City Talk
Berechtigte Angst

„What goes up, must come down“, so simpel ist mein Weltbild – und deshalb fürchte ich, wie viele skeptische Analysten und Volkswirte, dass am britischen Immobilienmarkt demnächst eine Blase von gehörigem Ausmaß platzen wird.

LONDON. Gibt es Investoren, die so wie der Autor dieser Kolumne von der großen Technologieblase Ende der 90er Jahre geprägt wurden? Anleger, die lange nicht an die schöne neue Welt der New Economy glauben wollten, und sich gerade zu den Bekehrten zählten, als die Blase auch schon mit lautem Knall platzte. Führen solche Erfahrungen zu einer Art Paranoia, zu einer irrationalen Angst vor „irrationalem Überschwang,“ wie Ökonomen das Blasen–Phänomen nennen?

Mir jedenfalls fällt es schwer, an einen Paradigmenwechsel an den Märkten zu glauben. An neue Regeln, die das Spiel grundsätzlich ändern und Kurse oder Preise ohne Absturzgefahr in nie geahnte Höhen treiben.

„What goes up, must come down“, so simpel ist mein Weltbild – und deshalb fürchte ich wie viele skeptische Analysten und Volkswirte (vielleicht auch aus der „verlorenen Generation“?), dass am britischen Immobilienmarkt demnächst eine Blase von gehörigem Ausmaß platzen wird. Indizien für die These, dass die Manie schon bald in Depression umschlagen könnte, gibt es durchaus.

Auf der manischen Seite der Gleichung steigen die Hauspreise immer weiter. Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Preise für eine Wohnung oder ein Haus in London verdreifacht. Damit die Käufer sich den Einstieg überhaupt noch leisten können, gewähren die Banken ihnen immer höhere Kredite, seit einigen Tagen bis zum fünffachen des persönlichen Einkommens.

Auf der depressiven Seite der Gleichung steht die Statistik zu den privaten Pleiten. In den vergangenen drei Monaten rutschten fast 28 000 Bürger, so viele wie noch nie, in die Zahlungsunfähigkeit. Volkswirte wie Robert Lind von ABN Amro, die fast schon zu den Veteranen in der City zählen, beschleicht das Gefühl eines Déjà-Vu. Sie fürchten die Wiederkehr der großen Depression der achtziger Jahre, als der britische Immobilienmarkt kollabierte und die gesamte Wirtschaft mit sich riss.

Ach ja, es gibt übrigens auch Optimisten wie die Experten von Oxford Economic Forecasting. Die sagen voraus, dass der durchschnittliche Preis für ein britisches Heim in den kommenden fünf Jahren von 200 000 auf 300 000 Pfund steigen wird. Vermutlich entstammen diese Fachleute einer jüngeren Generation.

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