Citigroup in Krediten an Worldcom stark engagiert
Worldcom schuldet Banken Milliardensumme

Der US-Telekommunikationskonzern Worldcom, der am Dienstag milliardenschwere Fehlbuchungen eingestanden hatte, steht bei Großbanken aus New York, Frankfurt und Tokio mit rund 4,5 Mrd. Dollar in der Kreide.

Reuters NEW YORK. Die größten Gläubiger von Worldcom, darunter die Bank of America Corp, J.P. Morgan Chase & Co. Inc und Citigroup Inc haben es aber nach Angaben aus Kreisen abgelehnt, dem Unternehmen mehr Geld zu geben. Aus bankennahen Kreisen hieß es, die Verhandlungen mit Banken über neue Kredite seien gestorben. Eine Pleite der Worldcom sei absehbar und bald möglich, sagte Analyst Dan Reingold von CS First Boston. Worldcom verbuchte nach eigenen Angaben in den vergangenen fünf Quartalen Kosten über fast vier Mrd. Dollar als langfristige Investitionen. Die Beträge hätten eigentlich den Gewinn schmälern müssen, sie erhöhten aber unberechtigterweise das Vermögen in der Bilanz. Bei korrekter Buchung hätte man 2001 sowie im ersten Quartal 2002 einen Nettoverlust gemacht. Die Börsenaufsicht "Securities and Exchange Commission" (SEC) reichte am Mittwochabend bei einem New Yorker Gericht eine Betrugsklage mit der Begründung ein, Worldcom habe ihre Gewinne manipuliert, um so die Erwartungen der Analysten zu erfüllen. Das Unternehmen ist der zweitgrößte Telekomanbieter in den USA.

Vor wenigen Monaten führte ein Skandal um falsche Bilanzen des Energiekonzerns Enron zur größten Unternehmenspleite in den USA.

Citigroup in Krediten an Worldcom stark engagiert

Ein Bankenkonsortium unter Führung von J.P. Morgan, Citigroup und Bank of America gewährte nach Angaben von Loan (LPC) dem US-Unternehmen eine Kreditlinie von 2,65 Mrd. Dollar, die Worldcom im vergangenen Monat in Anspruch nahm. Loan Pricing sammelt, analysiert und veröffentlicht Kreditdaten. Dem Konsortium gehören unter anderem die Deutsche Bank, die niederländische ABN Amro Holding und die japanische Bank of Tokyo-Mitsubishi.

Darüber hinaus habe Worldcom von Banken Kredite über 1,5 Mrd. Dollar im Rahmen eines Programms erhalten, bei dem es Worldcom gestattet gewesen sei, Kundenrechnungen als Sicherheit zu nutzen. An der Spitze dieser Bankengruppe stehen J.P. Morgan und Citigroup. Die Worldcom-Sparte Intermedia Communications ist den LPC-Angaben zufolge mit weiteren Krediten von 350 Mill. Dollar belastet, die die Bank of Amerika zusammen mit der kanadischen Toronto-Dominion Bank und Bank of New York Co arrangiert hatte.

Worldcom hat nach diesen Daten eine Kreditlinie von 1,6 Mrd. Dollar bis zum 8. Juni 2006 und eine Kreditlinie von 3,75 Mrd. Dollar bis zu diesem Sonntag. Das US-Unternehmen habe von diesen Kreditlinien offenbar noch keinen Gebrauch gemacht, hieß es bei LPC. Aus Kreisen verlautete, dass diese Kreditlinien WorldCom angesichts der Fehlbuchungen nicht länger zur Verfügung stünden.

Banken sehen finanzielle Auswirkungen begrenzt

Citigroup teilte nach Börsenschluss mit, das Kreditengagement bei Worldcom belaufe sich auf mindestens 375 Mill. Dollar. Die finanziellen Auswirkungen auf den gesamten Finanzdienstleister seien aber relativ moderat. Bei J.P. Morgan hieß es, dass das Kreditengagement bei Worldcom sehr gering sei und deshalb keinen Einfluss auf die Gewinne haben dürfte. Die zweitgrößte Bankgesellschaft der USA wollte das genaue Kreditvolumen nicht nennen. Ein US-Bancorp-Analyst schätzte, dass bei J.P. Morgans der Gewinn je Aktie durch das Kreditengagement um ein bis zwei Cent niedriger ausfallen werde. Bank of America wollte ihr Kreditengagement ebenfalls nicht nennen.

Bei deutschen Großbanken steht Worldcom nach bisherigen Erkenntnissen kaum in den Büchern. Die Commerzbank teilte mit, ihr Engagement sei gleich Null. Die Münchener Hypo-Vereinsbank ist nach eigenen Angaben mit weniger als zehn Mill. ? bei WorldCom engagiert. Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) bezifferte ihr Risiko auf "das untere Drittel eines zweistelligen Millionen-Dollar-Betrags". Die Bayerische Landesbank, die bereits durch die Insolvenz der Kirch-Gruppe stark belastet ist, wollte keine Stellung nehmen. Von der Deutschen Bank gab es zunächst keine Angaben dazu.

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