Citigroup-Manager: "Alles bleibt beim Alten"
US-Wahlausgang hat wenig Einfluss auf Wirtschaft

Nach Einschätzung von Experten hat die Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush einen geringen, aber positiven Einfluss auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

HB LONDON/BERLIN/BAD HOMBURG. "Bush plant, bei der Sozialhilfe und der Alterssicherung die Ausgaben einzugrenzen und die bereits verabschiedeten Steuersenkungen dauerhaft umzusetzen", sagte der Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding am Donnerstag der dpa in London. "Zusammen genommen sind das auf längere Zeit wachstumsfreundliche Faktoren. Und uns in Europa hilft ein solider Trend auch ein bisschen."

"Alles bleibt beim Alten", sagte der Citigroup-Manager und Präsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Fred B. Irwin, am Donnerstag im "DeutschlandRadio". Er rechne mit wenig Veränderungen in der Wirtschaftspolitik. Von Interesse sei aber die mögliche Neubesetzung wichtiger Posten wie die des Wirtschafts- und Finanzministers. Auch die Nachfolge von US-Notenbank-Chef Alan Greenspan, der laut Branchengerüchten möglicherweise 2006 abtreten wird, sei noch ungeklärt. "Bush muss in jedem Fall versuchen, das Defizit zu senken", meinte Irwin.

Volkswirt Schmieding geht indes davon aus, dass das amerikanische Haushaltsdefizit seinen Höchstwert überschritten hat. In den kommenden beiden Jahren rechnet er mit einem Rückgang von derzeit 420 auf 320 Mrd. Dollar. Das ebenfalls hohe Leistungsbilanzdefizit werde dadurch relativiert, dass die amerikanische Wirtschaft "fundamental solide" aufgestellt sei.

Auf einzelne Branchen würde sich die Bush-Wiederwahl nur gering auswirken. Kurzfristig könnten Pharma- und Chemiewerte etwas profitieren, weil sie unter einer demokratischen Regierung möglicherweise höhere Auflagen hätten hinnehmen müssen. Bushs Plan, für Schadensersatzforderungen an Unternehmen eine Obergrenze einzuführen, würde Firmen nützen, die sich häufig mit solchen Ansprüchen konfrontiert sehen, sagte Schmieding.

Der Vorstandsvorsitzende des Pharma- und Chemiekonzerns Altana, Nikolaus Schweickart, begrüßte in Bad Homburg die Wiederwahl Bushs. Die wirtschafts- und handelspolitische Linie der Bush-Administration gehe klarer in Richtung Marktwirtschaft. Für die Pharmaindustrie bedeute der Sieg, dass der US-Markt offen und attraktiv für innovative Produkte bleiben werde.

Mit Blick auf wirtschaftliche Streitfälle zwischen den USA und Europa wie die Subventionierung der Luftfahrtkonzerne Boeing und Airbus zeigte sich Handelskammer-Präsident Irwin optismistisch: "Wir finden immer einen Weg, das Problem zu lösen."

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