City Talk
ABN und der große Knall

Derzeit ist auf den Finanzmärkten nur eines sicher: die Unsicherheit. So wird in London mittlerweile eine Transaktion von internationalem Ausmaß angeweifelt - und die Beteiligten haben Angst, dass ein bislang unvorstellbares Schreckensszenario wahr wird.

LONDON. Was wäre, wenn? In diesen düsteren Tagen der Krise scheint kein Untergangsszenario zu abseitig, um es nicht einmal in Gedanken durchzuspielen. Also blicken wir einmal tief in die Kristallkugel: Was wäre, wenn die größte Übernahme der Finanzgeschichte doch noch platzen würde? Was wäre, wenn aus der Schlacht um die niederländische Traditionsbank ABN Amro am Ende kein Sieger, sondern nur Besiegte hervorgingen?

Auf den ersten Blick scheint die Frage abwegig, immerhin gibt es mit dem britischen Geldhaus Barclays und der Bietergruppe rund um die Royal Bank of Scotland gleich zwei Bewerber für ABN. Sollte einer ausfallen, bliebe immer noch der andere. Diese Antwort hätte vor einem oder zwei Monaten genügt, um alle Skeptiker mundtot zu machen. Doch heute sieht die Welt völlig anders aus. Die große Kreditkrise an den weltweiten Finanzmärkten hat die Stimmung vergiftet. Mittlerweile sind das Misstrauen und die Angst an den Märkten so groß, dass sich die Banken gegenseitig kaum noch Geld leihen wollen. Wie lässt sich in dieser Situation die Übernahme einer Großbank mit einer Bilanzsumme von 987 Milliarden Euro rechtfertigen?

Genau das fragen sich auch viele Aktionäre. Die Aktie von Barclays sackte in den vergangenen zwei Monaten um rund 20 Prozent ab. Bei der Royal Bank of Scotland liegen die Verluste bei etwa 15 Prozent. Damit stehen beide Institute deutlich schlechter da als der Rest der Branche; der Stoxx-Index der europäischen Banken verlor im gleichen Zeitraum nur neun Prozent an Wert.

Längst ist das Scheitern der Megafusion mehr als ein Gedankenspiel. Hugh Hendry, einer der bekanntesten Londoner Hedge-Fonds-Manager, ist inzwischen überzeugt davon, dass die Übernahme von ABN niemals Realität werden wird. Noch mag das eine Außenseitermeinung sein, aber die Zahl der Skeptiker wächst. Sollte der Mega-Deal tatsächlich kollabieren, dann steht für Hendry auch schon der Verlierer fest. Nein, keine der beteiligten Banken, sondern die Hedge-Fonds, die in der Hoffnung auf satte Gewinne mit Milliardensummen bei ABN eingestiegen sind. Hendry schätzt, dass die spekulativen Fonds mittlerweile über die Hälfte des gesamten Kapitals der niederländischen Bank halten. Den Managern dieser Hedge-Fonds dürfte beim Blick in die Kristallkugeln ziemlich flau im Magen werden.

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