Citigroup-Aufbau in Deutschland als Aufgabe
Mark Wössner: Der unruhige Ruheständler

Der frühere Bertelsmann-Chef wechselt das Fach: Wössner, derweil 63, hilft dem US-Finanzdienstleister Citigroup beim Aufbau des deutschen Geschäfts.

HB DÜSSELDORF. Er kann?s nicht lassen. Eigentlich könnte er sich entspannt zurücklehnen, ab und an zu einer Aufsichtratssitzung reisen und ansonsten das süße Leben an seinem neuen Wohnsitz München genießen. Doch Mark Wössner will mehr, als über das Wohl und Wehe von Konzernen wie Daimler-Chrysler oder Start-up-Firmen wie E-Circle zu wachen. Der 63-Jährige will wieder selbst im Tagesgeschäft mitmischen.

Deshalb wechselt der frühere Chef des Medienkonzerns Bertelsmann das Fach und übernimmt am 1. April den neu geschaffenen Posten des Chairman bei der Citigroup Deutschland, Tochter des weltweit größten US-Finanzdienstleisters Citigroup. Wössner soll, heißt es offiziell, das Management "nach amerikanischem Modell unterstützen". Es gehe nicht in erster Linie um seine vielfältigen Kontakte, ist aus seiner Umgebung zu hören. Gefragt sind seine Erfahrungen als Top-Manager.

Wössner wird kein Frühstücksdirektor. Vielmehr soll er zwei bis drei Tage pro Woche für den Finanzkonzern arbeiten und vor allem dafür sorgen, dass die Citigroup - die größte Auslandsbank in Deutschland - im Firmenkundengeschäft und im Investment-Banking hier zu Lande aufholt. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Da kann sich der in Sachen Übernahmen erfahrene Wössner wieder aktiv einbringen - 18 Monate nachdem ihn sein früherer Arbeitgeber Bertelsmann in den Ruhestand geschickt hat.

Im Mai 2000 erschüttert Firmenpatriarch Reinhard Mohn die Mitarbeiter der Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh mit einer nüchternen Presseerklärung: "Aus Gründen seiner persönlichen Lebensplanung wird Mark Wössner das Unternehmen zum 31. Oktober verlassen."

Für Wössner ist die Trennung schmerzlich. 32 Jahre, sein ganzes Berufsleben, hat der Schwabe bei dem einstigen westfälischen Familienunternehmen verbracht. Unter seiner Führung - fast 16 Jahre war Wössner Vorstandschef - steigt Bertelsmann zu einem weltweit agierenden Mediengiganten auf, zum größten TV- und Rundfunkkonzern in Europa. Überdies gelingt ihm der Einstieg in die Neuen Medien.

Die erste Zäsur kommt Ende Oktober 1998. Einer ehernen Mohnschen Regel zufolge muss sich Wössner, gerade 60 geworden, aus der vordersten Front zurückziehen. Er wird Aufsichtsratschef der Bertelsmann AG und übernimmt den Vorsitz der Bertelsmann-Stiftung, die an der Bertelsmann AG die Mehrheit der Stimmrechte hält.

Doch die in den Augen Mohns so bedeutende Rolle des Stiftungschefs füllt Wössner nicht aus. Das stille Wirken im Hintergrund reicht ihm nicht. Das spürt Mohn - der Bruch des vielleicht erfolgreichsten Duos der jüngeren deutschen Unternehmensgeschichte ist unvermeidlich.

Die zweite Reihe ist kein Platz, in der sich der agile Macher wohl fühlt. Mark Wössner verstand sich immer als "Unternehmer" und wehrte sich stets energisch gegen die Bezeichnung "Manager" - vielleicht, weil seinem Vater einst ein kleiner Uhrmacherbetrieb im Schwarzwald gehörte.

Wössner, ein Temperamentsbündel, immer in Bewegung. Ein einstiger Weggefährte attestiert ihm gar Maßlosigkeit: maßlos im Ehrgeiz, aber auch maßlos in der Arbeit.

Ist es das, was ihn antreibt? Übernimmt er den neuen Job, um es den Kollegen in Gütersloh zu zeigen?

Bei Bertelsmann, so wird in der Branche kolportiert, konnte Wössner es sich nicht verkneifen, über den von ihm selbst erkorenen neuen Vorstandschefs zu räsonieren. Letztlich ist er daran als Vorsitzender des Aufsichtsrats gescheitert.

Als Chairman der Citigroup erwartet man von ihm sogar, dass er Akzente setzt.

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