City Talk
Ambivalente Gesellen

Mit ihnen geht es nicht, aber ohne sie auch nicht. Nein, hier ist nicht von irgendwelchen Geschlechterkämpfen zwischen Männlein und Weiblein die Rede, sondern von Hedge-Fonds. In den vergangenen Tagen wurde wieder einmal klar, welch ambivalente Rolle die Spekulanten in der Finanzkrise spielen und wie falsch man mit Pauschalurteilen über die extrem heterogene Hedge-Fonds-Szene liegen kann.

Es ist noch keinen Monat her, dass die britische Finanzaufsicht FSA zu dem Schluss kam, dass die spekulativen Fonds die Stabilität des Finanzsystems gefährden. Hintergrund: Die FSA hatte den Verdacht, dass große Hedge-Fonds auf Kursverluste der britischen Banken wetten und damit eine Reihe von Kapitalerhöhungen gefährden. Weil die Kurse der Geldhäuser immer weiter abschmierten, schien die dringend nötige Reparatur der löchrigen Bilanzen tatsächlich bedroht.

Die FSA zog die Konsequenzen und brachte im Eilverfahren eine neue Regel auf den Weg, die besagt, dass Investoren, die auf Kursverluste von Unternehmen wetten, die gerade in einer Kapitalerhöhung stecken, ihre Positionen offenlegen müssen. Allein die Tatsache, dass die für ihre liberale Grundhaltung bekannte FSA so tief in den Markt eingreift, zeigt wie groß die Angst der Aufseher vor einer Destabilisierung des Finanzsystems ist.

Aber inzwischen hat sich gezeigt, dass die Hedge-Fonds durchaus auch eine konstruktive Rolle spielen können. Als die drittgrößte britische Bank Barclays ihre Bilanz reparierte und frisches Geld bei den Investoren einsammelte, beteiligten sich eine ganze Reihe von Hedge-Fonds an dem Milliarden-Projekt. Vor kurzem kündigte auch der Genfer Hedge-Fonds-Manager Philippe Jabre in einem Zeitungsinterview an, dass er HBOS, der größten Hypothekenbank auf der Insel, bei deren Kapitalerhöhung unter die Arme greifen werde.

Aber hier wären wir bereits wieder beim Thema Ambivalenz angelangt. Denn ob die FSA über Jabre als Retter des Bankensystems wirklich glücklich ist, bleibt doch ziemlich fraglich. Immerhin hat sie gegen den Franzosen, als er noch für den Londoner Fonds GLG gearbeitet hatte, die bislang höchste Strafe wegen Marktmanipulation verhängt. Bleibt der Schluss, dass Gut und Böse an den Finanzmärkten noch schwieriger auseinanderzuhalten sind als im wirklichen Leben.

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