City Talk aus London
Licht im Dunkel

Dramatische Schwankungen an den Finanzmärkten machen eine Strukturierung von komplexen Finanzierungs- und Kreditinstrumenten unmöglich. Doch die anhaltende Krise scheint auch positive Aspekte zu beinhalten: Einige Investmentbanken sind in der Lage, auch in dieser schwierigen Zeit Gewinne einzustreichen.

HB "Immer wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her." Eine zugegebenermaßen ziemlich deutsche, ziemlich simple und ziemlich naive Poesie-Albumsweisheit. Aber in finsteren Zeiten wie diesen muss man vielleicht auf solche seit Jahrhunderten bewährten Weisheiten zurückgreifen, um die desolate Moral an den Finanzmärkten ein wenig zu heben. Tatsächlich könnte es nicht schaden, wenn der ein oder andere verzweifelte Investmentbanker morgens beim Rasieren den hoffnungsfrohen Sinnspruch aufsagen würde. Denn trotz Subprime-Krise, der Angst vor einem dramatischen Einbruch der Bankgewinne im zweiten Halbjahr und der immer heftiger grassierenden Furcht vor Entlassungen in der erfolgsverwöhnten Branche ist die Welt noch nicht untergegangen. Und aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie das so schnell auch nicht tun.

Die akute Krise an den Kreditmärkten wird sich natürlich nicht über Nacht in Wohlgefallen auflösen, und damit dürfte den Banken eine der wichtigsten Einnahmequellen der vergangenen Jahre wegbrechen: die Strukturierung von komplexen Finanzierungs- und Kreditinstrumenten. Aber die dramatischen Schwankungen an den Märkten, die diesem lukrativen Geschäft den Garaus machen, schaffen anderswo neue Chance. Je heftiger das Auf- und Ab der Kurse, desto größer die Chancen für die Handelsabteilungen der Banken, Gewinne einzufahren - natürlich immer vorausgesetzt, die Institute sind in der Lage, in diesen turbulenten Zeiten, die richtigen Preise zu stellen.

Tatsächlich hört man hinter den Kulissen, dass die Anleihe- und Devisenhändler einiger größerer Geldhäuser in den vergangenen Wochen recht ansehnliche Summen verdient haben. Unter dem Strich dürfte das zwar kaum reichen, um die wegbrechenden Einnahmen in anderen Bereichen auszugleichen, und mit Sicherheit war nicht jedes Institut in der Lage, die Turbulenzen gewinnbringend auszunutzen. Aber die Erfolge der Händler sind doch ein kleiner Beweis für die These, dass die Investmentbanken in der Lage sind, sich neu zu erfinden, wenn die Zeiten schwierig werden. Wie hell das Lichtlein in der Dunkelheit tatsächlich leuchtet, wird sich spätestens in der kommenden Woche zeigen; dann legen die ersten großen Wall-Street-Häuser ihre Zahlen vor.

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