City Talk
Bloß keine Panik

So fühlt sich also eine echte Bankenkrise an. Die Schieflage des Baufinanzierers Northern Rock produziert Szenen, die man eigentlich für unmöglich hielt. Szenen, die man nur aus Geschichtsbüchern über die große Depression der 30er Jahre kannte. Doch während Anleger panisch reagieren, bleiben die Profis gelassen - Realismus oder Naivität?

HB. Menschen, die sich buchstäblich tagelang vor einer Bankfiliale anstellen, um ihr Vermögen zu retten, und - vielleicht noch ungewöhnlicher - Engländer, die beim Schlangestehen rempeln und sich anpöbeln. Die rüpelhafte Reaktion einiger Northern-Rock-Sparer zeigt, dass die Nerven blank liegen. Trotz der Beruhigungsparolen der Politiker halten Anleger inzwischen jede Katastrophe für möglich.

Und wie reagieren die Profis auf das Desaster? Fast sieht es so aus, als habe sich die Branche heimlich abgesprochen und die Devise ausgegeben, dass Ruhe jetzt die erste Bürgerpflicht ist. Die Reaktion ist fast überall die gleiche: "Bloß keine Panik." Die Lösung der Krise sei eine Sache von Tagen oder Wochen, nicht von Monaten. Bald schon würden die eingefrorenen Kreditmärkte wieder auftauen; dann könne das Leben weitergehen; der Branche drohe nach dem heißen Boom, eher ein milder Herbst als ein eisiger Winter.

Ist dies realistisch, berechnend, oder schlicht naiv? Oder ist das Banker-Hirn einfach nicht in der Lage, so schnell von Boom auf Bust umzuschalten? Schließlich dürfte es nicht leicht fallen zu akzeptieren, dass die bisher üppig sprudelnden Ertragsquellen plötzlich vertrocknen. Die Optimisten haben einige gute Argumente. Die Weltwirtschaft ist heute deutlich robuster und ruht auf mehr Pfeilern als noch vor wenigen Jahren. Aber es ist genauso gut möglich, dass Northern Rock als Symbol einer langen und schweren globalen Finanzkrise mit massiven Folgen für die Realwirtschaft in die Geschichtsbücher eingeht.

Dass die Krise Spuren hinterlassen wird, ist auch den größten Optimisten klar. Die neuesten Analysen gehen davon aus, dass in der City of London nach jahrelangem ungebremsten Wachstum 2007 rund 5 000 Jobs wegfallen werden. Doch auch den trüben Aussichten gewinnen die Banker etwas Positives ab: Besser jetzt entlassen werden als später. Denn noch bewegt sich der Arbeitsmarkt, und noch haben die Banken bei Entlassungen ein schlechtes Gewissen, so dass die Abfindungen üppiger ausfallen als vielleicht in einigen Monaten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%