeschäft als durchaus rentabel. Sie sollen deswegen auch separat verkauft und dazu in eine eigene Gesellschaft, Gerling Life Re GmbH, eingebracht werden. Einer Übertragung müssen die betreffenden Kunden zustimmen. Deshalb geht das nicht so schnell. "Bisher ist noch nichts übertragen worden", sagt ein Gerling-Sprecher. Das zu übertragende Volumen beziffert er auf 1,5 Mrd. Euro an Beiträgen.

Seit nunmehr einem Jahr versuchen die Gerling-Aktionäre vergeblich den Gerling-Konzern zu verkaufen. Dabei steht einer Gesamtlösung bisher die GKG im Wege. Sie soll deshalb als erstes aus der Konzernbilanz heraus gelöst werden.

Das Verwaltungsgericht in Frankfurt hat dazu vergangene Woche zwar eine wichtige Weichenstellung vorgenommen: Die Richter haben dem Verkauf der hoch defizitären Gerling-Rückgruppe an Manager Kann zugestimmt, nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihn zuvor untersagt hatte (Handelsblatt vom 31.3.03). Damit ist der auch von Kunden zum Teil heftig umstrittene Deal aber noch nicht durch. Erstens kann die Aufsicht dagegen Beschwerde einlegen und zweitens gilt die Reaktion der ausländischen Aufsichtsbehörden abzuwarten - insbesondere in den USA.

Ohne die Lösung der Rück-Frage ist keiner der Interessenten bereit, sich bei Gerling zu engagieren - weder Konkurrent HDI, noch die deutschen Industrie. Auch das Private Equity Konsortium A3 unter Führung der Investorengruppe Acxit ist nicht länger an einer Gesamtlösung interessiert, heißt es. Und fast jeden Tag treten neue Probleme hinzu.

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